Es war die zweite „Krisensitzung“ des sogenannten Mekka-Pakts innerhalb weniger Tage. Saudi-Arabien rief am Montagabend die Außen- und Verteidigungsminister sowie die Generalstabschefs seiner Bündnispartner Pakistan und Türkei zusammen. Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch die jemenitischen Huthi-Rebellen galt es für Riad, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und zu zeigen, dass es nicht allein dasteht. Nach dem Treffen riefen die drei Länder gewissermaßen den Bündnisfall aus. Die Türkei und Pakistan sagten zu, „die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die vereinbarten militärischen Kräfte und Fähigkeiten bereitzustellen und deren schnelle Entsendung ins Königreich sicherzustellen“. Um wie viele Soldaten und um welches militärische Gerät es geht, wurde allerdings nicht mitgeteilt. Es folgte außerdem ein Nebensatz, der aus türkischer Sicht aufschiebende Wirkung haben dürfte: Die Maßnahmen würden „im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung“ der Bündnispartner getroffen. Das türkische Parlament muss das im August unterzeichnete Abkommen erst noch ratifizieren. Für eine Entsendung von Truppen ins Ausland benötigt die Regierung außerdem die Zustimmung des Parlaments. Die Mehrheit dafür hat die Regierung, doch an einer öffentlichen Debatte über einen Kriegseinsatz im fernen Jemen dürfte sie kein Interesse haben. Der Verteidigungspakt ist gerade einmal zwei Monate alt und steht schon vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Pakistan hat schon Truppen in Saudi-Arabien Pakistan hat laut eines Berichts der Nachrichtenagentur Reuters bereits 30.000 bis 40.000 Soldaten in Saudi-Arabien stationiert. Ein pakistanischer Funktionär sagte der Agentur, die Truppen seien seit dem vergangenen Jahr verlegt worden. Damals hatte Pakistan bereits ein bilaterales Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien geschlossen, das dann um die Türkei erweitert wurde. Die Aufgabe der Truppen bestehe darin, das saudische Territorium gegen Drohnen, Raketen und Bedrohungen an den Grenzen zu verteidigen. Laut dem Reuters-Bericht schickte Pakistan im vergangenen Monat außerdem vier Frachtflugzeuge mit Luftverteidigungsanlagen, Drohnen, Anti-Drohnen-Systemen und Artillerie in die jemenitische Hafenstadt Aden. Dort hat die international anerkannte und von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung ihren Sitz. Der jemenitische Präsidialratsvorsitzende Rashad al-Alimi kündigte am Sonntag den Beginn einer umfassenden Militäroperation zur Rückeroberung aller von den Huthi eingenommenen Gebiete an, nachdem die Rebellen zunehmend saudische Ölexporte bedroht haben. Die Huthi haben zudem mehrfach Ölanlagen in Saudi-Arabien angegriffen, zuletzt am Samstag eine Anlage des staatlichen Konzerns Aramco. Reuters berichtet zudem unter Berufung auf mehrere Quellen in der Region, dass pakistanische Militärberater gemeinsam mit saudischen Partnern im Jemen aktiv seien, um die Regierungskräfte zu unterstützen. An Kampfhandlungen seien sie jedoch nicht direkt beteiligt. Ankara setzt bislang auf Zurückhaltung Pakistan ist in hohem Maße von Saudi-Arabien als Geldgeber abhängig. Seit Jahrzehnten hat es immer wieder Soldaten dorthin entsandt. Mit einer Beteiligung an der Militäroffensive gegen die schiitischen, mit Iran verbündeten Huthi würde Pakistan riskieren, dass die Spannungen zwischen der sunnitischen Mehrheitsgesellschaft und der schiitischen Minderheit im eigenen Land angeheizt werden könnten. Zudem steht seine Vermittlerrolle im Irankrieg auf dem Spiel, durch die das Land international Prestige erworben hat. Die Angriffe der Huthi auf saudische Ölanlagen spielen Teheran in die Hände, denn Iran setzt darauf, die Vereinigten Staaten mit hohen Ölpreisen unter Druck zu setzen. Iran zeigte sich irritiert über den Reuters-Bericht. Man hoffe, es handle sich „nur um Gerüchte“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghaei. Er hielt sich jedoch mit Kritik am Mekka-Pakt zurück. Für die Türkei wäre schon eine Truppenentsendung nach Saudi-Arabien heikel, von Jemen ganz zu schweigen. Bislang hat Ankara alles darangesetzt, eine Ausweitung des Irankriegs zu vermeiden. Selbst als die Türkei von Iran mit Raketen beschossen wurde, reagierte Ankara zurückhaltend. Die Huthi drohen Ankara damit, im Falle einer direkten Beteiligung türkische Schiffe im Roten Meer anzugreifen. Die sichere Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab ist für Ankara von erheblicher strategischer Bedeutung wegen seines militärischen und wirtschaftlichen Engagement am Horn von Afrika, insbesondere in Somalia. Keine militärische Hilfe aus den USA Entsprechend zurückhaltend äußerte sich Außenminister Hakan Fidan nach dem Treffen in Riad: Es sei unter anderem darum gegangen, was getan werden könne, um den Konflikt durch Dialog zu lösen. Laut dem Reuters-Bericht kommen im Jemen türkische Drohnen zum Einsatz, die Saudi-Arabien in der Vergangenheit gekauft hat. Die türkische Rüstungsindustrie ist bekannt dafür, deutlich weniger Bedingungen an den Einsatz ihrer Waffen zu knüpfen als westliche Staaten. Ankara hat großes Interesse daran, seine Rüstungspartnerschaft mit Saudi-Arabien auszubauen – auch um ein noch stärkeres Wachstum der eigenen Verteidigungsindustrie zu finanzieren. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio erklärte am Montag, Saudi-Arabien und die jemenitische Regierung hätten „das Recht, sich zu verteidigen“, Unterstützung aus Washington, einem der engsten Verbündeten Saudi-Arabiens, kommt lediglich durch die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen.
