FAZ 13.05.2026
20:48 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Putin tauscht Gouverneure zweier Grenzregionen aus


Kreml: Gouverneure der Regionen Brjansk und Belgorod ersetzt +++ Moskau schränkt Fotos nach „Terroranschlägen“ ein +++ Ukraine meldet acht Tote nach russischem Angriff +++ Brand nach ukrainischem Angriff auf russische Fabrik +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Putin tauscht Gouverneure zweier Grenzregionen aus

Ukraine meldet russische Angriffe auf Kiew und weitere StädteDie ukrainische Hauptstadt Kiew wird nach Behördenangaben ‌von ‌russischen Drohnen und Raketen angegriffen. Trümmer abgeschossener Drohnen treffen Gebäude ​in verschiedenen Stadtteilen, ⁠darunter auch Wohnhäuser, teilt der Chef der ​Kiewer Militärverwaltung Tymur Tkatschenko mit. ⁠In inoffiziellen Telegram-Kanälen kursieren ‌Videos brennender Wohngebäude. Die ukrainische Luftwaffe meldet zudem ⁠russische Raketenangriffe ⁠auf die Regionen Charkiw, Sumy ⁠und ​Tschernihiw ⁠im Norden sowie ​auf das zentrale Gebiet ‌Poltawa. Angaben zu Opfern liegen ​zunächst nicht vor.

Ukraine rechnet mit einem massiven russischen Raketenangriff in der NachtNach einem Tag massiver russischer Drohnenangriffe auf die Ukraine droht in der Nacht eine Welle von Raketenangriffen. Die ukrainische Luftwaffe meldete abends die Explosion einer russischen Hyperschallrakete vom Typ Kinschal (Dolch) bei Starokostjantyniw im Westen, wo eine wichtige ukrainische Luftwaffenbasis liegt.Ukrainische Telegramkanäle warnten vor dem drohenden Beschuss mit ballistischen Raketen. Sie meldeten zudem den Start von mindestens vier russischen Langstreckenbombern des Typs Tupolew Tu-160. Diese sollten bei Tagesanbruch die Zonen für den Abwurf ihrer Marschflugkörper erreichen.

Moskau schränkt Veröffentlichung von Fotos nach „Terroranschlägen“ einDie Behörden in Moskau schränken die Veröffentlichung ​von Fotos und Videos ein, die die Folgen von „Terroranschlägen“ wie Drohnenangriffen zeigen. Dies teilt das Büro von Bürgermeister Sergej Sobjanin mit. Eine auf der offiziellen Website des Bürgermeisters veröffentlichte ⁠Anordnung verbietet es Medien, Privatpersonen und Rettungsdiensten, entsprechendes Bildmaterial zu veröffentlichen, bevor es auf den Seiten des Verteidigungsministeriums oder der Stadtverwaltung erscheint.Ziel der Maßnahme sei es, die Verbreitung ungesicherter Informationen zu verhindern, heißt es offiziell. Bei Verstößen drohen Privatpersonen Geldstrafen zwischen umgerechnet etwa 340 und 580 Euro, für Beamte oder juristische Personen fallen diese deutlich höher aus. In anderen Teilen Russlands gelten ähnliche Verbote.

Ungarn bestellt nach Drohnenangriff russischen Botschafter einUngarn bestellt nach dem russischen Drohnenangriff auf die Westukraine den Botschafter Moskaus ein. Außenministerin Anita Orban werde die Attacke bei dem Gespräch verurteilen und den Gesandten fragen, wann Russland den mehr als vier Jahre andauernden Krieg beenden wolle, sagt der neue ungarische Ministerpräsident Peter Magyar.

Russischer Drohnenangriff im Westen der UkraineBei einem russischen Drohnenangriff auf die Ukraine sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Die ​bei Tageslicht geflogenen Angriffe zielten auf kritische Infrastruktur im Westen des Landes und veranlassten das Nachbarland Polen, vorsorglich ⁠Kampfjets aufsteigen zu lassen, wie die polnische Armee am Mittwoch mitteilte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zu Beginn der Angriffswelle von mehr als ‌100 russischen Drohnen im Luftraum und später ‌von mehr als 800. Russland setze seine Angriffe rücksichtslos fort und nehme dabei gezielt die Eisenbahninfrastruktur sowie zivile Einrichtungen ins Visier, erklärte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Es sei wichtig, jeden Angriff entschlossen abzuwehren und nicht über den russischen Krieg ​zu schweigen. Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte mit, der ⁠Angriff solle die ukrainische Luftverteidigung überlasten. Die Behörde warnte vor nachfolgenden Raketenangriffen und einem möglicherweise länger andauernden Beschuss. Ziel seien Energieanlagen, Rüstungsbetriebe und Regierungsgebäude in Großstädten. Selenskyj forderte US-Präsident Donald Trump auf, bei seinem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking am Donnerstag über die Bemühungen um ein Ende des Ukrainekrieges zu sprechen. Er gehe davon aus, dass bei Trumps China-Besuch auch die Frage der Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine zur Sprache gebracht werde, sagte Selenskyj.

