Der Hochschulpakt steht. In diesem Jahr müssen die Hochschulen in Hessen rund 30 Millionen Euro einsparen, sie sollen jeweils ein Zehntel der Personalkosten kürzen. Dessen sind sich auch die Veterinäre an der Universität Gießen bewusst. Der Sparzwang gilt auch für sie. Dies haben sie mit den anderen Fachbereichen am Ort und an den anderen Hochschulstandorten gemeinsam. Allerdings sehen sie sich in einer Sonderrolle. Auch deshalb hadern sie mit der vom Land verfügten Kürzung nach der Rasenmähermethode, und das beim Blick auf die Einzelheiten zu Recht. Die Uni-Veterinäre können auf ein Alleinstellungsmerkmal verweisen. Juristen werden in Hessen nicht nur in Frankfurt ausgebildet, Wirtschaftswissenschaftler nicht nur in Kassel, Informatiker nicht nur in Darmstadt und Politologen nicht nur in Marburg. Die Liste ließe sich fast beliebig um andere Fächer erweitern. Dagegen bildet zwischen Kassel und dem Odenwald nur die Uni Gießen junge Tierärztinnen und Tierärzte aus. Darüber hinaus findet sich in Rheinland-Pfalz und im Saarland, in Thüringen und Nordrhein-Westfalen kein veterinärmedizinischer Fachbereich, wie die Uni-Tierärzte an der Lahn hervorheben. Nur Hannover bildet mehr Veterinäre aus, Leipzig und München bleiben dagegen hinter Gießen deutlich zurück. Die Uni-Veterinäre arbeiten dabei nicht nur in Forschung und Lehre, die sie durch den Sparzwang teils gefährdet sehen. Ihr Fachwissen ist auch gefragt, wenn es um den Kampf gegen Tierseuchen wie die Vogelgrippe, die Afrikanische Schweinepest oder die Blauzungenkrankheit geht. Sie versorgen vom Uhu bis zur Spitzmaus, vom Hirsch bis zum Iltis Wildtiere, die ihnen gebracht werden. Ohne universitäre Ausbildung gibt es keine neuen Amtstierärzte, die Schlachtungen überwachen und Gammelfleisch in Restaurants aufspüren. Und weil andere Tierärzte das nicht wollen oder können, sind die Uni-Veterinäre für Landwirte als Hoftierärzte tätig. Davon profitieren beide Seiten – noch. Für all diese Dienste braucht es Personal. Und Geld. Um nicht nur zu klagen, haben die Uni-Veterinäre einen eigenen Vorschlag für mehr Einnahmen zur Hand. Sie wollen den vor Jahren unter Spardruck eingestellten Außennotdienst wieder aufleben lassen. Dafür brauchen sie aber die Hilfe des Landes. Das Landwirtschaftsministerium sollte ihnen entgegenkommen.
