Moderatorin Collien Fernandes will mit Politikerinnen über schärfere Gesetze zu digitaler Gewalt im Internet sprechen. Das kündigte die 44-Jährige auf ihrem Instagram-Account an. „Auf dem Weg zurück zu Euch nach Deutschland, denn jetzt muss sich etwas ändern!“, schrieb sie. „Jetzt müssen bessere Gesetze her! Aus diesem Grund treffe ich mich diese Woche in Berlin mit Politikerinnen!“ Deutschland dürfe „kein Täterparadies bleiben“, forderte sie. Fernandes hatte sich zuvor in Asien zu Dreharbeiten für die ZDF-Reihe „Das Traumschiff“ aufgehalten. Zuvor hatte „t-online“ berichtet, dass Fernandes den Dreh unterbrechen wolle, um zu Gesprächen über Gesetze zu digitaler Gewalt nach Deutschland zurückzukehren. Am Sonntag hatten Tausende Menschen in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt demonstriert. Hintergrund der Debatte sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“. Der Deutsche Richterbund forderte eine „nationale Kraftanstrengung“ gegen strafbare Inhalte im Internet. Deepfakes und sexualisierte digitale Gewalt, Abbildungen von Kindesmissbrauch und Fälle von Hasskriminalität im Netz nähmen rasant zu, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Fall von Collien Fernandes sei nur die Spitze des Eisbergs. Es reiche nicht aus, „punktuell Strafvorschriften zu verschärfen und Gesetzeslücken zu schließen“, erklärte Rebehn. Die Regierenden müssten die Kernaufgabe der Kriminalitätsbekämpfung und des Opferschutzes stärker in den Mittelpunkt ihres Handelns rücken. Nötig sei eine Kraftanstrengung von Bund und Ländern gegen strafbare und rechtswidrige Inhalte im Internet. „Solange in vielen chronisch unterbesetzten Staatsanwaltschaften drei Ermittler die Arbeit für vier erledigen müssen und Strafverfahren deshalb immer öfter vorzeitig eingestellt werden, bleibt das Schutzversprechen der Politik hohl“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat vor dem Hintergrund des Falls der Schauspielerin Fernandes angekündigt, in Kürze einen Gesetzentwurf zum besseren Schutz vor digitaler und sexualisierter Gewalt vorzulegen. Die Schauspielerin wehrt sich seit Jahren gegen Deepfake-Videos von ihr mit pornografischen Inhalten und machte das Thema digitale Gewalt an ihrem eigenen Beispiel öffentlich.
