FAZ 04.06.2026
08:25 Uhr

Podcast-Serie der F.A.Z.: Eine Legende kämpft ums Überleben


„Die VW-Story“: Baut Volkswagen bald Rüstung statt Autos? Der Konzern steckt tief in der Krise. 2026 wird zum Schicksalsjahr. Schafft das Unternehmen die Wende? Jetzt im FAZ-Podcast anhören!

Podcast-Serie der F.A.Z.: Eine Legende kämpft ums Überleben

Podcast-Serie der F.A.Z. Eine Legende kämpft ums Überleben 4. Juni 2026 · Volkswagen hat für Deutschland eine einzigartige Bedeutung – und steckt tief in der Krise. Dieses Jahr wird zum Schicksalsjahr, in dem sich entscheidet, ob der Konzern die Wende schafft. Jetzt startet die neue Podcast-Serie der F.A.Z.: „Die VW-Story“. Zu den Podcastfolgen Wer wissen will, wie es Volkswagen geht, bekommt Antworten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Am Tor Ost in Wolfsburg ist die Stimmung mies. „Früher waren wir mal stolz, hier zu arbeiten“, sagt ein Mitarbeiter, der mit Tausenden anderen zum Schichtwechsel in die Fabrik strömt. „Und jetzt bist du eine Nummer. Fachwissen ist nicht mehr gefragt.“ Ähnlich geht es in der Traditionskneipe „Tunnelschänke“ zu, direkt an einer Unterführung unter dem Mittellandkanal, die ins Werk führt. Wirt Bruno Corigliano schenkt hier nicht nur Bier aus, sondern auch Mitgefühl. Angst um den Arbeitsplatz, Frust und Ärger lassen Mitarbeiter an der Theke ab. „In den letzten zehn Jahren ging es steil bergab“, sagte ein Arbeiter. „Und jetzt sind wir eigentlich ganz unten angekommen.“ Ganz anders dagegen ist der Ton in der Führungsetage. VW habe „ein Jahr des Fortschritts“ hinter sich, findet Vorstandschef Oliver Blume und beteuert: Der Konzern habe stabilen Boden unter den Füßen. Seine Ansage klingt nach Zuversicht: „Wir wissen, wohin wir wollen und was zu tun ist.“ Die Stadt Wolfsburg ist durch das VW-Werk geprägt, auch die Kneipe „Tunnelschänke“ ist Teil dieser Kultur.Fotos: Daniel Pilar Ganz unten? Oder voll auf Kurs? Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur entscheidend für Europas größten Autohersteller, sondern für Deutschland insgesamt. Kein Unternehmen prägt die deutsche Wirtschaft und die Gesellschaft so wie VW. Autos wie der legendäre Käfer, der Bulli und der Golf haben das Lebensgefühl ganzer Generationen definiert. Wenn es gut läuft, wirkt der Konzern identitätsstiftend, sogar dem fernen China half er einst mit seinen Investitionen auf die Beine. Läuft es schlecht, leiden ganze Regionen. Zulieferer geraten ins Straucheln. Tausende Arbeitsplätze sind gefährdet. Im sechsteiligen Serienpodcast „Die VW-Story – Eine Legende kämpft ums Überleben“ zeichnet die F.A.Z. ein detailliertes Bild von der Lage des Konzerns, analysiert die Entscheidungen, die zu atemberaubenden Erfolgen und in tiefe Krisen führten, und wirft ein Schlaglicht auf Skandale, die eine ganze Branche blamierten. F.A.Z.-Korrespondent Christian Müßgens spricht mit Managern und Politikern, mit Insidern aus der Zeit des Dieselskandals, mit VW-Fans und enttäuschten Arbeitern. Seine Reise führt ins Silicon Valley und nach China, aber auch in seine Heimatstadt Osnabrück. Dort steht das VW-Werk auf der Kippe. Bald könnten dort gepanzerte Fahrzeuge für die Rüstungsindustrie gefertigt werden. Rüstung statt Autos? Die Entscheidung könnte ein Vorbote für einen ganz grundlegenden Wandel sein, dem sich die Industrie in Deutschland insgesamt stellen muss. Gemeinsam mit Corinna Budras, Hauptstadtkorrespondentin, Juristin und Podcasterin, führt er Dutzende Gespräche und ordnet die politische Dimension der Krise ein. Es entsteht das Bild eines Weltkonzerns, der ins Wanken geraten ist und an einem kritischen Punkt seiner Geschichte steht. Dieses Jahr wird zum Schicksalsjahr, in dem sich entscheidet, ob VW die Wende schafft. Die Autoren der Podcast-Serie Christian Müßgens und Corinna Budras haben O-Ton-Material, Gesprächsinhalte und eigene Anschauung zu einer Erzählung verdichtet. In sechs Folgen nehmen die Reporter die Hörer mit auf eine Reise in das weltumspannende Geflecht von VW. Sie werfen einen neuen Blick auf die Skandale, die den Konzern erschütterten, und gehen der Frage nach, wie das enge Zusammenspiel von Managern, Betriebsräten, Eigentümerfamilien und der Politik ein Umsteuern seit Jahrzehnten erschwert. Schon die Affäre um Lustreisen der mächtigen Betriebsräte vor mehr als 20 Jahren wirft Fragen auf, von denen einige noch immer ungeklärt sind. Zehn Jahre später erschüttert der Dieselskandal die ganze Branche. Er brach das Momentum des Aufstiegs und das Selbstbild des