FAZ 08.05.2026
09:07 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Russland und Ukraine werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor


Selenskyj: Nicht mal symbolische Waffenruhe +++ Moskau: Mehr als 50 Drohnen abgefangen +++ Deutsche Diplomaten bleiben trotz russischen Drohungen in Kiew +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Russland und Ukraine werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor

Gedenken während des LuftalarmsDie Ukraine gedenkt heute ihrer Gefallenen.  In einem Dorf, etwa zwei Stunden von Kiew entfernt, beginnt der Morgen mit einem Gedenkgottesdienst am Denkmal zum 2. Weltkrieg. Ein Pope singt, viele der Anwesenden haben Tränen in den Augen. Mitten im Gedenken ertönt die Sirene des Luftalarms. Niemand lässt sich davon beirren, die Veranstaltung geht einfach weiter. Es sind vor allem Frauen gekommen, sie legen Blumen ab.Da heute auch Muttertag in der Ukraine ist, ehrt der Landkreis die Mütter der seit 2022 gefallenen und vermissten Soldaten noch einmal extra. Namentlich werden die Frauen aufgerufen. Sie erhalten Blumen, kleine Geschenke und einen gerahmten Dankesbrief. „Vielen Dank, dass Sie einen Held großgezogen haben“, steht drauf. Es ist ein berührender Moment, fast allen laufen Tränen über die Wangen. 

Selenskyj: 81 Jahre nach Weltkriegsende wieder gezwungen, das Böse zu stoppenZum Jahrestag des Weltkriegsendes vor 81 Jahren hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verteidigung der Ukraine gegen Russland mit dem Kampf gegen die Nationalsozialisten verglichen. Millionen Ukrainer, die damals in verschiedenen Staaten der Anti-Hitler-Koalition gedient hätten, hätten sichergestellt, dass das „absolute Böse“ der Nationalsozialisten besiegt worden sei, schrieb Selenskyj am Freitag auf der Plattform X. „Leider sind wir 81 Jahre später erneut gezwungen, das Böse zu stoppen – ein Böses, das ebenso absolut ist.“ Es beruhe auf einer ähnlichen Ideologie der Feindseligkeit, so der ukrainische Präsident: „Eine aktualisierte Version des Nationalsozialismus, gekennzeichnet mit: ‚Made in Russia'.“Selenskyj erinnerte an die Opfer des Weltkrieges und schrieb, die Verluste des ukrainischen Volkes hätten zu den größten im Zweiten Weltkrieg gehört. „Dieser Krieg verwandelte unser Land in ein Schlachtfeld, geprägt von brutalen Kämpfen, Gräueltaten in den besetzten Gebieten und der massiven Vernichtung von Menschen und Leben.“ Damals hätte sich an das Kriegsende Frieden anschließen sollen, so der ukrainische Präsident. Allen, die gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben, sprach er seine „ewige Dankbarkeit“ aus. Zugleich bedankte er sich bei den heutigen Unterstützern der Ukraine. Es sei eine „absolut würdige Art, das Andenken derer zu ehren, die es Hitler nicht gestattet haben, Europa und die Welt zu unterwerfen.“

Von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe tritt in KraftIm Ukrainekrieg trat am Freitag (00.00 Uhr Ortszeit, Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) eine von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe in Kraft. Nach Angaben des Kremls soll sie bis Samstag gelten. Anlass sind die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Am Samstag findet in Moskau die traditionelle Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland statt. Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen anders als in den vergangenen Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade auffahren. Kiew bezeichnete die von Russland ausgerufene Feuerpause angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine als „blanken Zynismus“. Das Gegenangebot Kiews, am Mittwoch die Waffen ruhen zu lassen, blieb von Moskau unbeantwortet.

Russland: Mehr als 50 Drohnen im Anflug auf Moskau abgefangenDie russische Luftabwehr hat nach Angaben von Moskaus Bürgermeister ‌Sergej Sobjanin mehr als 50 Drohnen im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen. Die Abschüsse erstrecken ‌sich ‌über einen Zeitraum von etwa 15 Stunden bis in die Nacht, teilt Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst ​Telegram mit. Rettungskräfte untersuchen demnach ⁠Trümmerteile am Boden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldet zudem den Abschuss von ​95 ukrainischen Drohnen über zentralen und südlichen Regionen ⁠des Landes.

