FAZ 29.03.2026
07:51 Uhr

Mainzer Paul Nebel: „Er ist wieder auf Topniveau, zum richtigen Zeitpunkt“


Angreifer Paul Nebel erweist sich bei Mainz 05 rechtzeitig als entscheidender Faktor im Kampf gegen den Abstieg. Verlässt er den Klub danach Richtung Frankfurt?

Mainzer Paul Nebel: „Er ist wieder auf Topniveau, zum richtigen Zeitpunkt“

Im September vorigen Jahres weilte Paul Nebel im Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Zwar kam der Fußballprofi des FSV Mainz 05 in den WM-Qualifikationsspielen gegen die Slowakei und Nordirland nicht zum Einsatz, doch schon die Tatsache, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn erstmals eingeladen hatte, weckte Hoffnung, auch im Sommer 2026 dem Kader anzugehören, der um den Weltmeistertitel spielen will. Heute befindet sich dieses Ziel in weiter Ferne. Als Nebel am vorigen Sonntag, nach dem Mainzer 2:1-Sieg über Eintracht Frankfurt, bei dem er zwei Tore erzielt hatte, nach seinen Nationalelfambitionen gefragt wurde, antwortete er zurückhaltend-realistisch: „Mir ist bewusst, dass ich meine Leistung erst mal wieder über einen längeren Zeitraum bringen muss, um vielleicht wieder ein Thema zu werden.“ Im Herbst war seine Berufung eine Anerkennung dessen, was der gebürtige Bad Nauheimer in der vorigen Saison geleistet hatte. Nach zwei Leihjahren in Liga zwei beim Karlsruher SC brauchte er zwar eine Weile, um Trainer Bo Henriksen zu überzeugen, ihn als Halbstürmer zu betrachten und nicht auf die Außenbahn zu stellen. Danach aber stand er durchgehend in der Anfangsformation, mit zehn Toren und sechs Torvorlagen hatte er enormen Anteil daran, dass sich die Mainzer für die Conference League qualifizierten. Obendrein war er einer der wichtigsten Protagonisten der deutschen U-21-Auswahl, die in der Slowakei erst im Finale der EM unterlag. Paul Nebel und die verkorkste Hinrunde bei Mainz 05 Mit Beginn der laufenden Spielzeit jedoch fiel der Dreiundzwanzigjährige in ein tiefes Loch – in dem er auf fast alle seine Mainzer Mannschaftskameraden traf. In der verkorksten Hinrunde der ihrer Struktur verlustig gegangenen Rheinhessen gehörte er zwar weiterhin zum Stammpersonal, machte aber vor allem durch zwei Rote Karten auf sich aufmerksam, die ihm zusammen vier Spiele Sperre einbrachten. Und als der Mitte Dezember als Nachfolger des entlassenen Henriksen gekommene Urs Fischer das System hin zu einem 5-3-2 änderte und Nadiem Amiri von der Doppelsechs auf eine Achterposition stellte, fand sich Nebel nur noch auf der Bank wieder. „Solche Tiefs gehören zum Entwicklungsprozess dazu“, sagt Kapitän Silvan Widmer, „und es ist unglaublich, wie Paul sich herausgekämpft hat.“ In die Karten spielte ihm Amiris Fersenverletzung, und Nebel reagierte so, wie Fischer es erhofft hatte: „Wenn du nicht spielst, kannst du unzufrieden und sauer sein, du musst es sogar sein. Aber wenn du dann deine Chance bekommst, musst du sie nutzen.“ Nebel nutzte sie und startete nach mehreren überschaubaren Kurzeinsätzen nahezu von null auf hundert durch. Seit Ende Februar gehört er nicht nur wieder zur ersten Elf, sondern zu den auffälligsten Akteuren der Rheinhessen. In vier Bundesliga- und den beiden Conference-League-Viertelfinalspielen gegen Sigma Olmütz hat er seither kaum eine Minute verpasst. Drei Tore, darunter der Flugkopfball beim 2:0 in Bremen, und zwei Assists, wie die Ein-Kontakt-Flanke auf Sheraldo Becker beim 1:1 in Leverkusen, sind ihm in dieser Zeit gelungen, zudem stach er ein ums andere Mal als lauffreudigster Mann auf dem Platz hervor, als einer, der nach hinten wie nach vorne arbeitet. Macht es Paul Nebel wie Jonathan Burkardt? „Sehr, sehr beeindruckend“, findet es Sportdirektor Niko Bungert, wie Nebel nach der schwierigen Phase zurückgekommen ist. „Er ist wieder auf Topniveau, und das genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Widmer sagt sogar: Nebel befinde sich in einer noch besseren Verfassung als in seiner herausragenden vorigen Saison. „Wenn das der Capitano sagt, macht mich das stolz“, sagt Nebel. Zudem sagt er, die Medien könnten sich auf seine aktuellen Darbietungen konzentrieren. „Langsam ist es mal gut, immer wieder mit dieser Delle zu kommen. Jetzt bin ich wieder da und froh, dass ich der Mannschaft helfen kann.“ Fischer bescheinigt dem Spieler, immer großen Aufwand zu betreiben und Fortschritte in der Ballkontrolle sowie der Spielfortsetzung gemacht zu haben. „Wir sprechen aber nach wie vor Dinge an, die es zu verbessern gilt.“ Das perfekte Spiel werde es nicht geben – „aber wenn Paul jetzt jedes Mal zwei Tore schießt, sind wir auf dem richtigen Weg“. Wohin der im Sommer führt, ob mit den Mainzern ins Trainingslager nach Tirol oder zu einem anderen Verein, ist offen. Der Vertrag des seit 2016 für die 05er spielenden Hessen gilt noch für die Saison 2026/27, die Eintracht hat bereits ihr Interesse durchblicken lassen, ein Jahr nach Jonathan Burkardt den nächsten Bruchweg-Spieler unter Vertrag zu nehmen. Paul Nebel mag sich dazu nicht äußern. Sein Fokus liege einzig auf dem Kampf um den Klassenverbleib.