Hailey Bieber Hailey Bieber hat sich für ihr Outfit von französischen Künstlern inspirieren lassen. Rock und Stola in kräftigem Yves-Klein-Blau, das Oberteil eine Hommage an einen berühmten Entwurf von Yves Saint Laurent. 1969 hatte der Designer gemeinsam mit der Bildhauerin Claude Lalanne ein ganz ähnliches Kleid entworfen. Lalanne fertigte das Oberteil als Kupferabdruck der Modelbrust – Mode vereinte sich also mit Kunsthandwerk und setzte den Haute-Couture-Roben der Konkurrenz etwas radikal Neues entgegen. Vor allem aber war Saint Laurents Entwurf eine Feier des natürlichen weiblichen Körpers gelungen, den er zugleich verdeckte und entblößte. Das sorgte für Aufsehen, weil die Brust sich im Kupferabguss – ganz im Zeitgeist der späten Sechzigerjahre – weder gestützt noch modelliert zeigte. Heute sieht das anders aus, da hat das Oberteil eher die Anmutung eines Panzers, der schützen und stützen soll, ähnelt dabei den ikonischen Lederkorsetts von Marina Hoermanseder. Auf dem roten Teppich der Met Gala sahen die Brüste also eher aus, als hätte Jean Paul Gaultier die spitzen Formen erdacht. Auch das mag Ausdruck des Zeitgeistes sein, wenn man nur an die Zahl der Schönheitsoperationen denkt. (marw.) A$AP Rocky Kann Pastellrosa solidarisch sein? Vor den Türen der Met Gala tragen die Demonstranten Protestmode gegen Hauptsponsor Jeff Bezos im Speziellen und die Trump-Regierung im Allgemeinen. Da erscheint auf den Stufen des Metropolitan Museums Rapper A$AP Rocky in einem Zartrosa-Etwas mit breitem Gürtel, Federbesatz und langen Fransen von Chanel: Ist es ein Morgenmantel? Ist es ein Gehrock, wie ihn französische Adelige in vorrevolutionären Zeiten trugen? Und vor allem die Farbe: Ein solches Pastellrosa geriet im Dezember vergangenen Jahres in den Vereinigten Staaten im MAGA-Lager in Verruf. Der amerikanische Ausstatter J.Crew hatte unerhörterweise einen Weihnachtspullover in Pastellrosa aufgelegt. Für Männer, die somit nur weiter feminisiert werden würden, so der Vorwurf. A$AP Rocky ist offenbar gerne dabei – und trägt zum rosafarbenen Mantel glitzernde Hängeohrringe und einen Cocktailring. (jwi.) Eileen Gu Dass sich jeder gerne in seiner eigenen Blase bewegt, ist nichts Neues. Die dreimalige Olympiasiegerin Eileen Gu geht da einen Schritt weiter: Sie bewegt sich bei der Met Gala in ihren eigenen Blasen. 2550 Stunden Arbeit steckten in dem Kleid der niederländischen Designerin Iris van Herpen, sagte der amerikanische Freestyle-Skistar, der seit 2019 für China startet. Der Entwurf spiele mit unseren Vorstellungen von Wirklichkeit, indem er zwei Eigenschaften von Seifenblasen aufgreife: dass sie flüchtig und dass sie ungreifbar sind. Stoff zum Nachdenken also. Die nötige Beständigkeit übernehmen Tausende schillernde Glaskugeln, aus denen das Kleid besteht. Verborgen darunter ist ein Minimechanismus, der Gu auf dem roten Teppich in eine munter aufsteigende Wolke aus Seifenblasen hüllt – eine luftige Mischung aus Surrealismus und Realismus, ein skurriles Spiel mit Zeit und Bewegung. Und mit diesem Spiel kennt sich die erfolgreichste Freestyle-Skifahrerin der Welt, zuletzt auch in Livigno mit Olympiagold ausgezeichnet, so gut aus wie niemand sonst. (nle.) Kendall Jenner Viel Häme hat Kendall Jenner für dieses Kleid bekommen. „Langweilig“, finden die Reddit-Nutzer. „Sieht kein bisschen aus wie das Original!“ Und es stimmt natürlich, dass die Kardashian-Schwester sehr weit entfernt ist von der mehr als 2200 Jahre alten Nike von Samothrake, die im Louvre steht. Dafür hat es Designer Zac Posen ziemlich gut geschafft, die Vorstellung einer antiken griechischen Statue in ein amerikanisches Outfit der Gegenwart zu übersetzen: eng anliegend, stretchy und ein kleines bisschen obszön. Denn die eine Brust von Jenner würde raushängen – wäre da nicht die Kardashian-typische Nipple-Shapewear. Noch so ein Punkt, über den sich die Reddit-Nutzer dutzendfach aufregten, denn die Originalstatue hat vollkommen bedeckte Brüste. Billig und unnötig sei das Jenner-Outfit also. Eine Nutzerin schrieb: „Sieht aus wie die Prothese, die meine Mom nach ihrer Brustamputation getragen hat.