FAZ 21.05.2026
15:19 Uhr

Nach drei Tagen: Zweite Leiche nach Hauseinsturz in Görlitz gefunden


Die Einsatzkräfte, die sich nach dem Einsturz eines Hauses in der sächsischen Stadt durch den Trümmerberg graben, haben eine weitere Leiche entdeckt. Noch immer wird mindestens eine Person vermisst.

Nach drei Tagen: Zweite Leiche nach Hauseinsturz in Görlitz gefunden

Am dritten Tag nach dem Einsturz eines Wohnhauses in der sächsischen Stadt Görlitz ist in den Trümmern eine zweite Leiche gefunden worden. Das teilte ein Polizeisprecher mit. Es handle sich um die zuvor vermisste 26-Jährige aus Rumänien, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Leiche wurde demnach im vorderen Teil des eingestürzten Hauses geborgen. Zuvor war fieberhaft nach verbliebenen Vermissten gesucht worden. Am Mittwochabend hatten Einsatzkräfte bereits die Leiche einer Frau entdeckt. Laut Polizei handelt es sich um eine 25 Jahre alte rumänische Touristin. Mindestens eine weitere Person wird noch vermisst: Ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Am Morgen seien zunächst die Personensuchhunde abgezogen worden, um schweres Gerät einsetzen zu können, sagte Polizeisprecher Stefan Heiduck auf Anfrage. „Es müssen erst einmal große Deckenteile und schwere Holzbalken entfernt werde. Danach kommen auch die Hunde wieder zum Einsatz.“ Zuvor hatten die speziell ausgebildeten Tiere an zwei Stellen angeschlagen. Zunächst fünf Menschen vermisst Die Rettungskräfte waren am Donnerstag im vorderen Teil des Hauses bis zum Erdgeschoss und Keller vorgedrungen. Im hinteren Bereich hatten sie das Hochparterre erreicht. Die Zeit läuft gegen die Retter: „Die sogenannte ‚goldene Rettungszeit‘ liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten“, erklärte Andrea Wirth vom THW-Landesverband Sachsen, Thüringen. Die 72 Stunden laufen am späten Donnerstagnachmittag ab. Beim Bergen werden auch mehrere Radlader, Bagger, Kräne und auch ein Saugbagger, der kleine Trümmerteile und Staub absaugt, eingesetzt. Es gebe viel Staub, die ganze Zeit müsse mit Schutzmasken gearbeitet werden, sagte der Sprecher der THW-Einsatzleitung Daniel Hofmann. Das Haus, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, war am Montagabend eingestürzt. Daraufhin wurden zunächst fünf Menschen vermisst, bei zwei von ihnen war der Aufenthalt bereits nach wenigen Stunden geklärt – die beiden Feriengäste befanden sich noch auf der Anreise. Teils arbeiten die Einsatzkräfte mit bloßen Händen Nach mindestens einem weiteren Vermissten wird unermüdlich gesucht.  Teils arbeiteten sich die Einsatzkräfte auch mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. „Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch weitere Opfer unter den Trümmern befinden“, sagte der Polizeisprecher. Möglicherweise hätten sich Menschen beim Einsturz des Hauses auf dem Gehweg oder noch in dem Haus befunden. Gewissheit habe man erst, wenn alle Trümmer abgetragen worden seien. „Derzeit liegen aber keine Vermisstenmeldungen vor“, betonte Heiduck. Die genaue Ursache des Unglücks in der Stadt im Osten Sachsens steht nach wie vor nicht fest. „Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus“, hatte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) gesagt. Wenige Stunden nach dem Zusammensturz des Gründerzeithauses war nach Polizeiangaben ein Gasleck gefunden worden. Aktuell arbeiten die Stadtwerke daran, die umliegenden Häuser wieder mit Gas zu versorgen, wie der Polizeisprecher betonte. Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen. Das eingestürzte Gründerzeithaus stand in der James-von-Moltke-Straße in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Einsturz weiträumig evakuiert und abgesperrt.