FAZ 22.03.2026
19:38 Uhr

Niederlage bei Mainz 05: Die Tendenz bei Eintracht Frankfurt ist fallend


„Das tut weh“, sagt Markus Krösche, der Sportvorstand der Eintracht, nach der 1:2-Niederlage in Mainz. Die Ankündigung des Frankfurter Trainers Albert Riera wird dabei ad absurdum geführt.

Niederlage bei Mainz 05: Die Tendenz bei Eintracht Frankfurt ist fallend

Als Urs Fischer seine Rettungsmission in Rheinhessen begann, trennte seine Mannschaft und die Eintracht eine große Kluft. Die Nullfünfer waren mit insgesamt nur sieben Punkten kurz vor Weihnachten ans Tabellenende abgerutscht, während sich die Frankfurter im Kampf um die internationalen Plätze sahen. Rund drei Monate später sieht die Rhein-Main-Fußballwelt anders aus. Mainz gewann am Sonntag das direkte Duell 2:1. Auch vom Rivalen aus der Nachbarschaft ließ sich das vor Kurzem noch als designierter Absteiger gehandelte Team in seinem Aufwärtstrend nicht beirren. Fischers Leute gehören zu den eifrigsten der Rückrunde. Und sie wollen mehr: „Geschafft ist noch nichts“, sagte Fischer, „wir müssen dranbleiben.“ Mario Götze fehlt bei der Eintracht im Aufgebot Seine Auswahl holte bei nun 14 Liga-Auftritten unter seiner Regie 22 Punkte und arbeitete sich bis unmittelbar hinter das Mittelfeld des Klassements vor – an dessen Spitze nach wie vor die SGE steht, Tendenz fallend. „Das tut weh“, konstatierte Markus Krösche. Der Sportvorstand der Eintracht sah eine Leistung der eigenen Spieler, die er als ungenügend klassifizierte, nicht zuletzt mit Blick auf die Handlungsschnelligkeit: „Wir hatten viel Ballbesitz, aber zu wenige Möglichkeiten.“ Auf das Fehlen Robin Kochs wegen einer Gelb-Rot-Sperre reagierte Albert Riera, indem er Arthur Theate in die Viererkette stellte. Für den Belgier war es der erste Einsatz nach seiner Knieverletzung, die ihn seit Anfang Februar zum Zuschauen zwang. Bei Mario Götze waren dem Trainer die gesundheitlichen Bedenken zu groß. Er verzichtete auf den Profi, der zuletzt über Hüftprobleme klagte. Offensiv bot er Jonathan Burkardt als zentralen Stürmer von Beginn an auf; für den 25-Jährigen war es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, wo er bis zum vorigen Sommer in elf Spielzeiten in die Rolle des Fan-Lieblings hineingewachsen war. Burkardt wurde beim Einlaufen vom Publikum mit gemischten Reaktionen begrüßt: Die einen klatschten freundlich, die Mehrheit buhte. Die Mainzer Verantwortlichen nutzten die Gelegenheit, um sich offiziell von Burkardt zu verabschieden und ihm neun Monate nach dem Wechsel vor ausverkauftem Haus zu danken: mit einem Strauß Blumen und netten Worten. „Du bist ein toller Typ“, schmeichelte Christian Heidel dem Angreifer, den er in den Arm nahm. Erste Gelbe Karte schon nach 17 Sekunden Er mahnte zugleich die Mainzer Anhänger unter den 33.330 Besuchern, die Burkardt missmutig empfangen hatten, „darüber nachzudenken, dass es Johnny war, der mit seinen Toren dazu beigetragen hat, dass wir in der Bundesliga geblieben sind und jetzt die europäischen Fahrten unternehmen können, die uns als Nächstes nach Straßburg führen“. Mit dem Anstoßpfiff ruhten die alten Freundschaften ohnehin. So wie es Danny da Costa angekündigt hatte, grenzten die Mainzer mit energischer Vehemenz die Kreise ihres ehemaligen Weggefährten ein. Dass der Frankfurter Farès Chaïbi beim ersten Zweikampf schmerzhaft erfahren musste, dass die Männer in den rot-weißen Trikots auch mit Robustheit zu beeindrucken gedachten, zog schon nach 17 Sekunden die Gelbe Karte nach sich. Und die Eintracht bekam die Wucht des Gegners auch regelkonform zu spüren. Ein Stellungsfehler Theates ebnete der Heim-Elf den Weg zur Führung. Paul Nebel entdeckte die Lücke im Deckungsverbund, zog ab – und sein Schuss senkte sich unhaltbar, vom zu spät nach hinten geeilten Theate abgefälscht, über Torhüter Michael Zetterer zum 1:0 ins Netz (6. Minute). Bis die Frankfurter eine Ordnung fanden, die es ihnen gestattete, strukturiert die Mittellinie zu überqueren, dauerte es, aber dann schlugen sie zu: Burkardt wurde zum Initiator, Jean-Mattéo Bahoya zum Vorlagengeber und Nathaniel Brown, der zuvor nach einem Zusammenprall mit Kaishu Sano Beschwerden an der linken Wade signalisiert hatte, vollendete zum Ausgleich (20.). Brown blieb zur Pause in der Kabine; Ellyes Skhiri ersetzte ihn. Paul Nebel trifft spät zum Mainzer 2:1 Die Frankfurter kontrollierten die Kugel nun gegen zurückgezogen verteidigende Mainzer länger, ließen Gelegenheiten wie bei einem Kopfball von Chaïbi (60.) ungenutzt; es war aber viel brotlose Kunst dabei. Zudem hatten sie Glück, dass ein Schuss von Sheraldo Becker an den Pfosten sprang (85.). Beschwerlichkeiten am linken Fuß zwangen Nnamdi Collins zum Abgang vom Feld, wobei ihn ein Betreuer und Theate stützten; die Schwere seiner gravierend scheinenden Blessur wird bei Untersuchungen an diesem Montag abgeklärt. Obwohl die Mainzer am Donnerstag noch gegen Olmütz im Europapokal gefordert waren, hielten sie die Eintracht zum Ende der zweiten Hälfte wieder in Schach, drängten sie in ihrer Schlussoffensive zurück und belohnten sich: Nebel traf zum 2:1 (89.). Rieras Worte, der angekündigt hatte, dass seine Spieler die ausgeruhtere und schlagfertigere Mannschaft darstellen würden, waren damit ad absurdum geführt. Bei jetzt acht Punkten Rückstand auf Leverkusen (46) kann es für die Eintracht nur noch darum gehen, mit der Qualifikation für die Conference League das Sportjahr einigermaßen zu retten, während Fischer und die Seinen mit drei Siegen laut Fischer eine „perfekte Woche“ erlebten – sodass plötzlich in diesem Frühjahr Erfolge in Aussicht stehen, die bei seinem Antritt undenkbar anmuteten.