FAZ 06.08.2026
15:32 Uhr

Schwacher Aktienkurs: Telekom kauft eigene Aktien zurück: „Wir wollen die Unterbewertung nutzen“


Der Bonner Telekommunikationskonzern will deutlich mehr Geld ausgeben, um eigene Aktien zurückzukaufen. Warum der Vorstandschef das aber nicht als „Kurskosmetik“ sieht.

Schwacher Aktienkurs: Telekom kauft eigene Aktien zurück: „Wir wollen die Unterbewertung nutzen“

Tim Höttges ist nicht zufrieden mit dem Aktienkurs der Deutschen Telekom. Obwohl das Unternehmen von Quartal zu Quartal starke Zahlen vorlegt, zeigt sich das kaum im Aktienkurs. Im Gegenteil: Zwischen Februar und Juni hat das Papier gar fast 30 Prozent an Wert verloren. Seitdem ging es etwas bergauf, doch im Vergleich zum Stand von vor einem Jahr gab es kaum eine Veränderung. Deshalb will der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Telekommunikationskonzerns die Gelegenheit für einen Aktienrückkauf im großen Stil nutzen. „Wir wollen die Unterbewertung nutzen“, sagte Höttges am Donnerstag zur Vorlage der Halbjahreszahlen. Das sei kein „Signal zur Kurskosmetik“, sondern eine Investitionsentscheidung. „Wir kaufen dann eigene Aktien, wenn wir überzeugt sind, dass wir damit mehr Wert schaffen als mit anderen Investitionen.“ So stockt die Telekom das Volumen ihres laufenden Aktienrückkaufprogramms um bis zu drei Milliarden Euro auf nun fünf Milliarden Euro auf. Sollte das komplett ausgereizt werden, würde das inklusive der Dividende eine Aktionärsvergütung von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr bedeuten. An der Börse kamen die Pläne gut an: Der Aktienkurs lag im Tagesverlauf fast sechs Prozent im Plus und war damit Spitzenreiter im Dax. Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank lobte den Schritt: „Die Ausgangslage einer historisch niedrigen Bewertung in Verbindung mit einer soliden Bilanz ohne zu hohe Verschuldung bildet eine hervorragende Ausgangslage für die Aktion.“ Kein Kommentar zu Fusionsgerüchten Die Gründe für den vergleichsweise schwachen Aktienkurs sind vielfältig: So hält die Telekom gut 54 Prozent an der amerikanischen Tochtergesellschaft T-Mobile US, die den Großteil des Umsatzes und Gewinns zum Gesamtkonzern beiträgt. Obwohl T-Mobile weiter zweistellig und stärker als die Konkurrenz wächst, hat die Aktie in Amerika zuletzt deutlich verloren. Und das europäische Geschäft der Telekom wird mit einem Abschlag gehandelt – obwohl das Unternehmen größer ist als alle seine hiesigen Wettbewerber zusammen. In der Vergangenheit hat Höttges eine knifflige Lage immer wieder angesprochen: Die Telekom ist zwar ein europäischer Riese, im Vergleich zu den amerikanischen Technologiekonzernen aber ein Zwerg. Auch daher spricht sich der Manager häufig für eine stärkere Konsolidierung aus. In den vergangenen Monaten waren Gerüchte aufgekommen, dass die Telekom eine Fusion mit ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft prüft. Der Aktienrückkauf ist aus Sicht mancher Analysten ein Zeichen dafür, dass so ein Geschäft unwahrscheinlich werden könnte. Es hat zudem hohe regulatorische und politische Hürden. Höttges wollte das auch auf Nachfrage am Donnerstag nicht kommentieren, nur so viel: „Dieses Management macht keine Transaktion wegen ihrer Größe, ihrer Schlagzeile oder ihrer strategischen Eleganz.“ Die Fusion wird in manchen Zeitungsberichten als Versuch gewertet, sich gegen die aufkommende Konkurrenz durch Starlink zu wappnen. Die Satellitentochtergesellschaft von SpaceX kauft Mobilfunkspektrum zu und will in dem Bereich auch stärker mitmischen. SpaceX als Partner, nicht als Gegner Höttges, der in der Vergangenheit die Rolle von SpaceX und den unternehmerischen Geist Elon Musks häufig gelobt hatte, gab sich jetzt betont gelassen: Satelliten seien heute eine Ergänzung vor allem in ländlichen Gebieten, in Städten aber bislang keine Alternative zum klassischen Mobilfunk. Das liege an der Stärke der Funksignale und auch an der Kapazität der Frequenzen. Man arbeite mit Starlink zusammen, Existenzsorgen bereite ihm das Thema aber nicht. Die Funksignale von Satelliten seien nicht stark ⁠genug, um in Gebäuden Verbindungen zu garantieren, erläuterte der Telekom-Manager. Zudem verfüge Starlink bislang nur über einen Bruchteil der Frequenzkapazitäten. Mobilfunkverbindungen über Satellit seien vor allem in ländlichen Gebieten eine sinnvolle Ergänzung. Existenzsorgen bereiteten ihm die Starlink-Ankündigungen nicht. Zum Halbjahr hat die Telekom ihr Jahresziel für den Mittelzufluss erhöht, er soll von „mehr als 19,8 Milliarden Euro“ auf „rund 20 Milliarden Euro“ steigen. Damit folgt der Dax-Konzern der Prognose von T-Mobile US. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 4,4 Prozent zu, auf rund 29,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn stieg um 7,5 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro.