FAZ 14.05.2026
17:38 Uhr

Staatliche Zinslast: Raus aus der Schuldenfalle!


Schwache Wirtschaft, starker Staat – aber wie lange noch? Mit der Verschuldung schießen die Zinsausgaben des Bundes in die Höhe. Das kann nicht ewig so weitergehen.

Staatliche Zinslast: Raus aus der Schuldenfalle!

Zahlen lügen nicht. Zwei Reihen sagen mehr als tausend Worte. Zum einen: 182, 196, 194, 197, 202. Zum anderen: 34, 44, 61, 72, 84. Die erste beschreibt die geplante Neuverschuldung des Bundes bis Ende des Jahrzehnts. Die zweite spiegelt seine Ausgaben für die Schulden im selben Zeitraum. Es geht jeweils um Milliarden Euro. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass da etwas schiefläuft. Der Spielraum, den sich der Finanzminister mit der Kreditorgie verschafft, wird schon bald spürbar kleiner. Nur wenn die deutsche Wirtschaft stark wachsen und die Steuereinnahmen steil anziehen sollten, wäre diese Politik länger durchzuhalten. Aber dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil. Die außenwirtschaftlichen Belastungen werden größer. Und die Bundesregierung redet viel über Reformen, doch wenig ist in Sicht, was den Unternehmen Mut machen würde, in Deutschland mehr zu investieren. Die Wirtschaft schwächelt, aber der Staat ist stark – noch Es ist offenkundig leichter, einen Schuldenberg aufzuhäufen, als ihn abzutragen. Deutschland droht in die Falle zu laufen, in der Italien und Frankreich längst stecken. Der Spielraum für die Regierungen in Rom und Paris wird immer enger, sie können kaum noch auf Krisen reagieren. Anders als die Koalition in Berlin. Die Wirtschaft schwächelt seit Jahren, aber der Staat war immer stark. Wie wichtig das ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Ob Corona-Epidemie oder Energieelend – der Bund konnte immer stabilisierend und helfend eingreifen. Italien wird mit seiner Schuldenquote aller Voraussicht nach bald sogar Griechenland überholen. Frankreich hat oft versprochen, sein Defizit zu senken, aber die Verschuldung wächst munter fort. Dagegen haben die Krisenstaaten des vergangenen Jahrzehnts mit Griechenland an der Spitze ihre Lasten abgebaut. Dort hat man schmerzhaft gelernt, was Überschuldung heißt. Seit September berät in Deutschland eine Expertenkommission, wie man die Schuldenregel im Grundgesetz verbessern kann. Eines ist klar: So wie jetzt  kann es nicht weitergehen. Die Kreditaufnahme muss wieder stärker begrenzt werden, damit nachfolgende Regierungen handlungsfähig bleiben.