FAZ 06.05.2026
20:49 Uhr

Streit mit Trump: Nun soll Rubio es richten


Vor dem Besuch des US-Außenministers in Rom hat Donald Trump den Papst abermals kritisiert. Leo XIV. kontert die Äußerungen ungewöhnlich deutlich.

Streit mit Trump: Nun soll Rubio es richten

Papst Leo XIV. hat in ungewöhnlich deutlicher Form auf die neuerliche Kritik von Präsident Donald Trump reagiert. Der abermals entflammte Streit über den Irankrieg droht das Treffen des Papstes mit US-Außenminister Marco Rubio am Donnerstag zu überschatten. Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer und praktizierender Katholik, soll um 11.30 Uhr im Vatikan vom Papst in Privataudienz empfangen werden. In der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo südöstlich von Rom hatte der Papst am späten Dienstagabend vor Journalisten gesagt: „Die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden, den Frieden zu predigen. Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, dann möge er dies wahrheitsgemäß tun.“ Damit reagierte Leo auf eine Äußerung Trumps, der in einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt behauptet hatte, der Papst gefährde mit seiner kritischen Haltung zum Irankrieg „viele Katholiken und viele Menschen“, und fortfuhr: „Aber ich schätze, wenn es nach dem Papst ginge, fände er es in Ordnung, wenn Iran Atomwaffen besäße.“ „Vom ersten Moment an klar geäußert“ Ohne direkt auf Trumps Behauptung einzugehen, sagte der Papst in Castel Gandolfo: „Die Kirche spricht sich seit Jahren grundsätzlich gegen Atomwaffen aus. Ich hoffe einfach, dass man mir zuhört, weil das Wort Gottes Gewicht hat.“ Er habe sich seit seiner Papstwahl am 8. Mai 2025 „vom ersten Moment an klar geäußert“. Und nun, kurz vor dem Jahrestag, wolle er an seine ersten Worte als Papst auf der Mittelloggia des Petersdoms erinnern: „Der Friede sei mit euch.“ Mit Blick auf das geplante Treffen mit US-Außenminister Rubio äußerte der Papst die Hoffnung auf einen „guten Dialog in Vertrauen und Offenheit“ und auf ein „gutes Einvernehmen“. Papst Leo XIV. verbringt nach Möglichkeit jeden Dienstag in der Residenz in Castel Gandolfo am Albaner See, um sich dort auf die Termine in der zweiten Wochenhälfte vorzubereiten. Mit dem Empfang Rubios in Privataudienz scheint der Papst ein Zeichen der Dialogbereitschaft zu senden. Gemäß dem Protokoll wäre für Rubio Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin der ranghöchste Gesprächspartner beim Heiligen Stuhl. Auch Rubio bemühte sich vor dem Treffen mit Leo darum, die Wogen zu glätten. Es seien in jüngster Zeit zwar „einige Dinge passiert“, sagte Rubio am Dienstag in Washington, sein Besuch in Rom sei aber lange vor den Kontroversen um die Friedensappelle des Papstes bei dessen Afrikareise vom 13. bis 23. April geplant gewesen. Rubio und der Papst haben vieles zu besprechen Rubio sagte, es gebe zahlreiche Themen, die er mit dem Papst besprechen wolle. „Wir haben gemeinsame Anliegen in Bezug auf Religionsfreiheit in verschiedenen Teilen der Welt.“ Das State Department teilte weiter mit, Rubio werde mit dem Oberhaupt der Weltkirche zudem „die Lage in der Golfregion“ sowie „gemeinsame Interessen in der westlichen Hemisphäre“ erörtern. Bei letzterem Themenbereich dürfte es vor allem um die zugespitzte Krise auf Kuba gehen. Washington hat das seit Jahren bestehende Wirtschaftsembargo gegen Havanna seit Januar durch eine nahezu vollständige Treibstoffblockade verschärft. Rubio sagte, die USA seien bereit, der Bevölkerung auf Kuba „mehr humanitäre Hilfe zukommen zu lassen und diese über die Kirche zu verteilen. Aber das kubanische Regime muss uns das erlauben.“ Der Vatikan hat in der Vergangenheit immer wieder zwischen dem kommunistischen Regime in Havanna und verschiedenen Regierungen in Washington vermittelt und damit etwa die Freilassung politischer Gefangener auf Kuba erreicht. Rubio wird bei seinem Besuch in Rom auch mit Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zusammenkommen.