FAZ 20.05.2026
06:34 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Putin und Xi betonen bei Treffen enge Beziehungen


Xi: „Strategische Zusammenarbeit hat tausend Prüfungen standgehalten“ +++ Selenskyj genehmigt neue Angriffspläne +++ Russland hält Manöver seiner Atomstreitkräfte ab +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Putin und Xi betonen bei Treffen enge Beziehungen

Estland verteidigt Abschuss von Drohne Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur hat den Abschuss einer in den Luftraum des baltischen EU- und NATO-Landes eingedrungenen Drohne als richtig und angemessen bewertet. „Wir haben, wie immer, verschiedene Faktoren abgewogen: Wie groß ist die Gefahr für bewohnte Gebiete? Welche Reaktionsmöglichkeiten gibt es? Und auf Grundlage dieser Gesamtbewertung wurde die Entscheidung getroffen, sie abzuschießen“, sagte Pevkur in einem Interview im estnischen Fernsehen.Entscheidend für den erstmaligen Abschuss einer eingeflogenen Drohne sei die Annahme gewesen, dass es nur minimale oder gar keine möglichen Kollateralschäden geben würde. „Glücklicherweise entstand diesmal praktisch kein Schaden – lediglich ein kleines Waldstück wurde leicht in Mitleidenschaft gezogen“, sagte Pevkur. Der Absturz sei wenige hundert Meter von einem Wohngebäude entfernt erfolgt. In dem an Russland grenzenden Estland hatten NATO-Kampfjets am Dienstag eine vermutlich ukrainische Drohne abgeschossen, die mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war und in den estnischen Luftraum geflogen ist. Ob das unbemannte Fluggerät mit Sprengstoff bestückt war, wird nach Angaben des estnischen Ministers noch untersucht. Jede Drohne führe aber Treibstoff mit sich. Daher stellte sie unabhängig von einem Sprengkopf immer eine Gefahr am Boden dar, sagte Pevkur. 

Tote und Verletzte nach russischen Drohnenangriffen in der Nacht Russland hat in der Nacht wieder ukrainische Städte und Regionen angegriffen. Ukrainische Behörden meldeten nach russischen Drohnenangriffen mindestens zwei Tote, zahlreiche Verletzte sowie mehrere zerstörte Gebäude in den Städten Odessa, Dnipro und Konotop. In Dnipro seien zwei Menschen durch russische Angriffe getötet worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf Telegram mit. Es gebe sechs Verletzte. Wohnhäuser, ein Lebensmittellager sowie Autos seien beschädigt worden. In dem Gebiet Sumy wurden in der Stadt Konotop mehrere Gebäude getroffen, wie Militärgouverneur Oleh Hryhorow auf Telegram schrieb. Dabei seien mindestens sechs Menschen verletzt worden. Der Bürgermeister der Stadt Konotop, Artem Semenichin, sagte laut einem Medienbericht, wegen Mangels an Rettungswagen würden die Verletzten in privaten Fahrzeugen in Krankenhäuser gebracht. Auch ein Museum sei beschädigt worden. Auch in Odessa wurden erneut mehrstöckige Wohnhäuser und Fahrzeuge getroffen, wie der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Lyssak, auf Telegram schrieb. Ein Gebäude sei durch den Angriff völlig zerstört worden. Information über Verletzte oder Todesopfer gab es zunächst nicht.Die Ukraine griff russischen Angaben ​zufolge Industriegebiete in Zentralrussland ⁠mit Drohnen an. Ziele seien unter anderem Industriegebiete um Newinnomyssk in der ​südlichen Region Stawropol gewesen, wo sich eine große ⁠Chemiefabrik befindet. Auch die ‌Region Nischni Nowgorod war wieder betroffen. Dort betreibt der Ölkonzern Lukoil eine Raffinerie. Auch über ⁠den Regionen Leningrad, ⁠Moskau, Tula und Belgorod wurden Drohnen gemeldet, berichteten ⁠russische ​Medien. Das Verteidigungsministerium ⁠in Moskau teilte mit, ​es seien 273 Flugkörper abgeschossen worden.

EU erwägt laut Bericht Merkel oder Draghi für Gespräche mit Putin In der Europäischen Union laufen laut „Financial ⁠Times“ auf Regierungsebene Gespräche, ob die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die EU in möglichen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vertreten könnten. Die Zeitung ‌beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach wollen die EU-Außenminister in der kommenden Woche bei einem Treffen auf Zypern besprechen, wer sich für solche Gespräche empfehlen würde.

Putin sichert China Energielieferungen zuDer russische Präsident Wladimir Putin hat beim Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Bedeutung seines Landes als verlässlicher Energielieferant in Krisenzeiten hervorgehoben. „Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten behält Russland weiterhin seine Rolle als zuverlässiger Lieferant von Rohstoffen bei, während China als verantwortungsbewusster Abnehmer dieser Rohstoffe auftritt“, sagte Putin zum Auftakt. Er lud Xi auch zum Gegenbesuch 2027 nach Russland ein.

