FAZ 10.05.2026
10:50 Uhr

Sänger Donovan 80: Was passiert, wenn man Bananenschalen raucht?


Im Vergleich zu ihm wirken Simon & Garfunkel wie Chorknaben: Er gilt als „Groovy Guru“ Hippiezeit, prägte den Folk wie den psychedelischen Pop und kann auch interessant  über Liebe singen. Nun wird Donovan achtzig.

Sänger Donovan 80: Was passiert, wenn man Bananenschalen raucht?

Nichts gegen die lieben Simon & Garfunkel, aber wenn sie eines der Adjektive sangen, das die Popkultur der Sechziger definiert hat, groovy, klangen sie im Vergleich zu ihm wie Chorknaben. Donovan gilt als der „Groovy Guru“ dieser Ära, und Songs wie „Mellow Yellow“, „The Hurdy Gurdy Man“ oder „Atlantis“ belegen das in ihrer Verbindung aus extremer Lässigkeit und schwebender Klangästhetik, die verdientermaßen zum Emblem des „Psychedelic Pop“ geworden ist – nicht zuletzt in Verbindung mit einer explodierenden Schrifttype auf Plattencovern, die bewusstseinserweiternd wirkte. Nach einer Lesart, die überall Tarnnamen für Drogen wittert, war Donovan auch so etwas wie der Partykapitän besagter Zeit: Dann stand der Sonnenschein in „Sunshine Superman“ natürlich für LSD und das Gelbe in „Mellow Yellow“ für getrocknete Bananenschalen, von denen high werden kann, wer sie raucht. Andere Lesarten eröffnen dagegen vielfältige Bezüge auf Liebesakte, nicht nur solche, die Bananen involvieren, und auch sie sind triftig. Donovan stammt aus Glasgow, startete durch in Nashville, flog mit den Beatles nach Indien, ließ sich nieder in Kalifornien und lebt heute in Irland. Anhand dieser Stationen lässt sich auch seine musikalische Reise gut nachvollziehen. Er ist tief verwurzelt im angloirischen Folk, brachte wohl John Lennon das Fingerpicking-Gitarrenspiel bei, bekam in der Country-Metropole den produktiven Dreh, der sein Lied „Catch the Wind“ zu einem sehr beliebten machte, und nutzte bald auch seinen Draht zu prägenden Rockmusikern überaus produktiv. Der „britische Dylan“ wurde mit Liedern wie dem von Buffy Sainte Marie geschriebenen „Universal Soldier“ zu einer Ikone des Pazifismus, bevor er den einfachen Folk hinter sich ließ und auch Genregrenzen stark erweiterte. Seine beste Zeit endete wohl in den Siebzigerjahren, aber auch späte Werke wie das von Rick Rubin produzierte „Sutras“ (1996) oder das zwischen Country und Rockabilly changierende „Shadows of Blue“ (2013) sind respektabel. Nun wird wird Donovan Phillips Leitch, wie er mit vollem Namen heißt, achtzig Jahre alt.