Wadephul kritisiert Russlands DrohungenMit scharfer Kritik hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf indirekte Drohungen des Kreml gegen diplomatische Vertretungen in Kiew reagiert. Die Drohungen seien „inakzeptabel“, sagte er der „Bild“. Wadephul sprach mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin von einem „Zeichen der Panik, die in Moskau umgeht, weil die Konsequenzen der endlosen Kette schwerster Fehlentscheidungen Putins nicht mehr zu verstecken sind“. Der Krieg gegen die Ukraine sei ein fortlaufendes Verbrechen gegenüber der Ukraine, mit jedem weiteren Tag aber auch ein Beweis der absoluten „Verachtung gegenüber den eigenen Soldaten, die als Kanonenfutter zu Tausenden in verlorene Schlachten geschickt werden“, sagte der Außenminister. „Das Regime weiß genau, dass seine eigene Bevölkerung die geplante Siegesparade vor diesem Hintergrund nur als Hohn empfinden kann.“

Selenskyj warnt vor Teilnahme an Weltkriegsparade in MoskauDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor gewarnt, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen. „Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“ Unterdessen wiederholte Russland seine Drohung von Gegenschlägen auf Kiew, sollte die Ukraine angreifen.  „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen“, erklärte das Verteidigungsministerium am Donnerstag. Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“. 

Weniger ausländische Ehrengäste zur Parade in Moskau erwartetZur Moskauer Parade zum „Tag des Sieges“ von 1945 erwartet der Kreml am Samstag weniger ausländische Ehrengäste als in den Jahren 2023 und 2024, als er ebenfalls keine „runden“ Jahrestage feierte. Jurij Uschakow, der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, gab am Donnerstagnachmittag die diesjährige Gästeliste bekannt. Wie schon 2024 stehen darauf die Machthaber von Belarus, Alexandr Lukaschenko, und Laos, Thongloun Sisoulith. Letzterer ist 80 Jahre alt, hat noch zu Sowjetzeiten in Leningrad und Moskau studiert und bekleidet in dem Einparteienstaat neben dem Präsidentenamt auch das des Generalsekretärs der Laotischen Revolutionären Volkspartei. Außerdem kommen Uschakow zufolge der König von Malaysia, die „Präsidenten“ der abtrünnigen georgischen Gebiete Abchasien und Südossetien (die Moskau als Staaten anerkannt hat), der Führer der zu Bosnien-Hercegovina gehörenden bosnischen Serbenrepublik Siniša Karan und dessen Vorgänger, „unser wohlbekannter Freund Milorad Dodik“, sowie der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. Letzterer hat aber schon angekündigt, nicht die Parade auf dem Roten Platz besuchen zu wollen, sondern lediglich einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer niederlegen zu wollen. So hatte es Fico schon im vergangenen Jahr gehalten. Der Besuch Ficos, dem einzigen Regierungschef eines EU- und NATO-Mitgliedslandes unter den voraussichtlichen Gästen, ist für den Kreml, dem stets an westlichen Renegaten gelegen ist, besonders prestigereich. Allerdings hat Fico vor Kurzem geäußert, die Slowakei unterstütze den EU-Beitritt der Ukraine, „denn wir wollen, dass die Ukraine, unser Nachbar, ein stabiles und demokratisches Land ist“, den Wunsch nach „freundschaftlichen Beziehungen“ zwischen beiden Ländern geäußert und einen Besuch in Kiew angekündigt. Es wirkt, als spiegele sich die militärisch derzeit für Moskau eingetrübte Lage im Angriffskrieg gegen die Ukraine auch in den Beziehungen zu Ländern, die dem Kreml sonst gewogen sind. 

Ukraine bestätigt neue Gespräche in AmerikaIm Ringen um ein Ende des Ukrainekriegs hat Kiew neue Gespräche mit den USA angekündigt. Der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, werde an diesem Donnerstag amerikanische Vertreter treffen, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Damit solle der diplomatische Prozess gestärkt werden, sagte Selenskyj. Bei dem Treffen geht es demnach um die mögliche Freilassung von Gefangenen auf beiden Seiten und die Zusammenarbeit von Kiew und Washington bei Sicherheitsfragen. Die Ukraine arbeite daran mit, einen „würdigen Frieden“ näherzubringen und Sicherheit zu garantieren. Russland warf er in Bezug auf die einseitig von Kiew ausgerufene Waffenruhe vor, sich nicht konstruktiv zu verhalten. 

