Der gute Ruf deutscher Technologie, Präzision und Innovationskraft hat in den letzten Jahrzehnten auch in Polen einige Dellen erfahren. Zwei Wirtschaftszweige sind davon nicht betroffen: die Reinigungsmittel- und die therapeutische Industrie. „Chemia z Niemiec“, also aus Deutschland eingeführte Waschpulver und Putzmittel, oder das auf den Eigenmarken diverser Discounterketten zu findende deutschlandfarbene Gütesiegel „jakość niemiecka“ (deutsche Qualität) sind im polnischen Wasch- und Putzsegment unangefochtener Goldstandard. Die Anbieter diverser alternativmedizinischer und paratherapeutischer „Lebenshilfen“ halten sich eher bedeckt, wenn es um die deutsche Herkunft ihrer Produkte geht. Dennoch finden sie in der überarbeiteten und in Teilen wissenschaftsskeptischen polnischen Gesellschaft genügend Abnehmer. Seit der Jahrtausendwende findet beispielsweise die zuvor in Deutschland populäre „Familienaufstellung“ nach der Methode des Weltkriegssoldaten, Missionars und Psychotherapeuten Bert Hellinger (1925 bis 2019) auch in Polen viele Kunden. Hellingers Arbeitsweise liegt die Idee zugrunde, dysfunktionale Beziehungsgeflechte in Familien, die durch „verborgene“ Belastungen wie Krankheiten oder Gewalt geprägt sind, zu erkennen und aufzulösen. Am Ende dieses Prozesses wird nicht mehr zwischen Betroffenen und Verursachern unterschieden, denn ein Ziel Hellingers ist die Überwindung der Kategorien von Tätern und Opfern. Letzteres entbehrt im deutsch-polnischen Kontext nicht der Ironie; ebenso der Umstand, dass sich im so stark von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gezeichneten Polen ausgerechnet der Therapieansatz eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen verbreitet, dessen Distanz zum Nationalsozialismus verschiedentlich angezweifelt wurde. Der Opferstatus stiftet Zugehörigkeit Doch möglicherweise gibt es über das Anekdotische hinaus etwas, was die aktuelle große Nachfrage nach individueller und Familientherapie in Deutschland und Polen über den Umgang mit der Gewaltgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts erzählt? Braucht es gar eine grenzüberschreitende „Familienaufstellung“, um das dysfunktionale erinnerungskulturelle Beziehungsgeflecht der so eng verwobenen Gesellschaften zu entwirren? Sind die heutigen Deutschen und Polen gewissermaßen Hellingers Enkel auf der Suche nach posttraumatischer Erlösung? Betrachtet man den Verlauf der Debatte um das Buch von Grzegorz Rossoliński-Liebe über polnische Bürgermeister und den Holocaust auf den geistestwissenschaftlichen Seiten der F.A.Z., namentlich die Wortmeldung von Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski vom 11. März, so kann man zu diesem Eindruck gelangen. In einer Zeit nahezu ohne Zeitzeugen, die den Zweiten Weltkrieg bewusst mit- und überlebt haben, werden Fragen von Opfer- und Täterschaft wieder zu identitätsstiftenden Zugehörigkeitskategorien. Viele Deutsche sind heute nicht nur davon überzeugt, dass ihr Opa „kein Nazi“ war, sondern lokalisieren ihre eigene Familiengeschichte intuitiv in der Nähe des Widerstands. Andererseits besteht ein großes Verlangen nach Gewissheit über die Rolle der eigenen Vorfahren, wofür der jüngste Ansturm auf die von der Archivverwaltung der Vereinigten Staaten online gestellte NSDAP-Mitgliederkartei steht. In Polen liegen die Fronten klarer, gibt es doch in jeder Familie Erfahrungen von Enteignung, Zwangsarbeit, Lagerhaft, Deportation oder Schlimmerem. Dabei beschleicht viele das Gefühl, im Nachbarland der Täter als eigenständige Opfergruppe übersehen zu werden. In der Tat gab (und gibt) es, was nicht zuletzt mit den Dynamiken des jahrzehntelangen Systemgegensatzes und erfolgreicher ost- wie westdeutscher Verdrängungsleistungen zu erklären ist, hier einige Asymmetrien und blinde Flecken. Viele Polen wollen sich heute nicht mehr mit der deutsch-polnischen Versöhnungsrhetorik der Neunzigerjahre zufriedengeben und fordern zu Recht eine größere Sichtbarkeit im deutschen Nachdenken über die Vergangenheit. Damit unterscheiden sie sich nicht von anderen Gruppen, die Ähnliches in Bezug auf die Geschichte des Kolonialismus, der Migration oder der DDR fordern. Materialisiert hat sich dieses Streben im Stadtbild Berlins, wo sich im Gefolge des Holocaustmahnmals weitere Opfergruppen eigene Erinnerungsstätten