Lettland protestiert gegen Desinformation aus Moskau Lettland wirft Russland massive Desinformation über die jüngsten Drohnenvorfälle in den baltischen Staaten vor. Demnach behauptet Moskau, Estland, Lettland und Litauen ließen zu, dass ihr Territorium für ukrainische Angriffe gegen Russland genutzt werde. Dies wurde von der lettischen Staatsführung entschieden zurückgewiesen. Das Außenministerium des EU- und NATO-Mitglieds bestellte zudem einen Vertreter der russischen Botschaft ein und überreichte eine Protestnote.„Russland verbreitet seit einigen Wochen die Lüge, die baltischen Staaten und Finnland würden unseren Luftraum für ukrainische Angriffe zur Verfügung stellen“, sagte Außenministerin Baiba Braze nach einem Treffen mit ihrer kanadischen Amtskollegin Anita Anand. Dies stimme nicht und sei russischen Vertretern durch Einbestellung ins Außenamt aber auch über andere Quellen mitgeteilt worden. „Heute wurde eine neue Lüge vom russischen Auslandsgeheimdienst verbreitet, die wir entschieden zurückgewiesen und widerlegt haben.“ 

Selenskyj genehmigt neue Angriffspläne  Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Pläne für Angriffe im Juni im Abwehrkampf der Ukraine gegen die russische Invasion genehmigt. Dieser Monat habe eine Veränderung der Dynamik zugunsten der Ukraine gebracht, sagte er in einer abendlichen Videoansprache. Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow hatten ihm demnach Bericht erstattet. Die Ukraine halte ihre Stellungen besser und unternehme mehr Angriffe, sagte Selenskyj. Als besonders bedeutend beschrieb er Gegenangriffe Kiews mit Drohnen im russischen Hinterland. Sie hätten im Mai ihre Wirksamkeit gezeigt und müssten nun kreativ weiterentwickelt werden, sagte Selenskyj.

Russischer Diplomat droht baltischen Staaten Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja wirft der Ukraine vor, ​militärische Drohnen von Lettland und anderen baltischen Staaten aus starten zu wollen. Eine NATO-Mitgliedschaft werde diese Länder nicht vor Vergeltung schützen, warnt er vor dem UN-Sicherheitsrat. Kiew habe bereits Drohneneinheiten nach Lettland entsandt. ⁠Die lettische UN-Gesandte Sanita Pavluta-Deslandes weist die Äußerungen umgehend als frei erfunden zurück. Die stellvertretende US-Botschafterin Tammy Bruce erklärt, die UN seien kein Forum für Drohungen gegen ein Ratsmitglied. Die USA würden all ihren NATO-Verpflichtungen nachkommen. Lettland ist gegenwärtig ein nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat. 

Putin in Peking eingetroffenWenige Tage nach US-Präsident Donald Trump ist Kremlchef Wladimir Putin zu einem Besuch in China eingetroffen. Putin werde von einer Delegation aus Ministern und Managern von staatlichen und privaten Konzernen begleitet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Bei den Gesprächen auf Einladung von Chinas Staatschef Xi Jinping gehe es um einen Ausbau der privilegierten strategischen Partnerschaft beider Länder.  Putin sagte in einem vor der Abreise aufgenommenen Video, er freue sich, erneut China zu besuchen. Insbesondere führe auch die noch neue Visafreiheit zu engeren Kontakten zwischen den Menschen. Putin hob zudem hervor, dass das Handelsvolumen auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar gewachsen sei. China ist der wichtigste Handelspartner für die Energiemacht Russland. Bundeskanzler Friedrich Merz hofft darauf, dass Xi auf den russischen Staatschef einwirkt, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. „Wir erwarten jetzt nicht einen grundlegenden Wechsel in den strategischen Beziehungen zwischen Russland und China“, sagte Merz nach einem Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin in Berlin. „Aber wir verbinden natürlich mit diesem Besuch die Hoffnung, dass Präsident Xi auch auf Präsident Putin einwirkt, diesen Krieg in der Ukraine zu beenden, den er nicht gewinnen kann.“ Russland will über den Bau der neuen Gaspipeline „Sila Sibirii 2“ sprechen, die über die Mongolei nach China führen soll. Russland will seine bisher schon massiven Gaslieferungen durch die „Sila Sibirii 1“ mit einer neuen Leitung noch deutlich ausbauen. China gehört auch zu Russlands wichtigsten Ölkunden. 

