FAZ 26.03.2026
16:09 Uhr

Sicherheit im Fußball: Die Lehren aus Magdeburg


Mehr Konsequenz oder mehr Prävention? Im Sportausschuss des Bundestags wird über die Gewalt rund um Fußballspiele diskutiert. Dabei prallen verschiedene Sichtweisen aufeinander.

Sicherheit im Fußball: Die Lehren aus Magdeburg

Es war eine gute Nachricht und dann auch wieder nicht. Der Polizistin, die bei den Ausschreitungen rund um das Fußball-Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden von einem Gullydeckel getroffen wurde, geht es besser. Das berichtete am Mittwoch Andreas Schmenkel-Backhoff, der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder, im Sportausschuss des Bundestages. „Sie ist auf dem Weg der Besserung, der Helm hat ihr das Leben gerettet“, sagte Schmenkel-Backhoff in nüchtern-sachlichem Ton. Ebenso nüchtern-sachlich fügte er hinzu, dass seine Kollegin vorerst „traumatisiert“ bleibe und man hoffen müsse, dass sie keine bleibenden Schäden davontrage. „Zunehmende Aggressivität zwischen Fans und Polizei“ Insgesamt 77 verletzte Beamte, zwei Fans, die wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft sitzen, das ist die Schreckensbilanz jener Exzesse am 24. Januar, deren sich auch die Politik angenommen hat. Anfang März im (nichtöffentlichen) Innenausschuss, zuletzt bei der Sportministerkonferenz, nun im Ausschuss für Sport und Ehrenamt. Wie zu erwarten, trafen bei den Sachverständigen zunächst eine primär quantifizierende und eine eher qualitative Sicht aufeinander. Ansgar Schwenken, der Direktor Spielbetrieb und Fans der Deutschen Fußball Liga (DFL), rechnete vor, dass von den jährlich 21 Millionen Stadionbesuchern in den obersten drei Ligen im Schnitt 0,1 Personen pro Spiel zu Schaden kommen: So gesehen ist das Stadionerlebnis tatsächlich „sehr sicher“, wie auch Christina Gassner bekräftigte, die Direktorin für Politische Beziehungen, Gesellschaft und Sicherheit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dem allerdings stehen nicht nur Eruptionen wie die in Magdeburg gegenüber, sondern auch allgemein beunruhigende Trends. Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), berichtete von „zunehmender Gewaltbereitschaft, zunehmender Aggressivität zwischen Fans und Polizei, zunehmender Demokratieskepsis“. Womöglich kann man das, was in und um die Stadien (und nicht nur dort) zu spüren und zu sehen ist, mit dem Begriff der Latenz fassen – mit der Polizei in der undankbaren Rolle zwischen den Stühlen, Erwartungen und Pyro-Geschossen. Was kann getan werden? Was aber kann, bei allen Vorbereitungen, wie sie die Klubvertreter aus Magdeburg und Dresden schilderten, mehr oder anders getan werden, um derartige Eskalationen zu verhindern? Mehr Konsequenz, sagen die einen, etwa der Polizist Schmenkel-Backhoff. Er erwarte „schlichtweg mehr Einsatz der Vereine“, dort seien diejenigen bekannt, die für Unruhe und Gefährdung sorgten, aber er adressierte auch DFB und DFL. Mehr Prävention, sagen die anderen, die Vertreter der sozialpädagogischen Fanprojekte, die auf persönlicher Ebene eine Verhaltensänderung herbeiführen wollen. Dafür braucht es Vertrauen und finanzielle Mittel, und es gehört zum Dilemma dieser Arbeit im Brennpunkt, dass sie durch Vorfälle wie in Magdeburg zusätzlich unter Druck gerät, während die positive Wirkung kaum gemessen werden kann. Gestritten wird derzeit hinter den Kulissen vor allem beim Thema Stadionverbote. Schmenkel-Backhoff betonte, dass er darin ein „sehr wirksames Schwert“ zur Abschreckung sehe. Allerdings haben Vereine und Verbände von der Umsetzung mitunter eine andere Vorstellung als Polizei und Politik. Unterschiedliche Vorstellungen sind aber noch woanders ein Problem. Während Schmenkel-Backhoff sagte, dass er einen „Konfrontationskurs“ der Polizei nicht erkennen könne, es darum gehe, die geltenden Normen abzusichern, würde deren Verhalten, wie Gabriel sagte, von den Fans als Konfrontation empfunden. Womöglich liegt hier das zentrale Missverständnis.