erkämpft haben. Die Errichtung eines dauerhaften Polen-Denkmals steht unvermindert aus. Zwei Bücher mit dem Titel „Traumaland“ Als Indiz für die Sehnsucht nach Auflösung historischer Traumata in Deutschland und Polen mag gelten, dass in letzter Zeit in beiden Ländern Publikationen über die psychologischen Langzeitfolgen des Kriegs eine breite Leserschaft finden. Es erschienen sogar zwei Bücher mit dem Titel „Traumaland“, wobei die Schriftstellerin Asal Dardan ihre eigenen migrantischen Erfahrungen mit Reportagen aus der alten und neuen Bundesrepublik verknüpft, während sich der Sozialpsychologe Michał Bilewicz seinem Gegenstand wissenschaftlich nähert. Das Thema der transgenerationalen Weitergabe historischer Traumata an sich ist freilich längst bekannt. Weniger geläufig ist, dass polnische Psychologen und Psychiater schon kurz nach der Befreiung immer wieder die seelischen Folgen von Lagerhaft und anderen Kriegserlebnissen untersuchten. Internationale Bekanntheit erlangten die zwischen 1961 und 1991 von den Auschwitz-Überlebenden Antoni Kępiński und Stanisław Kłodziński herausgegebenen 31 Bände des „Przegląd Lekarski – Oświęcim“, in dem Hunderte Autorinnen über die physischen, sozialen und psychischen Effekte der Lagerhaft publizierten. Unter anderem beschrieben sie mit dem Überlebensschuld-Syndrom eine besondere Form der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), landläufig auch „KZ-Syndrom“ genannt. Auch zu anderen sozialen Gruppen und Generationen liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor. Noch in den frühen Zweitausenderjahren war das Thema in Polen hauptsächlich Experten vorbehalten. Vor zehn Jahren stellte dann der Warschauer Kulturphilosoph Andrzej Leder in seinem auch auf Deutsch erhältlichen Buch „Polen im Wachtraum“ fest, nach den Umwälzungen des zwanzigsten Jahrhunderts gehöre die gesamte polnische Gesellschaft auf die therapeutische Couch zum Zweck einer kollektiven Psychoanalyse. Während Leder, der auf die während Weltkrieg und Stalinzeit von äußeren Mächten hervorgerufenen gesellschaftlichen Umwälzungen abhob, eher theoretisch-philosophisch argumentierte, beschreibt Michał Bilewicz ganz konkret und evidenzbasiert das subkutane Fortwirken der Erfahrungen von Krieg, Besatzung und Diktatur und deren alltagspolitischen Konsequenzen im heutigen Polen. Der Sozialpsychologe verweist etwa auf Studien, die von einem Anteil von fünf bis zehn Prozent weltkriegsbedingten PTSD-Betroffenen in Westeuropa ausgehen, während die Zahlen in Polen bei mindestens 29 Prozent liegen. Auch Karolina Wigura und Jarosław Kuisz argumentieren in ihrem viel gelesenen Essay „Posttraumatische Souveränität“ mit dem direkten Einfluss einschneidender Geschichtserfahrungen von Fremdbestimmung auf politisches Handeln im heutigen Ostmitteleuropa. Wo sprechen Polen mit Polen? Was indes fehlt, ist ein innerpolnischer Austausch über diese Verletzungen, der die politischen Diskursblasen durchsticht. Ein solches Selbstgespräch führt Polen weder über die transgenerationelle Weitergabe der Traumata der Großeltern, noch darüber, was Verstrickungen eines Teils dieser Generation in Verbrechen der deutschen Besatzer oder des stalinistischen Regimes anrichteten. Ganz zu schweigen von späteren Erfahrungen wie dem Kriegsrecht oder den tiefgreifenden Einschnitten der Transformationsjahre. Stattdessen gibt es eine Art Jahresliturgie des Gedenkens, bei der man nachkommenden Generationen die Pflicht des Erinnerns aufbürdet, ohne ihnen zu sagen, was sie aus der Geschichte wirklich lernen könnten. Denn es geht bei diesem Erinnern weniger um das Verstehen historischer Prozesse und Zusammenhänge als um die Heraushebung einzelner und kollektiver Schicksale sowie bestimmter Handlungsmuster. Begleitet wird dies von übervielen Worten, oft pathetisch, gelegentlich religiös aufgehübscht und stets abgeglichen mit dem Geschichtsverständnis der politischen Rechten. Das sich so ergebende Dauer-„Erinnern“ führt dazu, dass Geschichte zwar unentwegt Teil der Öffentlichkeit und der politischen Alltagsinszenierung ist, aber nicht zu einer kollektiven Gesprächstherapie werden kann. Wenn deutsche Medien die polnische Erinnerungskultur zum Thema machen, kommen sie oft nicht über diese Zustandsbeschreibung hinaus, die sich mit dem Fokus auf die nationalstaatliche Ebene begnügt. Dabei