Merz hofft auf Xi Bundeskanzler Friedrich Merz hofft darauf, dass Chinas Präsident Xi Jinping bei seinem Treffen mit Wladimir Putin in Peking auf den russischen Staatschef einwirkt, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. „Wir erwarten jetzt nicht einen grundlegenden Wechsel in den strategischen Beziehungen zwischen Russland und China“, sagte Merz nach einem Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin in Berlin. „Aber wir verbinden natürlich mit diesem Besuch die Hoffnung, dass Präsident Xi auch auf Präsident Putin einwirkt, diesen Krieg in der Ukraine zu beenden, den er nicht gewinnen kann.“ Der Kanzler verwies darauf, dass der Krieg jeden Tag „hohe Verluste an Menschenleben“ für Russland bedeute. 

Kiew bestreitet Russlands Vorwurf, Angriffe von Lettland aus geplant zu habenDie Ukraine hat ​russische Behauptungen über die Vorbereitung von Drohnenangriffen auf Russland vom lettischen Staatsgebiet aus zurückgewiesen. Das Außenministerium in Kiew wirft Russland vor, damit „die jüngste Reihe von Unwahrheiten“ zu ⁠verbreiten. „Die Ukraine nutzt bei ihren Einsätzen gegen Russland weder das Territorium noch den Luftraum Lettlands und hat dies auch nicht vor“, schrieb Ministeriumssprecher Heorhij Tychyj auf der Plattform X.  

Ukraine greift Raffinerie von Lukoil anDie Ukraine hat nach ​Angaben ihres Generalstabs eine russische Ölraffinerie des Konzerns Lukoil in der Region Nischni Nowgorod angegriffen. Weiteres Ziel sei eine Ölpumpstation in der Region Jaroslawl gewesen. Das Ausmaß der Schäden werde ⁠noch ermittelt, teilt das Militär über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. 

Kampfflugzeuge schießen ukrainische Drohne über Estland ab NATO-Kampfflugzeuge haben über Estland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Nach Angaben von Verteidigungsminister Hanno Pevkur handelt es sich um den ersten Abschuss dieser Art. Rumänische F 16 hätten die Drohne über dem Võrtsjärv-See im Süden des Landes vom Himmel geholt. Sie stürzte demnach in einem sumpfigen Gebiet ab, die Suche dauere noch an. Die estnische Sicherheitspolizei leite die Ermittlungen.Laut Pevkur soll es sich vermutlich um ein ukrainisches Flugobjekt handeln, das mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Die Ukraine entschuldigte sich für den Vorfall bei Estland. „Russland lenkt ukrainische Drohnen mithilfe elektronischer Kriegsführung weiterhin in Richtung des Baltikums um\", schrieb Außeninisteriumssprecher Heorhij Tychyj auf der Plattform X. „Und Moskau tut dies bewusst, begleitet von verstärkter Propaganda.\"

Ukraine will Eckstein für Europas Energiesicherheit werdenDie Ukraine bietet sich als Eckstein eines künftigen widerstandsfähigen Energiesystems in Europa an. „Die ukrainische Energieerfahrung muss jetzt über die Ukraine hinausgehen“, sagte der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal in Berlin. Es gehe um die Fähigkeit in Europa, Schocks abzufangen und in Krisen entschieden zu handeln. „Das bedeutet, die Ukraine in die Planung des europäischen Energiesystems einzubeziehen als Resilienz-Hub für den Kontinent“, sagte er bei einer Konferenz über Energiesicherheit im Auswärtigen Amt.Als Beispiel für die beginnende grenzüberschreitende Kooperation nannte Schmyhal die Synchronisierung des ukrainischen Stromnetzes mit den EU-Nachbarn. „In diesem Winter, als unsere Stromerzeugung attackiert wurde, haben Stromimporte aus der EU an kritischen Tagen bis zu 20 Prozent des Verbrauchs ausgemacht. Das Gleiche gilt für Gas“, sagte er. Die Ukraine leite kein russisches Gas mehr durch, sondern stelle ihr Pipeline- und Speichersystem den europäischen Partnern zur Verfügung.

Mindestens vier Tote bei russischem Raketenangriff in der Nordukraine  Bei neuen russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Bei einem Angriff mit ballistischen Raketen auf das Zentrum von Pryluky rund 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew seien zwei Menschen getötet worden, teilten die Behörden der Region Tschernihiw am Dienstag mit. Mindestens 20 weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein Kind. Ein Einkaufszentrum und ein Supermarkt seien beschädigt worden. Im Dorf Hluchiw nahe der Grenze zu Russland seien zwei Männer im Alter von 52 und 58 Jahren durch einen Drohnenangriff getötet worden, gaben die Behörden der nordöstlichen Region Sumy in Onlinediensten bekannt. Vier weitere Menschen seien verletzt worden. Bei dem Angriff sei „zivile Infrastruktur“ getroffen worden.