„Die Zukunft war früher auch besser“ ist einer der Sprüche, die Karl Valentin unsterblich machen. Francis Picabia kennen viele nur von dem Satz „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“. Beide hängen oft gemeinsam in Küchen, an Memo-Wänden oder Gäste-WCs. Mit diesen Sprüchen kommt man ziemlich weit. Erst recht, wenn man sich ansieht, wer sie an die Wand gepinnt hat. Und in welchem Kontext. Eine gute Freundin hat diese und ein paar andere inmitten einer ganzen Wand von Karten mit Klassikern deutscher Cartoon-Kunst. Viel Neue Frankfurter Schule, gekauft bei Besuchen im Frankfurter Caricatura Museum, Rattelschneck, Gerhard Glück, Loriot. Wer die Wand betrachtet, ahnt einen humorbegabten, kritischen, lebenszugewandten Geist, der sie geschmückt hat. Die Sache kann allerdings auch ganz anders liegen. In grauer Vorzeit gab es da mal ein Date. Als wir dann in seiner superaufgeräumten Küche standen, prangte an deren Edelstahlfront die Karte mit dem Spruch des Dalai Lama: „Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen.“ In der Küche gab es außer Müsli und Bananen nur fettarme Milch und eine Art Margarine. Zeugte die Karte von einem völlig gestörten Selbstbild? Oder war sie eine Motivation auf dem Weg zu einem neuen Leben als Gourmet in einer Beziehung? Wir werden es nie erfahren. Die Lehre lautet lediglich: Augen auf bei Spruchpostkarten in fremden Wohnungen. Es schadet aber nie, Gedanken interessanter Leute immer mal wieder auch nur im Vorbeigehen zu streifen und so eine kleine Ermutigung, ein Lächeln, eine Erinnerung mitzunehmen. Die Frankfurter Künstlerin Moni Port sammelt seit Jahren kluge Zitate von starken Frauen und macht daraus Siebdrucke, zum Aufhängen und Verschicken. Jetzt sind 50 ihrer „Women’s Words“ auch als Buch erschienen, zum Alleinlesen. Man muss dafür nicht mal eine Frau sein.
