Bei einem Angriff der myanmarischen Luftwaffe auf einen Markt und eine Brücke sind im Westen des Landes mindestens 50 Menschen getötet und 58 weitere verletzt worden. Wie myanmarische Exilmedien berichteten, war es der schwerste Angriff im Bundesstaat Rakhine seit der Intensivierung der Kämpfe vor rund drei Jahren. Betroffen waren demnach der zentrale „Indian Market“ sowie die Kissapanadi-Brücke in der Stadt Kyauktaw. Den Angaben nach hatte sich der Angriff am Montagmittag ereignet. Unter den Toten sollen in erster Linie Passanten, Kunden und Marktverkäufer sein. Die Stadt wird wie weitere Gebiete Rakhines von der Arakan Army (AA) kontrolliert, einer von zahlreichen bewaffneten ethnischen Organisationen, die seit dem Putsch im Februar 2021 gegen die Streitkräfte des Militärregimes kämpfen. Die AA warf dem Regime vor, bei dem Luftangriff gezielt Zivilisten angegriffen zu haben. Sie kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. Auf ihrem Telegram-Kanal verbreitete die AA Fotos zahlreicher Todesopfer, verbrannter Hütten und Marktstände. Humanitäre Helfer warnten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte, da noch Menschen unter Trümmern begraben seien. Den Berichten der Exilmedien zufolge haben die Regimestreitkräfte Anfang September eine Offensive gestartet, um Teile Rakhines zurückzuerobern. In den vergangenen Monaten waren die Widerstandskräfte in einigen Landesteilen den Regimestreitkräften gegenüber ins Hintertreffen geraten. Mehr als vier Millionen Vertriebene in Myanmar Offenbar tut sich das Regime aber schwer damit, seine Angriffe in Rakhine in Landgewinne umzumünzen. Wie zuvor auch in anderen Regionen setzt es deshalb nun offenbar verstärkt auf Bombenangriffe aus der Luft. Dabei werden auch zivile Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Märkte und Wohngebiete zum Ziel der Attacken. Das Militär unter dem heutigen Präsidenten Min Aung Hlaing hatte 2021 die Macht an sich gerissen und die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi festgenommen. Seitdem sitzt die Friedensnobelpreisträgerin in Haft. Den Angaben der in den USA ansässigen Organisation „Armed Conflict Location and Event Data“ zufolge sind in dem Bürgerkrieg in Myanmar seither mehr als 100.000 Menschen getötet worden. Mehr als vier Millionen Menschen wurden laut UN von ihren Wohnorten vertrieben, darunter knapp eine halbe Million in Rakhine. Mehr als 16 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Myanmar darf nicht in Vergessenheit geraten“, hatte das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten jüngst aus Anlass der UN-Generalversammlung in New York gewarnt.