“ Dem ist schwer zu widersprechen. Dabei konnte Jenners Kleid ziemlich spektakulär aussehen. Das mit Tee gefärbte Viskose-Baumwoll-Teil hatte nämlich ein verstecktes Feature: riesige Flügel. Die breitete Jenner nur leider erst nach ihrem Auftritt auf dem roten Teppich aus. Wie schade! Wieso erst dann? (eis.) Sabrina Carpenter Schon beim Coachella-Festival hatte sich alles um Hollywood gedreht: Nun ging Sabrina Carpenter als lebende Filmrolle, gehüllt in Streifen des Klassikers „Sabrina“ von 1954, mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle. „Es ist Film. Es ist alles Film, und das ist mein Traum“, sagte Carpenter dazu. „Sabrina“ sei einer ihrer Lieblingsfilme. Designer Jonathan Anderson hatte die Sängerin in den Dior-Look aus Filmstreifen gesteckt, dazu trug sie einen glitzernden Kopfschmuck, der den Old-Hollywood-Look noch betonte. Auch ihre Coachella-Bühnenkostüme, ebenfalls von Anderson entworfen, spielten mit dem Thema Hollywood: In einem langen Mantel, darunter ein ultrakurzes rotes Kleid, lief Carpenter auf der Bühne ihren persönlichen Walk of Fame herunter – aufleuchtende Sterne inklusive. Auf dem Teppich der Met Gala erklärte sie noch lächelnd, sie freue sich auf die Performance, die sei immer gut. In diesem Jahr, so stellte es sich dann heraus, besonders gut: Sabrina Carpenter performte. (jdhz.) Max und Nina Hollein Die schwierigste Aufgabe, den richtigen Look für sich zu finden, hatte zweifellos Max Hollein. Der Direktor des Metropolitan Museum of Art muss als Gastgeber natürlich seriös erscheinen. Die einfachste Lösung für einen gestandenen Mann von 56 Jahren: Man zieht einen schwarzen Smoking an. So hat er es gehalten, seitdem er 2018 zum Chef des größten amerikanischen Kunstmuseums ernannt wurde. Wahlweise trug er dazu eine schwarze oder weiße Fliege, wobei Weiß allerdings zu sehr an einen Frack erinnert, wie er auf dem Opernball in seiner Heimatstadt Wien getragen wird. Also wertete der CEO des Museums seinen Smoking mit einem ganz besonderen Accessoire auf: einem originalen Halsketten-Mobile des amerikanischen Künstlers Alexander Calder aus dem Jahr 1940. Das kleine Kunstwerk schwebte um seine Schultern, als wäre es die fliegende Amtskette eines Oberbürgermeisters. Wir tippen, dass seine Frau Nina Hollein ihn dazu ermuntert hat, denn als Modemacherin hat sie einen Blick für Effekte. Man sieht es an ihrem Kleid, das sie selbst entworfen hat: Es ist inspiriert von Wladimir Tatlins geplantem Denkmal für die „Dritte Internationale“ von 1920. Und ja, das fragile Konstrukt ist wirklich aus Vinyl, Stahlstäben und Draht gefertigt. Da ist Vorsicht geboten. Auf Instagram bedankt sich Nina Hollein daher bei ihrem Mann, „der mir den ganzen glamourösen Abend über Halt gab“. (kai.) Laufey Für ihre sanfte Stimme und jazzige Popsongs ist sie bekannt. Doch auch modisch zeigt Laufey immer wieder ihr gutes Gespür. Die Sängerin, Tochter einer Chinesin und eines Isländers, trug ein maßgeschneidertes Kleid von Tory Burch, das an ein Cello erinnert, dazu ein farblich passendes Beuteltäschchen. Komplettiert wurde der Look mit Fingernägeln, manikürt von Yoko Sakakura, der japanischstämmigen Nagelkünstlerin, mit der sich die Siebenundzwanzigjährige schon bei ihrem jüngsten Musikvideo zu „Madwoman“ zusammengetan hatte. Auch wegen seiner hochkarätigen Besetzung hatte der Clip für viele entzückte Reaktionen gesorgt: „Heated Rivalry“-Star Hudson Williams trat darin auf, Eiskunstläuferin Alysa Liu, die schon zu dem Lied „Promise“ von Laufey übers Eis getanzt war, Schauspielerin Lola Tung und Sängerkollegin Megan Skiendiel – alle mit asiatischen Wurzeln. Als das Magazin „The New Yorker“ Laufey auf dem roten Teppich nach Ratschlägen für junge asiatische Künstler fragte, sagte die Sängerin: „Asiaten können in allen Kunstformen existieren und dabei revolutionär sein. Lasst euch aufgrund eurer Herkunft nicht diktieren, wozu ihr imstande seid!“ Als sie in Island aufwuchs, sei sie oft die einzige Asiatin gewesen. Nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten habe sie erlebt, was für ein schönes Gefühl von Gemeinschaft zwischen Asiaten entstehen könne. „Alle, die ich bisher hier gesehen und begrüßt habe, sind Asiaten. Vernetzt euch untereinander!“ (joch.)
