Schwere Waldbrände haben die Feuerwehren in Frankreich, Spanien und Italien in Atem gehalten. Nahe der Atlantikküste bei Bordeaux wurden 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht, unter ihnen zahlreiche Touristen, wie die örtlichen Behörden am Donnerstag mitteilten. Mehrere Campingplätze nördlich des bei Urlaubern beliebten Beckens von Arcachon wurden geräumt. In Spanien verwüstete ein Brand bereits rund 32.000 Hektar Land, in Italien kämpften Tausende Einsatzkräfte gegen Dutzende Brände. Insgesamt drei Feuerwehrleute kamen bislang ums Leben, zwei in Frankreich, einer in Italien. Das Feuer um die Gemeinde Le Porge in der Nähe von Bordeaux erfasste bereits 3100 Hektar. Ein freistehendes Haus brannte ab, Opfer wurden zunächst aber nicht gemeldet. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden. „Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort bleiben, wie es nötig ist“, schrieb Macron am Samstag im Kurzbotschaftendienst X. In diesen schwierigen Zeiten zeige Frankreich, was es sei: „Ein vereintes Volk, das zusammenhält.“ 12.000 Touristen und Bewohner wurden aus Campingplätzen und anderen Ferienunterkünften in der Nähe von Bordeaux evakuiert, später folgten weitere 8800 Menschen von Campingplätzen. Der Himmel über Le Porge war am Donnerstagmorgen orange gefärbt. Zwischen Le Porge und der südlich gelegenen Stadt Lège-Cap-Ferret stiegen Rauchschwaden aus Baumstämmen auf, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Hubschrauber flogen wiederholt über Häuser mit verschlossenen Fenstern, und Löschfahrzeuge fuhren über die Straßen. „Wir haben etwas Angst und können es kaum fassen“ „Die Gendarmen haben an die Türen aller Häuser geklopft“, sagte Patrick Martineau, der in Le Porge wohnt und das Gebiet schnell verlassen musste. „Wir haben etwas Angst und können es kaum fassen“, fuhr er fort. „Als wir hier ein Haus gekauft haben, hätten wir nie gedacht, dass es eine Brandgefahr geben könnte.“ Temperaturen über 30 Grad und starker Wind erschweren die Löscharbeiten erheblich. Die Gegend ist von Pinienwäldern geprägt, die infolge der jüngsten Hitzewellen stark ausgetrocknet sind. Die Behörden erklärten, die Wetterbedingungen blieben „ungünstig“. Sie verwiesen auf die „unberechenbaren Winde“, die erwartet würden. Der Bürgermeister von Le Porge, Martial Zaninetti, nannte ein Räumfahrzeug von Waldarbeitern als möglichen Auslöser des Brandes. Insgesamt brannten bereits 44.000 Hektar ab Im Süden Frankreichs stabilisierte sich die Lage am Donnerstag im Gebiet um Pontevès nordöstlich von Marseille. Zuvor waren durch die Flammen Behördenangaben zufolge 2500 Hektar verwüstet und zehn Häuser zerstört worden. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden seit Beginn des Jahres 12.500 Brände verzeichnet. Insgesamt brannten bereits 44.000 Hektar ab. Damit wurde der bisherige Höchststand von 2022 übertroffen. Die jüngste Hitzewelle im Land, die vom 4. bis zum 19. Juli dauerte, war nach Angaben des Wetterdienstes Météo-France zufolge die drittlängste, die jemals im Land gemessen wurde. Damit lag sie gleichauf mit denen vom August 2003 sowie von den Sommern 2018 und 2025. Es war zudem die dritte Hitzewelle des Jahres in Frankreich seit Ende Mai. In Spanien kam es derweil zu zwei Flächenbränden in der Nähe von Madrid. Etwa 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt waren 15 Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz. Mehrere Gemeinden waren evakuiert worden. Die meisten Einwohner konnten am Donnerstag bereits wieder zurückkehren. Die Sicherheitsdienste sandten zwei Mal Warnnachrichten an alle Mobiltelefone in der Region. Ein zweites Feuer etwa 100 Kilometer nördlich von Madrid erfasste bis Donnerstag etwa 32.000 Hektar. Auch in Spanien ist die Vegetation nach den jüngsten Hitzewellen stark ausgetrocknet, was die Ausbreitung der Feuer befördert. Auch in Italien kämpfte die Feuerwehr gegen zahlreiche Flächenbrände. Auf der Mittelmeerinsel Sizilien wurden etwa 100 Bewohner und 22 Patienten aus einem Krankenhaus evakuiert, dort waren die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf mehr als 40 Grad gestiegen. In der süditalienischen Region Kalabrien kam es zu 160 Feuern. Nach Angaben des Zivilschutzes gehen einige von ihnen auf das Konto von Brandstiftern.
