Egal wie viele Zuschauer die Skyliners an diesem Dienstag in der Ballsporthalle zu ungewohnter Abendstunde im EuroCup auch begrüßen werden: Sie werden sich nicht nachsagen lassen können, nicht vorausschauend gehandelt zu haben. Die Frankfurter sind im Bilde. Denn die große Herausforderung im Hinblick auf den Publikumszuspruch an Spieltagen unter der Woche war dem Basketball-Bundesligaverein von Anfang an bewusst. Aufbruchstimmung hat Frankfurts 72:104-Auftaktniederlage beim italienischen Meisterschaftszweiten Umana Reyer Venice nicht verbreitet. Mit diesem Handicap starten die Hessen nun zu Hause in den internationalen Wettbewerb, der der zweithöchste unter dem Dach der Union der europäischen Basketballligen (ULEB) ist. Premierengegner vor eigenem Publikum von 19.30 Uhr an ist der litauische Vertreter Siauliai Basketball, bevor es für die Mannschaft von Trainer Klaus Perwas am 15. Oktober im dritten Kräftemessen fern des heimischen Marktes zu den London Lions geht. Das erste Erstligaheimspiel der Skyliners in dieser Saison gegen Rasta Vechta (93:81) verfolgten Ende September 3200 Zuschauer. Exakt 5002 hätte die Halle aufnehmen können, die erreichte Zahl war demnach nicht überragend, aber aufgrund des Namens des Gegners auch nicht besorgniserregend. Die Litauer, die sich gegen London 74:71 durchsetzten, sind wohl ebenfalls kein Publikumsmagnet. Ihre nationale Spielklasse beendeten sie in der regulären Runde der Vorsaison auf Platz vier, in den Play-offs war für den Traditionsverein, der sich heute in seiner Heimat hinter den Topklubs Zalgiris Kaunas und Rytas Vilnius einreihen muss, im Viertelfinale Schluss. Mit 2000 Zuschauern wären die Skyliners schon zufrieden Halten rund 2000 Basketballanhänger das Dienstagsduell in der Mainmetropole für einen Besuch wert, wären die Frankfurter für den Anfang mit dem Aufkommen wohl schon zufrieden. Konkurrenz, was europäische Sportereignisse unter der Woche in Frankfurt angeht, haben die Skyliners in dieser Saison kaum. Die Eintracht ist nämlich entgegen ihren hohen Erwartungen aus dem Rennen in Europa. Nur die Frankfurter Fußballfrauen mischen auf internationalem Terrain noch mit. Das Angebot für Zuschauer, vor Ort über Ländergrenzen hinwegzublicken, ist damit überschaubar. Es ist aber nicht nur der Gegner der Skyliners, der noch keinen Run auf die Eintrittskarten auslösen dürfte. Frankfurts Basketballbegeisterte sind es auch nicht mehr gewohnt, sich an einem Wochen- und normalen Arbeitstag zu einer internationalen Begegnung in der Ballsporthalle einzufinden. Über viele Jahre hinweg gehörten die Skyliners zwar zum illustren Kreis deutscher Vereine, die sich sportlich in verschiedenen Gewichtsklassen auf der europäischen Basketballbühne öffentlichkeitswirksam zur Schau stellten. Dreimal waren sie sogar Premiummitglied in der von der ULEB gegründeten Euroleague: in den Spielzeiten 2000/2001, 2001/2002 und 2004/2005. 2004 wurde Frankfurt deutscher Meister. Und einmal, in der ersten Klubsaison 1999/2000, traten die besonders spielfreudigen Skyliners in jeweils getrennten Wettbewerben zweimal in Europa an: im Saporta Cup, wo sie das Achtelfinale erreichten, und gleichzeitig in der North European Basketball League (NEBL). Wahre Schwerstarbeit unter den Körben. Elf Jahre später begannen die Frankfurter ihr internationales Engagement im EuroCup, bevor sie nach dem Ausscheiden in der Qualifikationsrunde gegen den türkischen Vertreter Banvit BK den Spielbetrieb in der klassentieferen EuroChallenge fortsetzen mussten. 2016 gewinnen die Skyliners den FIBA Europe Cup Doch es ging mit einem Klubhöhepunkt auch anders: 2016 war ein für sie besonderes Jahr, in dem die Skyliners mit dem Gewinn des FIBA Europe Cups ihren größten internationalen Erfolg bejubelten. Damaliger Headcoach war der spätere Weltmeistertrainer mit Deutschland, der in Kanada geborene Gordon Herbert. Er gewann seinen zweiten Titel mit Frankfurt. Seit der Saison 2018/2019 aber spielten die Skyliners international nicht mehr mit. Es waren eher magere Jahre für den Verein aus der Stadt mit den vielen Bankentürmen, der mit dem Abstieg 2023 in die zweite Liga seinen Tiefpunkt erlebte. Europas Basketballhöhen waren durch den Frankfurter Absturz ganz weit weg. Seine meisten Pflichtspiele trug der Pokalsieger von 2000 daher an den Wochenenden aus. Mit einem Publikum – dazu zählen vor allem Familien mit Kindern –, das für Abendspiele wochentags nicht unbedingt prädestiniert ist. So sind die Skyliners darauf angewiesen, für ihre Auftritte in Europa ein neues Zielpublikum anzusprechen. Sie glauben, es jetzt gefunden zu haben: Aus den Spielen mit internationaler Beteiligung zu späterer Stunde will der Klub auch eine attraktive After-Work-Veranstaltung machen. Basketball zum (schönen) Feierabend in Frankfurt. Dafür sind die Skyliners bereit, ein Stück weit zu investieren. Wohl teilweise auch in Freikartenaktionen. Der Verein will sich ein neues Publikum, das Gefallen nach getaner Arbeit an einem Sportevent findet, aufbauen. Dieser Dienstag sei „eine Chance auf Wiedergutmachung für unsere schlechte Leistung in Venedig“, sagt Skyliners-Kapitän Till Pape und spricht von einem „Welcome-to-EuroCup-Moment“. Bis Mitte Januar des kommenden Jahres werden die Skyliners in Frankfurt mit La Laguna Tenerife, Türk Telekom Ankara sowie Maxima Roma weitere namhafte Gegner empfangen. Deren Spieleretats teilweise deutlich höher sein dürften. Unter Wert wollen sich die Skyliners trotzdem nicht verkaufen. Denn Werbung für die eigene Sportart macht man am besten mit Erfolgserlebnissen. Die zudem beim Gewinn neuer Zuschauergruppen sehr hilfreich sind.
