FAZ 28.05.2026
15:09 Uhr

Nils Kößler: Der Mann der Stunde im Römer


Der CDU-Politiker Nils Kößler vertritt seit der Kommunalwahl in Frankfurt die größte Fraktion im Rathaus. Ihm fällt damit die führende Rolle beim Schmieden einer Koalition zu.

Nils Kößler: Der Mann der Stunde im Römer

Auf einmal ist Nils Kößler mitten im Geschehen. Die von ihm geführte Frankfurter CDU hat fünf Jahre auf den Oppositionsbänken der Stadtverordnetenversammlung hinter sich, sie konnte zusehen, wie sich dort ein seit 2021 bestehendes Bündnis aus Grünen, SPD, FDP und Volt im Rathaus mehr stritt, als dass es die Stadt voranbrachte. Bei der Kommunalwahl am 15. März aber verdrängte die Union die Grünen von Platz eins im Römer, sie kam auf 25,0 Prozent und stellt damit nun die größte Fraktion, während die Grünen auf 20,8 Prozent abrutschten. Seitdem ist der 48 Jahre alte Kößler der Mann der Stunde im Rathaus. Es ist eine Rolle, in die er erst nach und nach findet. Kößler ist promovierter Jurist, er war mehrere Jahre als Richter tätig. Das Auftrumpfende, das Zuspitzen liegt ihm fern. Eine lautstarke Opposition war die CDU-Fraktion nicht. Jetzt aber muss Kößler Bündnisse schmieden mit Parteien, die mit harten Bandagen kämpfen, die mit der Union wenig verbindet und die auch untereinander ihre Schwierigkeiten haben. Und er darf die Erwartungen seiner Wählerschaft auf Korrekturen in der Frankfurter Kommunalpolitik nicht enttäuschen. Neue Koalition ist ein „Unikum“ Dass Kößler dies alles nicht leichtfällt, sah man kurz nach der Wahl, als er kurzerhand verkündete, eine Koalition mit der SPD, Volt und FDP, mithin ohne die Grünen, schmieden zu wollen. Die wagemutig veröffentlichte Idee zerfiel binnen Tagen, als sich die jungen Leute von Volt abmeldeten. Nach wochenlangem Hin und Her soll es nun eine Dreierkoalition aus CDU, Grünen und SPD geben, die eine deutliche Mehrheit im Plenum hat. Auf Drängen der Grünen, die nur dank des Ausstiegs von Volt aus dem ersten Modell überhaupt wieder im Spiel sind, ist auch diese kleine Partei als kooptierter Partner mit begrenzten Mitspracherechten wieder dabei, obwohl rechnerisch überflüssig. Als diese vorläufige Einigung in dieser Woche im Römer verkündet wurde, ließ Kößler keinen Zweifel daran, wer das Bündnis künftig führen wird. Er bezeichnete die eigentümliche Konstellation mit ihren dreieinhalb Partnern, auf die er sich letztlich einlassen musste, als „Unikum“, maß den Vertretern der anderen Parteien knapp bemessene Redezeiten zu und vermittelte glaubhaft den Eindruck, man werde sich auch schon noch auf Inhalte verständigen. Die Frage, was die oft beschworene „Großstadt-CDU“ ausmacht, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Es läuft wohl eher darauf hinaus, Übertreibungen in der grün dominierten Ära wie etwa in der Verkehrspolitik zu korrigieren. Nils Kößler, geboren in Frankfurt, mit seiner Lebensgefährtin im Schatten des Doms lebend, einst Pfadfinder und Jugendbetreuer bei der Freiwilligen Feuerwehr, hat seine größten Aufgaben im Frankfurter Römer noch vor sich.