FAZ 13.05.2026
09:14 Uhr

OECD-Bericht: Landwirtschaft: Produktion rauf, Belastungen teils runter


Die OECD hat neue Zahlen zu Umwelttrends in der Landwirtschaft vorgelegt. Auf weniger Fläche wird mehr angebaut. Aber es gibt nicht nur Fortschritte.

OECD-Bericht: Landwirtschaft: Produktion rauf, Belastungen teils runter

Die Landwirtschaft ist auf Flächen, Wasser, Düngemittel und Energie angewiesen. Nahrungsmittelproduktion belastet damit notgedrungen Natur und Umwelt. Aber die gute Nachricht ist: Der Ressourcenverbrauch sinkt tendenziell, während die landwirtschaftliche Produktion deutlich gesteigert werden konnte. Von einem „allgemeinen Muster der Entkoppelung“ in den Jahren 1990 bis 2023 ist in einem neuen Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Rede. Schlechte Nachrichten gibt es indes vor allem zu den Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Artenvielfalt: Die Population von Feldvögeln ging in dem Berichtszeitraum in 22 der 27 OECD-Mitgliedstaaten weiter zurück, die diesen Indikator für die Biodiversität beobachten. Diese Entwicklung sei „besorgniserregend“, heißt es in dem Bericht. Nur fünf Länder der insgesamt 30 OECD-Mitgliedstaaten meldeten einen positiven Trend. Das Gesamtbild zeige den Bedarf an gezielten agrarökologischen Maßnahmen, um den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen.  „Die Umweltbilanz der Landwirtschaft in den OECD Ländern 2026“ wurde am Mittwoch in Paris veröffentlicht. Produktionsanstieg um 33 Prozent Von 1990 bis 2023 stieg die landwirtschaftliche Produktion in den Mitgliedsländern um 33 Prozent. In diesem Zeitraum ging die landwirtschaftliche Nutzfläche um fast 11 Prozent zurück. Der Einsatz von Wasser, Düngemitteln und Energie in der Landwirtschaft wuchs insgesamt langsamer als die landwirtschaftlichen Erträge. Bei der Verwendung von Stickstoff- und Phosphordünger deuteten die Zahlen auf eine absolute Entkoppelung hin, heißt es in dem Bericht: Bei steigender landwirtschaftlicher Produktion sank der Einsatz von Stickstoff im Jahresdurchschnitt um 0,24 Prozent und der von Phosphor um 0,53 Prozent. Ursächlich dafür sei vor allem der geringere Einsatz von Düngemitteln in den Jahren 2021 bis 2023 gewesen. In diesem Zusammenhang wird auf die Preisschocks infolge des Ukrainekrieges im Jahr 2022 verwiesen. Während die Zufuhr von Dünger bei richtiger Dosierung das Pflanzenwachstum fördert, können Nährstoffüberschüsse zur Versauerung des Bodens beitragen und zu Sauerstoffmangel in Gewässern beitragen. Den OECD-Mitgliedstaaten wird insgesamt ein besseres Nährstoffmanagement bescheinigt. Die Daten zeigten, dass Stickstoff und Phosphat effizienter eingesetzt würden. Aber es gebe noch Luft nach oben. So seien in den vergangenen Jahren im Median nur etwa 60 Prozent des ausgebrachten Stickstoffs in Ertrag umgewandelt worden; 40 Prozent der Nährstoffe seien über Boden, Wasser oder Luft in die Umwelt gelangt. Zunehmender Druck auf Wasserressourcen Beim Wasserverbrauch deutet sich nach den neuen Zahlen eine relative Entkoppelung an: Die landwirtschaftliche Produktion wuchs zwar stärker als der Wasserverbrauch. Aber insgesamt stieg die Wasserentnahme in den OECD-Ländern um 0,32 Prozent im Jahr, „was auf einen zunehmenden Druck auf die Wasserreserven hinweist,“ wie es in dem Bericht warnend heißt. Im Bereich der Treibhausgasemissionen verzeichnet der Bericht Verbesserungen, sofern der Ausstoß je Betrieb betrachtet wird. Die Gesamtmenge der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft blieb aber mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 0,48 Prozent relativ stabil. Schaut man aber näher hin, dann zeigt sich: Seit 2018 sind auch die Gesamtemissionen gesunken, im Jahresdurchschnitt um 0,84 Prozent. Dies lasse auf eine „gewisse absolute Entkoppelung“ schließen, heißt es in dem Bericht. Für einen langfristigen Abwärtstrend seien aber wahrscheinlich tiefgreifendere Veränderungen erforderlich. Die Landwirtschaft verursacht vor allem Methan- und Lachgasemissionen, die aus Exkrementen der Tiere und dem Einsatz von Stickstoffdünger stammen. Die meisten OECD-Mitgliedstaaten haben in dem betrachteten Zehnjahreszeitraum auch ihre Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft reduziert. Von den 34 Ländern, die Daten für 2013 bis 2023 meldeten, verzeichneten 24 einen Rückgang. Amonikaemissionen können zur Luft- und Wasserverschmutzung beitragen.