FAZ 02.10.2026
13:37 Uhr

Nach Elf Jahren: Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin tritt zurück


Der Weinbauer aus dem Waadtland gibt sein Amt zum Jahresende ab. Greift der europafreundliche Sozialdemokrat Beat Jans nun nach dem Wirtschaftsressort?

Nach Elf Jahren: Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin tritt zurück

Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin tritt zum Ende dieses Jahres zurück. Dies gab der Politiker der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) am Freitag bekannt. Es sei Zeit für junge und frische Kräfte in der Regierung, vor allem in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten, sagte der 66 Jahre alte Politiker in einer Pressekonferenz. Parmelin gehört dem Bundesrat, wie die Mehrparteien-Regierung in Bern heißt, seit elf Jahren an. In den ersten drei Jahren war er Verteidigungsminister; danach übernahm er das Wirtschaftsressort. Der Weinbauer aus dem französischsprachigen Waadtland galt lange als schwächstes Mitglied der Regierung. Bis heute unvergessen ist seine Antwort, als er vor seiner Wahl in den Bundesrat nach seinen Fremdsprachenkenntnissen gefragt wurde: „I can English understand, but je préfère repondre en français.“ Aber im Laufe der Jahre kam er nicht nur immer besser mit der deutschen und englischen Sprache zurecht, sondern wuchs auch mit den Aufgaben in seinem Amt. Zahlreiche Freihandelsabkommen abgeschlossen Das war insofern besonders schwierig, als er mit zuständig dafür war, das zerrüttete Verhältnis der Schweiz zur EU zu kitten – und das ausgerechnet als Vertreter einer Partei, die jegliche Annäherung an Brüssel strikt ablehnt. In dem auf Konsens gepolten Bundesrat hat Parmelin dazu beigetragen, zwischen Linken und Gewerkschaften auf der einen und den Wirtschaftsverbänden auf der anderen Seite einen Kompromiss zu finden, der den Abschluss des auf dem Tisch liegenden neuen Vertragswerks mit der EU erst möglich macht. Die alles entscheidende Volksabstimmung über dieses Paket, die frühestens im Juni 2027 stattfindet, wird Parmelin indes nun nur noch aus dem Ruhestand heraus verfolgen. Auf der Habenseite Parmelins steht überdies der Abschluss von Freihandelsabkommen mit Ländern wie Indien, Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam. Das wichtige Abkommen mit dem Mercosur kam allerdings nur dank zusätzlicher Subventionsmillionen für die mächtige Bauernschaft durchs Parlament und muss nun ebenfalls noch eine Abstimmung überstehen. Die größte Schmach erlitt Parmelin, als Donald Trump der Schweiz im Sommer vergangenen Jahres Zölle von 39 Prozent aufdonnerte. Mit Hilfe einer Delegation von Wirtschaftsbossen, die Trump einen Goldbarren und eine Rolex-Uhr zu Füßen legten, kam man im Herbst wieder von dieser horrenden Höhe herunter. Die Mitglieder des Bundesrats bleiben in der Regel so lange im Amt, wie sie selbst wollen. Parmelins Rücktritt war allgemein erwartet worden, zum einen wegen seiner langen Amtszeit, zum anderen, weil er zuletzt mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen. Gewählt wird das neue Regierungsmitglied im Dezember vom Parlament auf Vorschlag der SVP, die als wählerstärkste Partei zwei der sieben Bundesräte stellen darf. Die Nachfolge Parmelins übernimmt nicht automatisch das Wirtschaftsministerium. Vielmehr kann ein bereits amtierendes Regierungsmitglied gegenüber den Kollegen den Wunsch anmelden, das Ressort zu wechseln. In Bern wird spekuliert, dass der europafreundliche Justizminister Beat Jans diese Gelegenheit nutzen könnte. Angeblich möchte der gebürtige Basler gerne Wirtschaftsminister werden. Er wäre der erste Sozialdemokrat in diesem Amt.