Wenn Staatsgäste wie Donald Trump in der Großen Halle des Volkes, im Staatsgästehaus Diaoyutai und anderen Räumen der chinesischen Macht empfangen werden, dann sitzt neben Staats- und Parteichef Xi Jinping üblicherweise ein Mann mit weißen Haaren: Cai Qi. Offiziell steht der 70 Jahre alte Funktionär in der Nomenklatura der Partei an Nummer fünf im Ständigen Ausschuss des Politbüros. Inoffiziell aber steht der Machtfigur Xi Jinping kaum jemand näher. Cai Qi ist gewissermaßen Stabschef und verantwortet Xi Jinpings Terminkalender. Und er leitet die Propagandaabteilung für die Verbreitung des Xi-Jinping-Denkens. Gleichzeitig ist er auch Direktor des Zentralsekretariats der Kommunistischen Partei. Damit gehen über Cai Qis Schreibtisch sämtliche Berichte über Parteivertreter auf lokaler wie überregionaler Ebene. Ein unschätzbares Machtinstrument. Zudem ist Cai stellvertretender Direktor der Kommission für Nationale Sicherheit der KP, ein von Xi aufgebautes und geführtes Gremium, das den Sicherheitsstaat härtet und mit Militärs und Geheimdienstlern besetzt sein soll. Dass Cai offiziell auch die Zentrale Sicherheitsabteilung des Generalsekretariats des ZK leitet, bedeutet, dass er auch Xi Jinpings Sicherheit verantwortet. Und diese Abteilung soll eine Rolle bei der jüngsten Verhaftungswelle unter den höchsten Generälen der Volksbefreiungsarmee gespielt haben. Er ist vollständig von Xi abhängig Manche erkennen in Cai Qi deshalb den inoffiziell zweitmächtigsten Mann Chinas. Andere halten ihn eher für den obersten Koordinator. Denn einen eigenen Machtzirkel, eine eigene Fraktion, hat Cai soweit bekannt nicht. Er scheint vollständig von Xi abhängig zu sein. Und der wiederum hat auch andere direkte Machtkanäle ins Militär, in die Antikorruptionsbehörden oder in die Wirtschaft. Xi Jinping und Cai Qi kennen sich seit Jahrzehnten. Sie sind fast gleich alt, schon als junge Parteikader arbeiteten sie zusammen. Cai stammt aus Fujian, jener Küstenprovinz gegenüber von Taiwan. In Fujian arbeitete er Anfang der Achtzigerjahre im Generalbüro des Parteikomitees, als auch Xi Jinping dort auftauchte. Anderthalb Jahrzehnte lang arbeiteten sie dann zusammen. Als Xi später Parteisekretär der Provinz Zhejiang wurde, folgte Cai ihm dorthin, nur eine Machtebene darunter. Nachdem Xi 2012 zum Staats- und Parteichef erkoren wurde, holte Xi bald auch Cai nach Peking. Seitdem ist Cai fast überall dabei. Wie sehr er bei höchsten Personalentscheidungen eingebunden wird, ist Gegenstand von Spekulationen, insbesondere vor dem nächsten Parteitag Ende 2027. Zu erwarten ist nicht, dass dann ein anderer Staats- und Parteichef ernannt wird. Und auch Cai dürfte weiter an Xis Seite bleiben. Sein eigener Sohn ist schon erwachsen.
