FAZ 15.09.2026
16:37 Uhr

Mitmachmuseum: „Experiminta“ will sich in Höchst neu erfinden


Die „Experiminta“ findet ihr neues Zuhause im einstigen Finanzamt Höchst. Im Herbst 2027 will das Mitmachmuseum dort neu eröffnen.

Mitmachmuseum: „Experiminta“ will sich in Höchst neu erfinden

Nach mehr als einem Jahr endet für die Frankfurter „Experiminta“ die Suche nach einem neuen Standort. Das Mitmachmuseum zieht in das ehemalige Finanzamt im Stadtteil Höchst. Die Eröffnung ist für Herbst 2027 geplant. Zusätzlich steigt die finanzielle Förderung der Stadt. Andrea Gassmann, Geschäftsführerin der „Experiminta“, dankte der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Gemeinsam sei es gelungen, eine tragfähige Lösung für die Zukunft der „Experiminta“ zu finden. Bisher ist das auf Naturwissenschaften und Technik spezialisierte Museum an der Hamburger Allee in Bockenheim untergebracht. Das Gebäude gehört dem Land Hessen, ist aber wegen Feuchtigkeitsschäden in den Untergeschossen nicht mehr dauerhaft nutzbar. Eine Sanierung gilt als unwirtschaftlich, das Land will das Gebäude „aufgeben“. Es kündigte im Juni 2025 den Mietvertrag, Ende 2026 sollte das Mitmachmuseum ausziehen. „Schnell war klar, dass wir gemeinsam nach einem neuen Standort suchen“, sagte Gassmann. Denn ein bezahlbares, gut erreichbares und ausreichend großes Gebäude sei in Frankfurt schwer zu finden. „Wir haben sehr intensiv das Portfolio der Landesimmobilien geprüft“, sagte Finanzstaatssekretär Till Kaesbach. Anfang des Jahres sei das ehemalige Finanzamt in Höchst bei der Standortsuche in den Fokus geraten. Das dreistöckige Gebäude in der Hospitalstraße wurde 1935 errichtet und steht seit 2024 leer. Damit es als Museum genutzt werden kann, wird es für zwei Millionen Euro vom Land Hessen umgebaut. Zwischenwände werden eingerissen, Bodenbeläge ausgetauscht und LED-Leuchten installiert. Außerdem wird ein Fahrstuhl eingebaut und die Brandmeldeanlage erneuert. Stadt und Land machen Umzug möglich Im neuen Gebäude, das die „Experiminta“ für zwanzig Jahre mietet, stehen  2700 Quadratmeter zur Verfügung, das sind 50 weniger als bisher. Die Miete steigt auf 240.000 Euro im Jahr. Darin enthalten ist ein Mietzuschlag, mit dem die Umbaukosten refinanziert werden. Gleichzeitig reduziert das Land aber die Miete um 114.000 Euro im Jahr auf den schon genannten Betrag, um das Museum zu unterstützen. „Wenn Hessen eine gute wirtschaftliche Zukunft haben will, brauchen wir diese Orte“, sagte Kaesbach. Experiminta-Geschäftsführerin Gassmann dankte dem Land für die Unterstützung: „Dieses Haus auf dem freien Markt zu mieten, wäre nicht möglich.“ Auch die Stadt unterstützt das Museum, das etwa 125.000 Besucher im Jahr zählt, und fördert den Bildungsort künftig mit 173.000 Euro statt bislang 133.000 Euro im Jahr. Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sagte: „Die Experiminta ist eine wichtige außerschulische Bildungseinrichtung.“ Hier werde spielerisch experimentiert, ausprobiert und gelernt. Zum Umzug aus der Frankfurter Innenstadt nach Höchst sagte Weber: „Die Experiminta zieht von einer stadtnahen Lage in eine andere stadtnahe Lage.“ Sie sehe darin keinen Nachteil. Ganz im Gegenteil: „Wir erweitern das Museumsufer in den Westen.“ Experiminta-Geschäftsführerin Gassmann sagte: „Mit Frankfurt-Höchst haben wir jetzt eine langfristige Perspektive und die notwendige Standortsicherheit für die kommenden Jahre.“ Das sei für das Team und die Besucher eine großartige Nachricht. In dem neuen Standort sieht Gassmann eine Chance. „Wir ziehen nicht nur von A nach B um“, sagte sie. Der Umzug sei eine gute Gelegenheit, sich neu zu erfinden. Bewährtes will Gassmann erhalten, aber auch Neues entwickeln. Die neue Ausstellung wird parallel zum laufenden Betrieb geplant. Bis das neue Gebäude umgebaut und bezogen ist, bleibt die „Experiminta“ weiter geöffnet. Sofern sich der Zustand des Gebäudes an der Hamburger Allee nicht wesentlich verschlechtert, kann das Mitmachmuseum auch über das ursprüngliche Kündigungsdatum Ende 2026 hinaus bis zum Umzug dort bleiben.