lehrt ein Blick in die Regionen und Kommunen, dass sich parallel vielerorts dezentrale, inkludierende und multiperspektivische Geschichtsverständnisse etabliert haben. Sie werden gepflegt von Graswurzelinitiativen, Vereinen und vielen anderen Akteuren. Hier wird jene Traumatherapie geleistet, die geschichtspolitische Frontkämpfer in Warschau zur Weißglut bringt. Abzuwarten bleibt, inwieweit sich ein neuer Trend in der polnischen Forschung und Publizistik verstetigt: Unter dem Stichwort „historia ludowa“, also einer Art Sozialgeschichte von unten, debattiert der eher liberal eingestellte Teil des Landes über dessen Wurzeln in einer bäuerlichen, von vielerlei Gewalthierarchien geprägten Gesellschaft und rückt ab von der traditionellen Fokussierung auf bürgerliche und aristokratische Eliten als Träger des Nationalgedankens. Jüngstes Beispiel für die häufig zu beobachtende Inkongruenz regionaler und nationaler Blickweisen auf Geschichte ist die gerade in Danzig zu sehende Ausstellung „Nasi chłopcy“ (Unsere Jungs) über zwangsrekrutierte Wehrmachtssoldaten aus Pommerellen. Als das Deutsche Reich dieses Gebiet 1939 annektierte, verstand sich die Mehrheit seiner Bewohner als Polen. Dennoch wurden sie im Verlauf des Kriegs unter Androhung schlimmster Konsequenzen in das deutsche Militär gezwungen. Im gesamtstaatlichen Erinnern Polens an den Zweiten Weltkrieg haben diese jungen Männer nie einen Platz gefunden, erscheinen sie aus zentralpolnischer Perspektive doch als Kollaborateure. Der aus Danzig stammende derzeitige Ministerpräsident Donald Tusk musste dies an eigener Haut erfahren. Sein Großvater, zuvor jahrelang Insasse verschiedener deutscher Konzentrationslager, wurde 1944 in die Wehrmacht eingezogen, was 2005 Gegenstand einer Schmutzkampagne im Wahlkampf wurde. Die Liberal-Konservativen bleiben sprachlos Angesichts solcher persönlicher Verletzungen verwundert es, dass die von Tusk angeführte liberal-konservative Mehrheit dem historischen Filibustern der politischen Rechten seit Jahrzehnten sprach- und ideenlos zusieht. Man will sich nicht angreifbar machen und bleibt passiv. Dies macht das Feld frei für jene, die sich mit breiter Brust als Hüter der nationalen Gedächtniskultur aufspielen und dabei die Grenzen des Sagbaren Stück für Stück verschieben. Für sie ist „Erinnern“ kein Erkenntnisprozess, sondern politisches Trumpfspiel. An dieser Stelle kommen die bilateralen Beziehungen ins Spiel, denn selbstverständlich sind die von Deutschen in und an Polen begangenen Verbrechen der Kern der polnischen Traumata und damit auch der nationalen Erinnerungskultur. Auf deutscher Seite gibt es dafür allerdings kein wirkliches Äquivalent. Zum einen besetzte das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg weit mehr Länder als Polen, sodass die Bundesrepublik ihre knapp bemessene geschichtspolitische Sensibilität auf viele Staaten verteilen muss. Zum anderen stehen im Zentrum der deutschen Gedenkkultur die Täter und die aus deren Verbrechen abgeleiteten politischen und moralischen Verpflichtungen. Über die Jahre fokussierte sich der Diskurs zunehmend auf den Holocaust (und hier sehr stark auf die Ermordung der westeuropäischen und deutschen Juden), während die polnisch-deutsche Verflechtungsgeschichte und die Gewalteruption der Kriegsjahre eher am Rand der Aufmerksamkeit blieben. Hinzu kommt, dass die Erinnerungskultur unentwegt im Wandel begriffen ist. Polen sollte und möchte Teil der gerade laufenden Aushandlungsprozesse in einer von Migrationsgeschichten geprägten bundesdeutschen Gesellschaft sein, doch hat es dafür bislang keine nachhaltige Strategie gefunden. Der deutsche Dreiklang klingt recht mechanisch In einer hypothetischen deutsch-polnischen Familienaufstellung würde sich also schnell herausstellen, dass sich die Grundprämissen des Erinnerns in beiden Ländern unterscheiden. In Polen wird kollektive Erinnerung als Würdigung der Selbstbehauptung der vorangegangenen Generationen, als Anerkennung von deren Selbstwirksamkeit, Freiheitsdrang und Zugehörigkeit zur westlichen Welt verstanden, damit man den unvorstellbaren menschlichen Opfern des deutschen Rassenwahns zumindest nachträglich einen Sinn verleihen kann. Dem gegenüber steht die zuweilen recht mechanisch daherkommende deutsche Vorstellung eines Dreiklangs von Erinnern, Versöhnen