In einem der 16 Frankfurter Ortsbeiräte wurde kürzlich für eine Kandidatin für den Posten der Ortsvorsteherin mit dem Argument geworben, dass sie viel mit dem Hund unterwegs sei und deshalb vieles im Zuständigkeitsgebiet des Ortsbeirats mitbekomme. Es wäre ein Leichtes, über das Engagement in den Stadtteilgremien zu lästern, die echte Entscheidungskompetenz fast nur bei der Benennung von Straßennamen besitzen. Man könnte das Ringen um Posten polemisch kritisieren, das in manchen der konstituierenden Sitzungen zu erstaunlichen Auseinandersetzungen meist zwischen CDU und Grünen führte. Teils gewannen die Beobachter den Eindruck, dass sich die Spannungen bei den Koalitionsgesprächen im Römer auf diese Gremien übertragen haben. Öfter als gewohnt wurde an der Gepflogenheit gerüttelt, dass die bei der Kommunalwahl im Ortsbezirk die stärkste Partei den Ortsvorsteher stellt. Im einen Stadtteil nominierte die CDU einen Gegenkandidaten gegen eine grün dominierte Mehrheit. Im Westen und andernorts begehrten die Grünen auf mit Verweis auf eine angeblich linke Mehrheit. Vertrauen stärken Meist verwahrte sich die SPD gegen eine Vereinnahmung durch die Grünen. Im schon lange zerstrittenen Ortsbeirat für Bockenheim, das Westend und das Kuhwaldviertel verschafften die Grünen aber ihrer Kandidatin Marion Kneesch* eine Mehrheit, obwohl die CDU im Wahlergebnis rund drei Prozentpunkte besser abgeschnitten hatte – bei allerdings gleicher Anzahl an Sitzen im Gremium. Die Verärgerung im Unions-Lager war groß. Nun sollte es aber genug des Gezänks sein. Die Ortsbeiräte sollten schleunigst in den Arbeitsmodus zurückkehren und beherzigen, was vor allem scheidende Ortsvorsteher wie Susanne Serke und Thomas Gutmann oder auch ausgeschiedene Langzeit-Ortsbeiräte wie Albert Fribolin und Rüdiger Koch ihren Nachfolgern ins Stammbuch geschrieben haben: Die Ortsbeiräte seien nicht der Ort für verbissene Auseinandersetzungen. Politik könne hier für jeden greifbar werden und das Vertrauen in die Institutionen stärken, was gegen Politikverdrossenheit und Verführbarkeit durch die – in den Gremien so gut wie nicht sichtbare – AfD am besten wirke. Dabei ist Wettstreit um bessere Ideen selbstverständlich nicht ausgeschlossen, sondern sogar dringend geboten. Aber im Umgang untereinander ist mehr Respekt geboten, als er zuletzt mancherorts gelebt worden ist. Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes haben wir statt Marion Kneesch versehentlich den Namen von Sabine Ruh genannt, die neue Ortsvorsteherin im Ortsbeirat 9 für Dornbusch, Eschersheim und Ginnheim ist.
