Wie erwartet hat sich der Machtkampf um die Führung im Weltfußball zur Schlammschlacht entwickelt. Der Weltverband FIFA klagte in der Nacht zum Sonntag gegen eine angebliche „Schmutzkampagne“, die ihr Präsident, Gianni Infantino, hinnehmen müsse. „Immer deutlicher wird, dass einige Akteure gezielt und fortlaufend versuchen, die FIFA und ihren Präsidenten zu schwächen.“ Die jüngste Berichterstattung habe „unbelegte Behauptungen und nachweislich falsche Aussagen über die FIFA und ihren Präsidenten“ enthalten: „Spekulationen und Andeutungen dürfen nicht als Fakten dargestellt werden, und die Wiederholung einer Anschuldigung macht sie nicht wahr.“ Wer die Akteure sind und um welche Berichterstattung es sich handelt, ging aus dem Schreiben der FIFA nicht hervor. Zuvor hatte die englische Tageszeitung „The Telegraph“ über das Verhalten von Infantino zu seiner Zeit als Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA, von 2009 bis 2016) berichtet. Demnach soll er Einfluss auf die Höhe der Abfindung einer Mitarbeiterin genommen haben. Die UEFA, inzwischen schärfste Gegnerin von Infantino, bestätigte auf dpa-Anfrage, dass der Kontinentalverband einer früheren Angestellten zur Zeit von Infantino eine hohe Abfindung gezahlt und die Gebühren für ein Studium finanziert habe. Demnach habe die Frau Ende 2011 eine mindestens sechsstellige Summe erhalten. „Uns sind die Vorwürfe bekannt, und wir können bestätigen, dass an die betreffende Person eine Abfindungszahlung sowie eine Zahlung für die Gebühren eines MBA-Studiums an einer örtlichen Wirtschaftshochschule geleistet wurden. Diese Zahlung entsprach den seinerzeit für ausscheidende Mitarbeiter geltenden Regelungen“, teilte die UEFA mit. Der Verband wies zugleich darauf hin, dass er derartige Vorschriften seit 2016 verschärft habe. „Die aktuellen Personalrichtlinien entsprechen dem Standard einer modernen, renommierten Organisation.“ Infantino hatte vor seiner Zeit als FIFA-Präsident ab 2016 rund 16 Jahre für die UEFA gearbeitet. Dem „Telegraph“ zufolge sei die Mitarbeiterin damals schnell von einer zunächst administrativen Stelle in eine deutlich besser bezahlte Führungsposition aufgestiegen. Die UEFA denke nun daran, Infantinos Verhalten während seiner gesamten Zeit beim europäischen Dachverband zu durchleuchten, schrieb das Schwesterblatt „Sunday Telegraph“. Die UEFA wollte sich dazu am Sonntag nicht äußern. Infantino wies ein persönliches Interesse an Vorgängen dieser Art zurück: „Jede Andeutung unangemessenen Verhaltens oder eines Verstoßes gegen Statuten oder Vorschriften ist verleumderisch“, hieß es in einer FIFA-Mitteilung. Der Weltverband begrüße eine „kritische Prüfung. Eine solche Prüfung ist jedoch keine Erlaubnis, Fakten zu verdrehen, unbelegte Anschuldigungen zu verstärken oder gezielt Ablenkungsmanöver zu schaffen. Wenn die Berichterstattung unzutreffend oder irreführend ist, wird die FIFA dies unmittelbar und mit Nachdruck zurückweisen.“