unerschütterlichen Giganten, das zuvor über Jahre für VW prägend war. Seitdem jagt ein Einschlag den nächsten. Die globale Abschottung in der Corona-Pandemie, das Hin und Her beim Umstieg aufs Elektroauto, der Absturz in China, ein nicht enden wollender Zollstreit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten und seit Jahresbeginn die Krise im Nahen Osten: VW leidet nicht nur unter eigenen Fehlentscheidungen in der Vergangenheit, sondern auch unter geopolitischen Verwerfungen. Die Recherchen führten das Podcast-Team zu Michael Schnabl in die Lagerhalle, der mit historischen Porsche-Modellen handelt, und zu VW-Chef Oliver Blume. Der Konzern reagiert mit scharfen Einschnitten, deren Ausmaß noch nicht klar ist: Neben einem weiteren Stellenabbau sind selbst Werksschließungen nicht mehr undenkbar. Im sächsischen Zwickau fürchtet inzwischen eine ganze Region das Schlimmste. Ein halbes Jahr dauerte die Recherche, in denen die Reporter Dutzende von Interviews führten. Sie treffen den Sänger und Rapper Ees, einen Fan historischer Bullis, und besuchen den VW-Sammler Traugott Grundmann in der niedersächsischen Provinz. Dort, in einem privaten Museum, steht der älteste Käfer der Welt, ein Vorläufer von Hitlers „Kraft durch Freude“-Wagen. So widersprüchlich und teilweise düster die Geschichte des Autokonzerns ist, so stark wirkt sie bis heute. Neben dem amtierenden Konzernchef Blume kommt der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Diess ebenso zu Wort wie die mächtige Betriebsratschefin Daniela Cavallo und ihr Vorgänger, Bernd Osterloh, der einst als mächtiger „Ko-Manager“ im Konzern regierte, dazu die Arbeiter an der Werkbank in Wolfsburg, Osnabrück und Zwickau. Am VW-Standort Osnabrück geht die VW-Story los. Von hier stammt der Podcast-Autor Christian Müßgens, der über das mögliche Ende des Werks nachdenkt.Fotos: Daniel Pilar Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki erinnert sich an seine Zeit als Strafverteidiger im Lustreise-Skandal, der US-amerikanische Jurist Larry Thompson berichtet über seine Zeit als Monitor während der Aufarbeitung des Dieselskandals, und auch die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt äußert sich zu ihrer Arbeit im VW-Vorstand. Der frühere Bosch-Ingenieur Karsten vom Bruch erzählt eindrücklich von dem Verdacht, den er schon hegte, bevor der Skandal im September 2015 aufflog. Wie sehr der Konzern mit seinen 660.000 Beschäftigten und einem Absatz von noch immer fast neun Millionen Autos im Jahr ganze Lebenswege prägt, Karrieren bricht und Emotionen freisetzt, zeigt sich in vielen Gesprächen. Über allem steht die Frage, was die Krise für Deutschland bedeutet. Was passiert im Land der Ingenieure, wenn eine Ikone wie VW global den Anschluss verliert? Folge 1 Alles oder Nichts 2026 könnte zum Schicksalsjahr für Volkswagen werden. Steuert der krisengebeutelte Konzern weiter auf den Abgrund zu, oder schafft er die Wende? Folge 1 anhören Folge 2 Die Legende entsteht Folge 2 geht zurück zu den Anfängen. Volkswagen wird von den Nazis gegründet und mit Käfer und Bulli schnell zu einer echten Legende. Wie gelang VW der Aufstieg zu einem Weltkonzern und einem Stück deutscher Seele? Folge 2 anhören Folge 3 Der große Betrug In dieser Folge rekonstruiert Christian Müßgens mit Corinna Budras den Dieselskandal als größten Betrug der deutschen Autoindustrie. Sie zeigen, warum die Aufarbeitung bis heute dauert – und wie aus „Clean Diesel“ ein weltweites Desaster wurde. Folge 3 anhören Folge 4 Das Geflecht Vor rund 20 Jahren erschüttert ein Skandal rund um teure Lustreisen den Volkswagen-Konzern. Gleichzeitig steht mit Ferdinand Piëch jetzt ein unerbittlicher Chef an der Spitze, der den Konzern zu einem globalen Multi-Marken-Imperium formen will. Folge 4 anhören Folge 5 Überall Chinesen In Folge 5 dreht sich alles um den „Autoplaneten China“: zwischen Karaoke-Autos und einem gnadenlosen Preiskampf zeigt die Folge, warum sich VWs Zukunft viel mehr in Shanghai als in Wolfsburg entscheiden wird. Folge 5 anhören Folge 6 Endspiel um VW Die Folge beginnt in Zwickau, wo sich bei Montagsdemos die Angst vor Jobverlust und sozialem Abstieg entlädt. Dort zeigt sich, wie wichtig ein VW-Werk für die ganze Region ist. Wir gehen der Frage nach, was wäre Deutschland – was wären wir – ohne Volkswagen? Gelingt es dem Konzern, die Legende wiederzubeleben und seine Zukunft zu sichern? Folge 6 anhören Nach oben Schneller Schlau Die erstaunliche Erfolgsgeschichte von Hochtief Züge, die Geschichte fuhren