FAZ 23.03.2026
15:33 Uhr

Niederlage in Mainz: Riera weiß, was er will - aber was bringt es der Eintracht?


Keine Ideen nach vorne, Unruhe um Götze, schwache Laufleistung: Die Frankfurter machen auch in Mainz keinen guten Eindruck. Trainer Albert Riera irritiert mit Worten über fehlende Qualität.

Niederlage in Mainz: Riera weiß, was er will - aber was bringt es der Eintracht?

Im Souterrain ihrer Arena haben sie sich eine eigene Mainzer Fußballwirklichkeit geschaffen. Eine Wunschvorstellung, die den Realitätscheck (noch) nicht besteht. In dem Raum, in dem die Trainer sprachen – Urs Fischer, der die Sicht der Nullfünfer darlegte, und Albert Riera, der im Namen der Eintracht vortrug –, hing neben der Eingangstür eine Bundesligatabelle an der Wand, bei der die Nullfünfer die Konkurrenz von ganz oben grüßen und die Frankfurter als Letzte geführt werden. Fakt ist: Mit den Rheinhessen geht es aufwärts, während die 1:2-Verlierer vom Sonntag aufpassen müssen, dass eine Saison, die bislang schon nicht nach den Erwartungen verlief, zum Ende hin völlig aus dem Ruder läuft. Sportlich wirkte der Auftritt der SGE einmal mehr merkwürdig. Gegen einen Gegner, der unter der Woche ein Europapokal-Achtelfinale absolviert hatte, waren die Männer um Ersatzkapitän Arthur Theate nicht in der Lage, derart beherzt aufzutreten, dass sich daraus ein gewinnbringender Vorteil ziehen ließ. Stattdessen fügten sie sich einer couragierteren Elf, die den Kollektivgedanken entschlossener vorlebte. So kam im siebten Spiel unter der Regie Albert Rieras die zweite Niederlage zustande – und weder Form, Körpersprache noch Willensleistung hinterließen den Eindruck, dass sich der Dreiundvierzigjährige und die Profis zu einer harmonierenden Gruppe zusammengefunden hätten. Mindestens genauso irritierend wie die Darbietung des Teams, die von langen Ballbesitzphasen gekennzeichnet war, aus denen wenig Torgefahr entstand, war der Auftritt Rieras im Nachgang. Noch auf dem Rasen, im Interview vor der Fernsehkamera, machte er deutlich, dass es leistungsbegrenzende Faktoren gibt, die nicht in seiner Verantwortung liegen. „Am Ende ist es die Qualität“, sagte Riera. Angesprochen auf die Bemühungen seiner Elf rund um den Strafraum des Gegners, bekannte er, es sei die Klasse der Spieler, die den Unterschied über Sieg und Niederlage ausmache. „Wir Trainer sind keine Magier“, sagte der Mallorquiner in eigener Sache und fügte nicht weniger deutlich an, dass „gute Teams“ nun mal „gute Zutaten“ bräuchten. Ideenlos gegen den Mainzer Defensivblock Er ist schon mehrmals durch eine verwegene Argumentationsführung aufgefallen. Mal ging es um Sprünge vom Balkon. Mal um Haie, die Blut riechen. Und mal um Spieler, die vor einem Comeback stehen, tatsächlich aber weiterhin unpässlich waren. In Mainz sagte Riera, er wisse um die „Lösungen“, mit denen die Eintracht auf Kurs zu bringen sei. Wenn sie eine dominantere Rolle spielen wollten, müssten sie vor allem „besser verteidigen“. Die Mainzer liefen in Summe 119 Kilometer (drei mehr als die Frankfurter), sie schlugen mehr Flanken (15:11), sie starteten mehr gelungene Dribblings, gewannen mehr Zweikämpfe (53:47) – und konnten so trotz einer Ballbesitzquote von nur dreißig Prozent zum Erfolg kommen. Es war phasenweise an Ideenlosigkeit