Mithilfe von Rotalgen lassen sich Meerwassertemperaturen über einen längeren Zeitraum tagesgenau rekonstruieren. Das haben Forscher der Universität Mainz und des Max-Planck-Instituts für Chemie nachgewiesen. Die Wissenschaftler verwendeten dazu Rhodolithe, das sind knollenartige Kalkgebilde, die von Rotalgen gebildet werden. Sie kommen in allen Weltmeeren vor, vom Flachwasser bis in 200 Meter Tiefe. Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler Rhodolithe im Roten Meer. Sie färbten die Algen mit einem Farbstoff, der sich in Kalk einlagert, und beobachteten ihr Wachstum vier Monate lang. Mit einem Mikro-Computertomographen bildeten sie die dabei entstehenden Kalkschichten dreidimensional ab. Außerdem ermittelten sie mit einem Massenspektrometer, wie sich in jeder Schicht das Verhältnis der Elemente Magnesium und Strontium änderte. Aus diesen Informationen ließ sich die Wassertemperatur für jeden Tag bestimmen. Gleichzeitige Temperaturmessungen am Versuchsort bestätigten die Resultate. In den Riffen des Roten Meeres schwankt die Wassertemperatur zwischen 18 und 38 Grad. An einem einzigen Rhodolithen ließen sich sowohl die saisonale Erwärmung als auch kurzfristige Schwankungen zuverlässig ablesen. Mit mehreren Korallenkernen aus demselben Riff könnten auch Temperaturreihen für längere Zeiträume ermittelt werden, so die Mainzer Wissenschaftler. Solche Datensätze erlaubten es, sowohl Klimaschwankungen der Vergangenheit nachzuweisen als auch die Folgen der Erderwärmung für bedrohte marine Ökosysteme genauer vorherzusagen.
