Das Ketteler-Krankenhaus in Offenbach ist gerettet: Ein halbes Jahr nach Beginn des Insolvenzverfahrens ist ein neuer Träger gefunden worden. Der Kreisverband Offenbach des Deutschen Roten Kreuzes wird das Krankenhaus mit rund 900 Beschäftigten übernehmen. Noch im Mai soll ein Insolvenzplan eingereicht und dann den Gläubigern vorgelegt werden. Deren Sachwalter Lason Gutsche zeigt sich laut einer Mitteilung des Krankenhauses optimistisch, dass der Plan angenommen wird. Die Klinik soll mit allen Abteilungen weitergeführt werden, nur die Kinderklinik wird Ende Juni geschlossen, wie schon im Februar angekündigt worden war. Am Dienstag hatte die Geschäftsführung zunächst die Mitarbeiter über die Rettung informiert. Im November hatte die gleichnamige gemeinnützige Gesellschaft als Träger des Ketteler-Krankenhauses die Sanierung in Eigenverantwortung beantragt. Zum Sachwalter wurde Lason Gutsche von der auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei HWG berufen, außerdem holte die Gesellschaft den Sanierungsfachmann Dietmar Eine in die Geschäftsführung. Als Gründe für die Insolvenz nannte das Krankenhaus eine „zunehmende wirtschaftliche Belastung“ an: Die Finanzierung im deutschen Gesundheitswesen reiche nicht aus, um steigende Personal- und Sachkosten zu kompensieren. Daher müsse die Klinik neu strukturiert werden. Erleichterung auch im Rathaus Eine ist sich nach den Gesprächen mit dem Roten Kreuz sicher, dass eine „tragfähige Zukunftsperspektive“ eröffnet worden sei. Doru Somesan, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, wird in der Mitteilung der Klinik mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Klinik zitiert: „Das Ketteler-Krankenhaus ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Offenbach und der Region.“ Optimistisch zeigt sich auch Angelika Heckenthaler, die Geschäftsführerin des Krankenhauses: Sie freue sich auf die künftige Zusammenarbeit mit dem neuen Träger, die nach ihren Erfahrungen aus den bisherigen Gesprächen „fruchtbar und konstruktiv“ werde. Erleichtert über die Lösung, die man im Rahmen der städtischen Möglichkeiten unterstützt habe, zeigt sich auch Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). Er freue sich, dass sich mit dem Deutschen Roten Kreuz ein seriöser Träger gefunden habe. Das traditionsreiche Ketteler-Krankenhaus sei aus der Stadt nicht wegzudenken, schreibt Schwenke in seiner Mitteilung. Er verweist auch auf die Bedeutung des Hospizes Fanny de La Roche, das dem Krankenhaus angegliedert ist, ebenso wie die Malteser Medizin. Dort bieten ehrenamtliche Teams Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung. Auch während des Insolvenzverfahrens sind alle Abteilungen der Klinik mit mehr als 300 Betten geöffnet geblieben. Dabei handelt es sich um die Hauptfachabteilungen Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde und Geriatrie. Überregional bekannt sind nach eigenen Angaben das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Offenbacher Darmcentrum sowie das Brustkrebszentrum. Außerdem ist die Klinik Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Frankfurt. Die Geschichte der Klinik reicht in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als die Mainzer Schwestern von der Göttlichen Vorsehung nach Offenbach kamen und sich um die Pflege von Kranken kümmerten. 1905 wurde dann das Krankenhaus Josefsheim an der Kaiserstraße eröffnet. Dieser Standort genügte bald nach dem Zweiten Weltkrieg den Anforderungen nicht mehr. 1958 entstand der Neubau des Ketteler-Krankenhauses am Lichtplattenweg im Offenbacher Stadtteil Buchhügel.