und Verantwortung. Dahinter verbirgt sich nicht nur die politische Idee des „Nie wieder“, sondern auch der dem Christentum entlehnte Ansatz von Buße, Vergebung und Erlösung: Wenn sich das Land der Täter nur genügend stark an seine Verbrechen erinnert, sich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit mit den Opfern versöhnt, wird es auch Verantwortung für die Zukunft übernehmen und eine erneute Nazidiktatur inklusive Weltkrieg und Völkermord verhindern. Den vormaligen Opfern deutscher Gewalt fordert der darin enthaltene unausgesprochene Anspruch auf Absolution viel ab: Denn während viele Deutsche die Versöhnungsbereitschaft der Opfer stillschweigend voraussetzen und sich gedanklich längst in der Phase empfangener Absolution wähnen, haben Teile der polnischen Gesellschaft das Gefühl, dass sie die in ihren Familien tradierten Kriegserfahrungen den Deutschen gegenüber noch nicht einmal richtig artikulieren konnten. So entsteht bei manchen der Eindruck, die deutschen Geschichtsaufarbeiter hätten, ganz in Hellingers Sinne, die Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern längst im Dienste eines faulen Familienfriedens transzendiert. All dies führt zu Missmut bei jenen Polen, die sich in den deutschen Gedenk- und Geschichtsdebatten nicht ausreichend repräsentiert und im Kontext des Holocaustgedenkens zu Unrecht als (Mit-)Täter an den Pranger gestellt sehen. Diese Emotion bietet ein breites Feld für politische Instrumentalisierungen. Die Rossoliński-Liebe-Debatte ist auch davon geprägt, denn hier geht es einerseits um die wissenschaftliche Bearbeitung eines wichtigen Teils der Besatzungsgeschichte, andererseits um einen innerpolnischen erinnerungskulturellen Deutungskampf. Dabei bedienen sich beide Seiten simplifizierender Argumente und schaffen es sogar, ihren Konflikt bis in die deutsche Wissenschaft hineinzutragen. Fängt hier wirklich schon der Neokolonialismus an? Hinzu kommen Verletzungen aus der Transformationszeit, in der Deutsche Polen in vielen Bereichen (darunter fällt auch die „Geschichtsaufarbeitung“) bewusst oder unbewusst schulmeisterlich gegenübertraten. Dennoch: Wenn für Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski Kritik an zweifelsohne politisch grundierten Institutionen wie dem Pilecki-Institut bereits an koloniale Denkmuster erinnern oder deutsche Täterforschung für einen Alleinvertretungsanspruch von Täterschaft stehen soll, bleibt indes kein Raum für einen diskursiven Austausch, der über Solidaritätsbekundungen und Vorwürfe hinausgeht. Dem langfristigen Bedürfnis nach einer grenzüberschreitenden Traumatherapie kann die aktuelle Debatte somit nicht gerecht werden. Aufgeladene Politrhetorik und nationales Erinnerungseinerlei werden sicherlich auch in Zukunft den Austausch beider Gesellschaften auf historischem Gebiet nicht fördern, wie die Unruhe um den nun vollzogenen Führungswechsel beim Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung verdeutlicht. Die eng verflochtenen Zivilgesellschaften und das über Jahrzehnte gewachsene bilaterale Netz von Institutionen, Vereinen und Individuen werden mit Sicherheit dennoch Wege finden, aus den transgenerational weitergegebenen Mustern herauszutreten. Das bedeutet, eine Vielfalt und Verschränkung von Opferperspektiven zuzulassen, sich aber auch intensiv mit den Dynamiken von Täterschaft zu beschäftigen. All dies erfordert mehr als bloß Empathie und Interesse, nämlich einen Willen zur Rationalität und zu faktenbasierter Argumentation. Dafür haben nicht zuletzt Historikerinnen und Historiker in beiden Ländern in den letzten Jahren die Grundlage mit geschaffen. Am Ende geht es aber beim viel beschworenen Lernen aus der Geschichte doch nicht nur um rationales Verstehen, sondern auch um die emotionale Ebene, die stark beeinflusst ist von den jeweiligen Familiengeschichten. Daher ist nicht zu erwarten, dass die Hellinger-Methode in beiden Ländern vom Therapiemarkt verschwinden wird. Auch in der Geschichtspolitik wird man die Maxime „Gut ist, was hilft“ nicht verachten. Auf einem anderen Blatt geschrieben steht freilich die Frage, ob unsere Nachbarn mit „deutscher Qualität“ in Zukunft auch andere Produkte als Scheuermilch, Weichspüler und überteuerte Therapien verbinden werden. Christhardt Henschel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau.
