Das Städel ist anders. Gelten Museen allgemein als staatliche Zuschussbetriebe, so trägt das bekannteste Kunsthaus Frankfurts sich zu 85 Prozent selbst. Eine solch hohe Eigenfinanzierungsquote sei „wahrscheinlich einzigartig in ganz Europa“, betonte Städel-Direktor Philip Demandt gleich zu Beginn seines Gesprächs mit F.A.Z.-Redakteur Stefan Trinks. Während die meisten Museen irgendwann unter staatliche Aufsicht geschlüpft seien, habe das Städel, hervorgegangen 1815 aus dem Testament des Bankiers Johann Friedrich Städel, bis heute seine Unabhängigkeit bewahrt. Eine Stütze dieser Unabhängigkeit sind die anhaltend hohen Besucherzahlen. 425.000 waren es im Jahr 2024 im Städel und im angeschlossenen Liebieghaus, 100.000 mehr als im Jahr zuvor und mehr als doppelt so viel wie etwa in der der Berliner Gemäldegalerie. Wie schafft es das Museum, immer neue Besucher anzuziehen? Ort und Kunst sollen Symbiose eingehen Neben der Qualität der Ausstellungen hob Museumsdirektor Demandt zwei Faktoren hervor. Früh hätten sie begriffen, dass diejenigen Museen am erfolgreichsten seien, bei denen Ort und Kunst eine „Symbiose“ eingingen. Deswegen hätten sie zum Beispiel die Dachterrasse zu einer Aussichtsplattform ausgebaut, die seitdem von zwei Dritteln der Museumsbesucher tatsächlich auch betreten werde. Außerdem, so Demandt, habe das Städel sich unter seiner Direktion der allseits zu beobachtenden Politisierung der Kunstinstitutionen verweigert: „Jede Woche bekomme ich eine Anfrage, ob ich nicht eine Petition unterzeichnen möchte. Doch wer eine Petition unterzeichnet, muss überall Stellung beziehen.“ Das heiße nicht, dass potentiell politische Themen im Städel einfach ausgespart würden. Aber sie würden ohne erhobenen Zeigefinger und im Medium der Kunst verhandelt, etwa mit Ausstellungen zu unbekannten Künstlerinnen oder zu Rembrandts teils erschreckend armen Umfeld in Amsterdam. Dadurch, konnte man schließen, bewahrt sich das Städel eine Offenheit, die es für breite Bevölkerungsschichten attraktiv macht. Werben um einen Kapitalstock Wenn das alles aber so gut läuft, warum dann die vor wenigen Wochen verkündete Entscheidung, einen Kapitalstock von 100 Millionen Euro aufbauen zu wollen? Teilweise leide das Städel, so Demandt, unter seinem guten Ruf. Was viele nicht wüssten: Trotz der hohen Besucherzahlen decke sein Museum nur 20 bis 25 seiner Kosten durch Ticketverkäufe. Der Rest komme von Bürgern, Stiftungen und Unternehmen (sowie 15 Prozent von der öffentlichen Hand). Das ständige Werben um Drittmittel koste viel Kraft und schaffe Unsicherheit. Deswegen wolle man sich künftig auf ein festeres Fundament stellen und werbe um ein „endowment“ nach amerikanischem Vorbild. Wenn diese Fundament steht – ein Drittel der 100 Millionen hat das Museum laut Demandt schon eingeworben – kann das Städel womöglich noch besucherfreundlicher werden. Ob man dann nicht auch die Preise senken, den Eintritt für junge Menschen sogar kostenlos machen könnte, wollte der Moderator Trinks noch wissen. Ganz abschaffen möchte man Eintrittsgelder nicht, antwortete Demandt, denn was nichts koste, sei in den Augen vieler auch nichts wert. Und alle Untersuchungen zeigten, dass Kosten nicht das eigentlich Hindernis für einen Museumsbesuch seien. Aber: „Wenn einer von Ihnen uns 500 Millionen spendet, dann können wir den Eintritt gerne deutlich günstiger machen.“ Da lachte das Publikum. Vielleicht meldet sich ja noch jemand.
