FAZ 07.09.2026
15:34 Uhr

Nach Sachsen-Anhalt: Nur der Gewinn zählt


Ob irgendwo auf der Welt Minderheitenrechte eingeschränkt zu werden drohen, interessiert die Anleger nicht. Der Zynismus ist Teil der Börse.

Nach Sachsen-Anhalt: Nur der Gewinn zählt

Ein Ministerpräsident Ulrich Siegmund kann die Aktienmärkte nicht schocken. Auch nicht eine monatelange politische Hängepartie in Sachsen-Anhalt. Selbst ein Rücktritt des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) dürfte die Aktienmärkte nicht länger aus dem Tritt bringen. Dass politische Ereignisse den Kapitalmärkten aber nicht egal sind, hat das Beispiel Frankreich gezeigt, als mehrere Regierungswechsel in schneller Folge, Vakanzen und Minderheitsregierungen das Misstrauen an den Anleihemärkten merklich erhöht haben. Hier entsteht ein direkterer Bezug. Staaten sind Schuldner und die Gläubiger werden nervös, wenn der Schuldner sich bedenklich verhält. Die deutsche Ratingagentur Scope hat am Montag die Bestnote für den Schuldner Sachsen-Anhalt bekräftigt. Das Bundesland gehört zu den zwölf Nehmerländern im Länderfinanzausgleich und würde bei zusätzlicher finanzieller Schwäche eben mehr als die bisher rund zwei Milliarden Euro im Jahr erhalten. Es besteht keine Gefahr im Verzug. Und die Aktienmärkte haben ohnehin eine globale Brille auf. Und eine rein marktwirtschaftliche. Am Ende zählt, wie profitabel Unternehmen wirtschaften. Ob dabei irgendwo auf der Welt Minderheitenrechte auf der Strecke zu bleiben drohen, ist allenfalls die dritte Ableitung. Das ist mitunter zynisch, aber das Kapital lässt sich schwer erziehen.