Die deutschen Männer haben bei der Schacholympiade einen Traumstart erwischt. Nach fünf Siegen in ebenso vielen Runden liegen sie gemeinsam mit Gastgeber Usbekistan und Indien an der Spitze. In der fünften Runde setzten sie sich gegen die als nominell stärkstes der 205 Teams gestarteten Amerikaner durch. Den entscheidenden Sieg landete Frederik Svane. Am dritten Brett überspielte der 22 Jahre junge Lübecker den durch Betrugsvorwürfe gegen ihn bekannt gewordenen Hans Niemann, der in der Weltrangliste vierzig Plätze vor ihm auf Rang zwanzig notiert. Vincent Keymer, Matthias Blübaum und Alexander Donchenko kamen gegen ihre ausnahmslos höher eingeschätzten Gegner Fabiano Caruana, Wesley So und Levon Aronian nie in Gefahr und steuerten jeweils ein Remis bei. Gesamtergebnis: 2,5:1,5. Bereits bei der EM erfolgreich „Es ist auch nicht zu erwarten, dass man eine Topmannschaft wie die USA mit 4:0 abfertigt“, so Sportdirektor Kevin Högy zur F.A.Z. „Topnationen schlägt man eher nach dem Motto: Einer kommt schon durch, heißt: Einer gewinnt und drei Remis. Wenn sich abzeichnet, dass man durch einen Spieler in Führung geht, muss der Rest nicht mehr ins volle Risiko gehen.“ Die Punkte so zu verteilen, dass die Mannschaftspunkte gesichert werden, ist ein Zeichen, dass es läuft. Schon beim überraschenden Europameistertitel 2011 war das gelungen. Damals war Jan Gustafsson Spieler, inzwischen ist der Hamburger seit über vier Jahren Bundestrainer. Auch die Spieler, die inzwischen für den Deutschen Schachbund an die Bretter gehen, haben sich als EM-Zweite 2023 und 2025 einen Ruf als Spezialisten für Zweieinhalb-Punkte-Siege erarbeitet. Mit diesem Ergebnis schlugen sie im Silk-Road-Veranstaltungszentrum in Samarkand am dritten Tag die zweite Mannschaft von Usbekistan, der Matchwinner hieß Keymer, und am vierten Tag Polen, als Donchenko den wichtigen Siegpunkt einfuhr. Junge Spieler mit Entwicklungspotential Alle Nationalspieler sind zwischen 21 und 29 Jahre alt. Alle haben ihre beste Zeit vielleicht noch vor sich. In Samarkand werden sie als fünftstärkstes Team als Medaillenkandidat gehandelt. Zum guten Zusammenhalt trägt auch bei, dass Dimitri Kollars, der seinen Platz für Rasmus Svane geräumt hat, als Analysehelfer mitgereist ist. Bei der Schacholympiade vor zwei Jahren in Budapest war es umgekehrt, bei der EM 2023 hatte der jüngere Svane-Bruder Frederik den anderen bei der Vorbereitung geholfen. Um sich gemeinsam auf die Schacholympiade einzustellen, trafen sie sich Ende August in Bad Blankenburg. Als Referenten für das Trainingslager besorgte Bundestrainer Gustafsson den mehrmaligen WM-Kandidaten Peter Swidler, mit dem er oft als Kommentatorengespann auftritt. Als am Montag in Samarkand die sechste Runde begann, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Medienvertreter auf das Spitzenmatch zwischen Indien, wo der zuletzt formschwache Weltmeister Gukesh am vierten Brett antritt und endlich wieder Siege landet, und Usbekistan mit dem WM-Herausforderer Dschawochir Sindarow, der mit einem stillen Damenopfer gegen Peru einen Geniestreich gesetzt hatte. Kaum eine Kamera war auf das deutsche Match gegen die auf Rang vier gesetzten Chinesen gerichtet. Keymer und Blübaum schien es gerade recht. Sie schwatzten gut gelaunt, bis die Uhren in Gang gesetzt wurden.
