Drei Flaggen stehen vor dem roten Vorhang im Bürgerhaus, die deutsche, die koreanische und die Fahne des koreanischen Außenhandelsverbands Okta. Feierlich geht es weiter: Schwalbachs Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) und Okta-Präsident Choi In-geun unterschreiben eine Absichtserklärung, der zufolge die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Korea und der Stadt am Taunus gestärkt werden sollen. Dann werden Einzelfoto und Gruppenfoto gemacht, hübsch verpackte Gastgeschenke überreicht, und es wird Kuchen serviert. Philip Sokolowski, seit November 2025 neuer Wirtschaftsförderer der Stadt, moderiert souverän dreisprachig auf Deutsch, Englisch und Koreanisch. Nach dem Wegzug des Elektronikriesen Samsung in die Nachbarstadt Eschborn braucht Schwalbach dringend neue Gewerbeansiedlungen. Die Zusammenarbeit mit Korea liegt nahe, denn mit rund 800 Koreanern befindet sich eine große Community im Ort. Es gibt schon viele kleine und mittlere Unternehmen von Koreanern, dazu einen koreanischen Friseur, einen Buchladen, Supermarkt und sechs koreanische Restaurants vom unkomplizierten Hähnchengrill bis zum feinen Abendessen. Das ist ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann. „Das Essen hat einen enormen Stellenwert, sowohl geschäftlich wie auch privat“, sagt Sokolowski. In Korea frage man nicht, wie es einem gehe, sondern ob man schon gegessen habe. Seit Trump ist Europa wieder interessant Das gegenseitige Interesse wächst zudem. Generalkonsulin Eunjeong Kim berichtet von einem gestiegenen Interesse in Europa für koreanische Kultur und einem ausgebuchten Kimchi-Workshop Ende vergangenen Jahres. Auch für viele koreanische Unternehmen rücke Europa in den Fokus, sagt Okta-Präsident Choi. Früher seien vorrangig die USA als Handelspartner bedeutend gewesen. Doch seit der Wahl von Donald Trump und der stark wahrgenommenen Ausländerfeindlichkeit der gegenwärtigen Regierung hätten viele koreanische Unternehmen kein Interesse mehr an einer Partnerschaft und orientierten sich um. Vor allem Unternehmen der Elektromobilität, Medizin und Künstlichen Intelligenz aus den Industriestädten Incheon und Daegu suchten nach Standbeinen in Deutschland, so Choi. Sowohl Flächen für Verwaltung als auch für Produktion kämen infrage. Dazu komme die in Deutschland populär gewordene K-Culture samt Lebensmitteln und Kosmetikmarken, die inzwischen einen starken Umsatz mache, sagt Bürgermeister Immisch. Diese Stimmung will man in Schwalbach nutzen, und Wirtschaftsförderer Sokolowski will Ansprechpartner für alle Belange sein. Als studierter Koreanist mit Soziologie und Jura in den Nebenfächern ist er der Richtige für diesen Job. Einige Jahre arbeitete er als Wirtschaftsförderer der Republik Korea und bringt ein gutes Netzwerk mit. Er weiß, was koreanische Unternehmen in Deutschland brauchen und vor welchen Hürden sie mitunter stehen. Das Steuersystem macht ihnen zu schaffen, der Erwerb von Grund und die Anmietung von Immobilien sowie, das hört man an diesem Nachmittag sehr häufig, die Beschaffung einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für die Mitarbeiter. Für Visa ist der Kreis zuständig, doch die Stadt verspricht, sich für ihre Unternehmen einzusetzen, wo es gehe. „Ein Anruf aus dem Rathaus kann da schon helfen“, sagt Bürgermeister Immisch. In der nun unterzeichneten Absichtserklärung werden auch Ansätze für ein weiteres Vorgehen aufgezeigt. „Geplant sind unter anderem gemeinsame Wirtschafts- und Kulturveranstaltungen, Business-Networking-Formate sowie Programme zur Fachkräfteentwicklung und Weiterbildung“, heißt es darin. Mit der Universität Busan wurde vor einigen Wochen eine Kooperation vereinbart. Im Frühjahr, wenn alles wieder grün ist, soll eine neue Werbebroschüre für die Stadt entstehen. Ein Stammtisch ist geplant, auch für Menschen, die sich rein privat für Korea interessieren. Das interkulturelle Fest soll in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt Korea stattfinden. Und auch Ideen für eine Partnerstadt gibt es schon.
