FAZ 25.03.2026
15:58 Uhr

Nach der Wahl in Dänemark: Jetzt kommt es auf das „Comeback Kid“ Rasmussen an


Die regierenden Sozialdemokraten und die rechtsliberale Partei Venstre erzielen bei der Wahl in Dänemark herbe Verluste. Die Moderaten von Lars Løkke Rasmussen werden nun zum Königsmacher.

Nach der Wahl in Dänemark: Jetzt kommt es auf das „Comeback Kid“ Rasmussen an

Lars Løkke Rasmussen gilt als das „Comeback Kid“ der dänischen Politik. Früh machte er Karriere in der rechtsliberalen Partei Venstre, bekleidete verschiedene Ministerposten, wurde abgewählt, kam zurück als Ministerpräsident, wurde wieder abgewählt, gründete die zentristische Partei der Moderaten, wurde Außenminister. Doch unter Mette Frederiksen schwand der Zuspruch für seine Partei massiv. Erst die Grönlandkrise brachte die Wende. Da trat Rasmussen in seiner etwas hemdsärmeligen Weise klar den amerikanischen Forderungen entgegen. Im Wahlkampf kokettierte er mit seinen Eigenheiten, gab etwa an, sich zuweilen mit Seife die Zähne zu putzen, wenn keine Zahncreme zur Hand sei. Einer seiner früheren Berater sagte dazu, Rasmussen glaube, die Dänen seien verrückt nach ihm, wenn er in einer Mischung aus Winston Churchill und Tollpatsch auftrete. Keine absolute Mehrheit für den linken Block Es zahlte sich aus: Bei der Parlamentswahl am Dienstag erlitten die Moderaten gegenüber 2022 nur leichte Verluste und kamen auf 7,7 Prozent. Weder der linke „rote“, noch der rechtskonservative „blaue“ Block im Parlament konnte eine absolute Mehrheit erzielen. Was die Mandate angeht, steht es 84 zu 77. Auf die 14 Mandate der Moderaten wird es also bei einer Regierungsbildung ankommen. Rasmussens Partei dürfte zum „Königsmacher“ werden. Dem Parteivorsitzenden kamen am Wahlabend, als erste Prognosen veröffentlicht wurden, vor Freude die Tränen. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warb noch in der Wahlnacht um ihn. Ihre Sozialdemokraten wurden mit rund 22 Prozent wieder stärkste Kraft, erlitten jedoch deutliche Verluste und erzielten das schlechteste Ergebnis seit 1903. Frederiksen selbst wurde zwar in ihrem Wahlkreis in Nordjütland wieder stärkste Kraft, erhielt jedoch rund ein Drittel weniger Stimmen als 2022. Zwölf Parteien ziehen ins Parlament ein Frederiksen sagte dazu, sie hätte sich natürlich mehr Stimmen für die Sozialdemokraten gewünscht, doch das Ergebnis sei „okay“, Verluste seien erwartet worden. „Es ist anstrengend, Verantwortung zu übernehmen, und wir haben viele Entscheidungen getroffen, über die die Dänen mal mehr, mal weniger glücklich waren.“ Nun gelte es, darum zu kämpfen, so viel sozialdemokratische Politik wie möglich durchzusetzen. Am Mittwoch sagte sie in der Runde der Spitzenkandidaten, sie strebe ein Linksbündnis zusammen mit den Moderaten an. Doch eine Regierungsbildung dürfte kompliziert und langwierig werden. Insgesamt zwölf Parteien gelang der Einzug ins Parlament. Mehrere haben, was mögliche Koalitionen angeht, „rote Linien“ gezogen. So sagte der Vorsitzende der bisher mitregierenden Venstre, Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, seine Partei werde nicht wieder unter Frederiksen Teil einer Koalition. Venstre erzielte das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Partei und kam nur noch auf rund zehn Prozent. Verteidigungsminister Poulsen profitiert nicht Poulsen konnte, obwohl Verteidigungsminister, nicht infolge der Grönlandkrise an Popularität zulegen. Am Mittwoch warf er Frederiksen bei der Debatte der Parteiführer wütend vor, die Regierung „in die Luft gejagt“ zu haben, indem sie Neuwahlen ausgerufen hatte. „Ich trage keine Verantwortung dafür, dass wir in diesem Sumpf gelandet sind“, so Poulsen. Auch er warb um Rasmussen, schlug eine „blaue Mitte-Regierung“ vor und strebte am Mittwoch zunächst an, von den anderen Parteien des „blauen“ Blocks als „königlicher Untersuchungsbeauftragter“ ernannt zu werden. Das ist der Verhandlungsführer für die Sondierungen, den die Parteien mehrheitlich bestimmen. Dieser kann, muss aber nicht später auch Ministerpräsident werden. Allerdings strebten zunächst auch Rasmussen und Frederiksen diese Rolle an. Wobei Frederiksen aufgrund der Unterstützung der „roten“ Parteien die größten Chancen hat, sie zu übernehmen. Rasmussen ruft Parteien zur Zusammenarbeit auf Dass Rasmussen am Ende Ministerpräsident wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Doch dürfte er als derjenige, auf den es nun ankommt, versuchen, seiner Partei in einer neuen Regierung großen Einfluss zu verschaffen. Am Tag nach der Wahl warb er für eine abermalige Regierung der Mitte und sagte in Richtung von Poulsen und Frederiksen, diese sollten „von den Bäumen herunterklettern“. „Wir sollen nicht rot sein. Wir sollen nicht blau sein. Wir sollen zusammenarbeiten“, so Rasmussen. Doch steht dem Poulsens Ansage entgegen, entweder in eine „blaue“ Koalition einzutreten oder in die Opposition zu gehen. Auch der „blaue“ Block bräuchte für eine absolute Mehrheit die Moderaten. Zu dem Parteienlager gehören die Rechtspopulisten, die gestärkt aus der Wahl hervorgehen. Die Dänische Volkspartei holte 9,1 Prozent, das sind 6,5 Prozentpunkte mehr als 2022. „Lars, lass uns die Hände reichen“, sagte der Vorsitzende der Dänischen Volkspartei, Morten Messerschmidt, am Mittwoch in Richtung Rasmussen und schlug ihm vor, ihre beiden Parteien sollten ein „blaues“ Bündnis stützen, das Poulsen dann anführe. Doch Rasmussen lehnte ab. Dänemark brauche keine Regierung, die sich aus Partnerschaften mit der ganzen Welt zurückziehe, sondern das Land brauche es, „dass verantwortungsbewusste Parteien auf beiden Seiten der Mitte zusammenfinden“, so Rasmussen. Bis zu einer Regierungsbildung in Dänemark dürfte es noch ein weiter Weg sein.