FAZ 25.03.2026
10:00 Uhr

Nichts aus China: Ohne ist nicht ohne


Aufzugsmotor von Ziehl-Abegg ohne Seltene Erden aus China arbeitet mit Ferritmagneten

Nichts aus China: Ohne ist nicht ohne

Hilf dir selbst, dann hilft dir die Physik. So muss der in Künzelsau beheimatete Antriebshersteller Ziehl-Abegg gedacht haben, als China erneut Exportkontrollen für Seltene Erden einführte. Das Unternehmen produziert unter anderem jene Motoren, die Aufzüge in der Vertikalen bewegen, an denen mithin das moderne städtische Leben hängt. Nun ist der Verzicht auf Seltene Erden in Elektromotoren zwar durchaus möglich, aber ein solches Aggregat kommt eben dann auf eine besonders hohe Leistungsdichte, wenn starke Magnete das Feld erzeugen, die den Rotor in Schwung bringen. Dafür sind Permanentmagnete auf Basis von Neodym des Ingenieurs erste Wahl. Dieses Element ist eines von 17, das der Gruppe der Seltenen Erden zugerechnet wird, 90 Prozent der aktuellen Verarbeitung erfolgt in China. Drehmoment wie ein Mittelklasse-Auto Nun wird in einem Aufzug zwar keine hohe Leistung benötigt, schließlich beträgt die Geschwindigkeit maximal wenige Meter je Sekunde, dafür aber ein ordentliches Drehmoment. Schon der Motor für einen kleineren Personenaufzug befördert das Tragseil mit bis zu 475 Newtonmetern, dem Maximalwert eines gut motorisierten Mittelklasseautos also. Solche Werte einzustellen, ohne dass das oberhalb der Kabine angebrachte Antriebssystem deutlich größer und schwerer ausfällt, scheint Ziehl-Abegg nun gelungen zu sein. Für einen kompakten Aufzugsmotor ohne Seltene Erden sind die Tüftler aus dem Hohenlohischen für den renommierten Hermes Award nominiert, der auf der Hannover Messe im April vergeben wird. Der Motor, der in der zweiten Jahreshälfte in Produktion gehen soll, arbeitet zwar ebenfalls mit Permanentmagneten, allerdings auf der Basis von hartmagnetischem Ferrit, also einem Eisenoxid, dem üblicherweise eine Prise weiterer Stoffe zugegeben wird. „Aus China ist da nichts drin“, versichert ein Sprecher. Eigentlich handelt es sich um eine bekannte Bauweise, die aber den Nachteil hat, dass der Rotor deutlich länger ausfällt als einer aus Neodym-Verbindungen. Der Motor, beteuert Ziehl-Abegg, habe jedoch das gleiche Drehmoment bei unveränderten Abmessungen. Wie das gelungen ist, will das Unternehmen noch nicht genauer erläutern, ein Patent sei zwar angemeldet, aber noch nicht erteilt. Es ist davon auszugehen, dass die Anordnung der Magnete im Rotor den Unterschied ausmacht. Knappheit führt zu Innovation, ein gerüttelt Maß an mittelständischem Pioniergeist braucht es freilich ebenfalls.