Berlin zieht keine Diplomaten aus Kiew abVerlassen die deutschen Diplomaten Kiew? „Nein, natürlich nicht. Wir stehen in engem Kontakt mit anderen Botschaften. Wir lassen uns von solchen Einschüchterungsversuchen nicht beirren“, sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul in einem Interview mit Bloomberg. „Wir kennen die Russen, und das sind Mittel, die sie einsetzen.“Moskau hat für den Fall, dass die Parade zum 9. Mai, dem „Tag des Sieges\" 1945, gestört werde, mit Angriffen auf das Kiewer Stadtzentrum gedroht. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa rief ausländische Diplomaten auf, Kiew zu verlassen. Auch die Europäische Kommission will keine Diplomaten aus der EU-Vertretung in Kiew abziehen. „Die öffentlichen Drohungen Russlands, Kiew anzugreifen, sind Teil seiner rücksichtslosen Eskalationstaktik... Was uns, die EU, betrifft, so werden wir weder unseren Standpunkt noch unsere Präsenz in Kiew ändern“, sagte ein Sprecher der Kommission dem ukrainischen Portal „Ewropejskaja Prawda\" in Brüssel. 

Selenskyj rechtfertigt Drohnenangriffe trotz Feuerpause Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland trotz einer einseitig von Kiew erklärten Feuerpause gerechtfertigt. „Wir haben eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen“, schrieb er in sozialen Netzwerken.Diese Waffenruhe sei von Russland gebrochen worden. „Die spiegelbildliche Reaktion auf die russischen Angriffe sind unsere Langstrecken-Sanktionen“ – gemeint sind Drohnenangriffe tief ins russische Hinterland.Wenn Moskau den Pfad der Diplomatie einschlage, werde auch Kiew dies tun. Doch Russland töte weiter Menschen, „während es völlig irrational besessen ist von wenigen Stunden in einem Teil von Moskau“, schrieb Selenskyj. Die russische Seite hat für Freitag und Samstag eine Waffenruhe ausgerufen, während des Andenkens an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg. Vor allem geht es Moskau darum, dass die Militärparade auf dem Roten Platz am Samstag ungestört verläuft.Selenskyjs Angaben zufolge erreichten ukrainische Drohnen in der Nacht erneut die russische Stadt Perm am Ural mehr als 1500 Kilometer entfernt von der Grenze. Der russische Gouverneur der Region Perm, Dmitri Machonin, bestätigte den Angriff auf ein nicht näher genanntes Industrieunternehmen. Ein Wohnblock sei beschädigt worden, schrieb er auf Telegram. Vergangene Woche hatten ukrainische Drohnen eine Ölpumpstation bei Perm in Brand geschossen. 

Kreml bestätigt zweitägige Waffenruhe von Freitag anRussland hat die einseitige Waffenruhe anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestätigt. „Ja, wir sprechen vom 8. und 9. Mai“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag auf die Frage, ob die Feuerpause um Mitternacht Moskauer Zeit in Kraft trete.Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt. Kiew bezeichnete die von Russland für Freitag und Samstag ausgerufene Feuerpause angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine als „blanken Zynismus“. Das Gegenangebot Kiews, am Mittwoch die Waffen ruhen zu lassen, blieb von Moskau unbeantwortet. „Es gab keine russische Reaktion darauf“, sagte Peskow am Donnerstag. 

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Putin während Feierlichkeiten am 9. MaiRussland ergreift nach Angaben des Kremls zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Präsident Wladimir Putin. ⁠Damit wappne man sich gegen einen möglichen ukrainischen Angriff während der Feierlichkeiten am 9. Mai zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, teilte das Präsidialamt in Moskau mit. 

Russischer Rosneft-Konzern klagt abermals gegen BundDer russische Rosneft-Konzern hat abermals Klage gegen die von der Bundesregierung verhängte Treuhandverwaltung seiner Tochterfirma Rosneft Deutschland eingereicht. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärte am Donnerstag, dass die Klage bereits am 30. März eingegangen sei. Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich zuversichtlich, dass die Gerichte erneut in seinem Sinne entscheiden. Die Bundesregierung hatte die deutschen Rosneft-Töchter kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine unter Treuhandverwaltung des Wirtschaftsministeriums gestellt und damit unter anderem die Kontrolle über die Raffinerie PCK Schwedt übernommen, die für die Versorgungssicherheit Nordostdeuschlands mit Treibstoff wichtig ist. Eine Klage von Rosneft dagegen entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugunsten des Bundes.