FAZ 12.05.2026
14:54 Uhr

Randale statt Meisterfeier: Slavia Prag muss ohne Zuschauer spielen


Nach den schweren Fan-Ausschreitungen beim Fußballderby in Prag steht das Urteil fest. Tschechiens Sportminister kündigt an, auch den Einsatz automatischer Gesichtserkennung zu prüfen.

Randale statt Meisterfeier: Slavia Prag muss ohne Zuschauer spielen

Nach dem Platzsturm und Spielabbruch beim Lokalderby zwischen Slavia Prag und Sparta Prag hat die Disziplinarkommission des tschechischen Ligaverbands LFA ihr Urteil verkündet. Die am Samstag abgebrochene Begegnung werde für den Gastgeber Slavia als verloren und für Sparta als Sieg gewertet, teilte ihr Vorsitzender Jiří Matzner mit. Zudem müsse Slavia Prag die nächsten vier Spiele ohne Zuschauer bestreiten. Ferner werde der Verein zu einer Geldstrafe von zehn Millionen Kronen (rund 400.000 Euro) verurteilt. Auch Sparta Prag müsse umgerechnet knapp 25.000 Euro wegen des Verhaltens seiner Fans entrichten. Der Slavia-Vorstandsvorsitzende Jaroslav Tvrdík kündigte bereits an, die Entscheidung anzunehmen und nicht in Berufung zu gehen. Durch einen Platzsturm mit Pyrotechnik und Angriffen auf Spieler hatten Fans von Slavia Prag für den Abbruch des Fußballderbys gegen Sparta Prag gesorgt. Der Eklat verhinderte den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft ihres Teams, der bei einem Stand von 3:2 für Slavia nur wenige Minuten entfernt lag. Zahlreiche Anhänger rannten mit Bengalos auf den Platz. Pyrotechnik wurde vom Rasen auf die Ränge geworfen. Sparta-Torhüter umzingelt, bedroht und mit Bier beworfen Die Polizei nahm strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Randalierer auf. Videoaufnahmen würden ausgewertet, teilte eine Sprecherin mit. Wer sich an der Randale beteiligt habe, werde aufgerufen, sich selbst der Polizei zu stellen. Der Vorwurf laute unter anderem auf Störung der öffentlichen Ordnung. Mehrere Verdächtige seien bereits identifiziert worden, hieß es. Slavia-Anhängern werde vorgeworfen, den Torwart des gegnerischen Teams angegriffen und Pyrotechnik vom Spielfeld aus auf die Sparta-Ränge geworfen zu haben. Zudem sei ein erheblicher Sachschaden in Höhe von vielen tausend Euro entstanden, hieß es. Medienberichten zufolge soll der aus der Slowakei stammende Sparta-Torwart Jakub Surovčík umzingelt, bedroht und mit Bier beworfen worden sein. Kommt die Gesichtserkennung? Die Politik reagierte nach dem Spiel entsetzt. „Das ist eine schreckliche Schande, es ist ganz und gar entsetzlich“, sagte der tschechische Regierungschef Andrej Babiš. Die Konsequenzen müssten brutal sein. Es sei für ihn unverständlich, dass Fans mit Pyrotechnik ins Stadion gelangen könnten. Sportminister Boris Šťastný kündigte an, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Dabei werde es unter anderem um den Einsatz automatischer Gesichtserkennung in Stadien gehen. Bisher gibt es dafür keine rechtliche Grundlage.