kaum zu überbieten, was die Eintracht-Spieler mit der Kugel anstellten. Läufe hinter den Defensivblock der Nullfünfer, die im Zweifelsfall mit fünf Mann in letzter Linie ihr Terrain sicherten, kamen kaum vor; auch hohe Hereingaben auf Jonathan Burkardt blieben aus. Besonders die rechte Seite entpuppte sich als Zone, in der wenig Produktives zusammenlief. Brown, Collins und Bahoya verletzt Und das hatte auch mit Rieras taktischen Überlegungen zu tun: Er postierte Arnaud Kalimuendo vor Ritsu Doan, der dafür mehr zentral aufkreuzen sollte (wobei er aber nicht durchschlagend in Erscheinung trat); und hinter dem Duo versah mit Nnamdi Collins ein Aufpasser seinen Dienst, der aufs Neue nicht das richtige Maß bei der Abwägung von Mut und Übermut fand. Dass auch der Zweiundzwanzigjährige mit einer Beinverletzung das Feld verlassen musste und lange auszufallen droht, passte zur Niedergeschlagenheit der Frankfurter, bei denen zudem Nathaniel Brown und Jean-Mattéo Bahoya angeschlagen ausschieden. Hart ins Gericht mit sich und allen anderen, die auf Frankfurter Seite den Rückschlag mitzuverantworten haben, ging Burkardt. Er sei „verärgert“, sagte er bei seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, „ich hatte gehofft, dass wir anders auftreten“. In beiden Strafräumen habe „die Konsequenz gefehlt“, und es sei „kein gutes Gefühl, mit einer Niederlage in die Länderspielpause zu gehen“. Er nehme aus dem 27. Spieltag den Eindruck mit, dass „jeder“ sein Bestes habe geben wollen, „aber wir müssen ehrlich sein: Es war nicht gut genug.“ Burkardt sagte, dass er in Rieras System als zentraler Strafraumstürmer „noch nicht richtig eingebunden“ sei: „Perfekt läuft es nicht“, sagte der Fünfundzwanzigjährige. „Grundsätzlich“, so seine Einschätzung über die noch immer anhaltende Kennenlernphase mit dem Toppmöller-Nachfolger, hätten sie ein Verständnis für die Ideen Rieras erhalten. Dass Mario Götze in Mainz nicht zum Kader zählte, verblüffte aber auch ihn. „Er ist ein wichtiges Teammitglied, und man kann ihn immer gebrauchen.“ Dass der Dreiunddreißigjährige, der eine Vertragsverlängerung anstrebt, nicht dabei war, nannte Burkardt „sehr schade für Mario“. Auf die Gründe der Nichtnominierung wollte der Coach nicht näher eingehen. Auf eine entsprechende Frage antwortete er mit einer Gegenfrage, wen er für den Weltmeister von 2014 denn hätte zu Hause lassen sollen. Götze hatte zuletzt wiederholt über Adduktorenbeschwerden geklagt, Riera stellte ihn nun dreimal in Folge nicht auf. Von „morgen früh an“, kündigte der Coach vor der Rückfahrt nach Frankfurt an, werde er daran arbeiten, dass sich die Spieler bei nächster Gelegenheit „besser“ präsentieren. All jenen, die nicht mit den Nationalteams im Einsatz sind, gab er für sieben Tage frei. „Ich weiß, was ich will“, sagte Riera, und es klang in Anbetracht dieses freudlosen Nachmittags umso forscher. Zum Ende der Saison stellte er vielsagend „harte Entscheidungen“ in Aussicht. Ob er selbst dann noch Einfluss auf den Fortgang der Dinge bei der Eintracht haben wird, hängt an den kommenden Wochen: Nur, wenn er andere Ergebnisse liefert, ist dieser Einfluss gesichert. Gelingt das nicht, ist ein baldiges Ende seiner Dienstzeit – getreu dem Motto „Versuch und Irrtum“ – keineswegs ausgeschlossen.