Brände nach Attacke auf gasverarbeitende Fabrik in RusslandUkrainische Drohnenangriffe haben mehrere Brände in Russland ausgelöst. Die Ukraine habe eine gasverarbeitende Fabrik in Astrachan am Kaspischen Meer attackiert, teilte der Gouverneur der Region, Igor Babuschkin, bei Telegram mit. Herabstürzende Trümmer verursachten demnach ein Feuer. Verletzte gebe es nicht. Auch in der südrussischen Region Krasnodar kam es nach Angaben des Zivilschutzstabs zu einem Brand auf dem Gelände einer Fabrik in der Siedlung Wolna im Kreis Temrjuk. Ein Mensch sei verletzt worden. Einen weiteren Verletzten sowie Schäden an mehreren Orten gab es demnach in Taman, ebenfalls durch Drohnentrümmer. Der Hafen von Taman wird zum Umschlag von Öl und Flüssiggas genutzt.In der Stadt Jaroslawl nordöstlich von Moskau seien Drohnentrümmer auf ein Industrieobjekt gestürzt, teilte Gouverneur Michail Jewrajew mit; er nannte aber keine Details. Die Raffinerie der Stadt war schon mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Morgen mit, die Flugabwehr habe 286 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der annektierten Krim abgewehrt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Russland meldet ukrainischen DrohnenbeschussRussland meldet wieder einen größeren ukrainischen Drohnenangriff. In der ‌Nacht ‌wurden dem Verteidigungsministerium zufolge 286 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet abgefangen und ​zerstört. In ⁠der südlichen Region Krasnodar seien dabei Trümmerteile auf das ​Gelände einer Industrieanlage gestürzt ⁠und hätten ein ‌Feuer ausgelöst, teilten die örtlichen Behörden mit. 

Selenskyjs früherer Vertrauter Jermak weist Geldwäschevorwürfe zurückDer frühere ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak hat gegen ihn erhobene Vorwürfe der Geldwäsche zurückgewiesen. Der Verdacht sei „unbegründet\", schrieb Jermak nach einer Anhörung vor Gericht am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Als Jurist habe er sich „stets vom Gesetz leiten lassen\", erklärte er. „Und jetzt werde ich in gleicher Weise meine Rechte, meinen Namen und meinen Ruf verteidigen\", fügte Jermak hinzu. Das Nationale Antikorruptionsbüro (Nabu) hatte am Montag mitgeteilt, es habe eine „organisierte Gruppe\" enttarnt, die umgerechnet 8,9 Millionen Euro „über ein Luxusbauprojekt in der Nähe von Kiew gewaschen\" habe. Bei einem der Verdächtigen handele es sich um einen „ehemaligen Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine\". Jermak war von 2020 bis 2025 als Leiter des Präsidialamts der wichtigste Berater von Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Jermak war Ende November zurückgetreten, nachdem das Antikorruptionsbüro einen massiven Korruptionsskandal im Energiesektor aufgedeckt hatte, in den mehrere Politiker verwickelt waren. Korruption ist seit langer Zeit ein Problem in der Ukraine. Ihre Bekämpfung wird als wichtige Voraussetzung für einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union angesehen.Wie sind die Geschehnisse zu bewerten? Haben Sie vielleicht sogar eine gute Seite? F.A.Z.-Redakteur Reinhard Veser kommentiert:

Mindestens acht Tote nach russischen Angriffen im Gebiet DnipropetrowskBei russischen Angriffen auf die Ukraine sind im Gebiet Dnipropetrowsk mindestens acht Menschen ums Leben gekommen, mindestens elf wurden verletzt. Wie Gebietsgouverneur Olexander Hanscha auf Telegram mitteilte, wurden drei Regionen des Gebiets fast 30 Mal angegriffen. Dabei seien in kleineren Ortschaften mindestens sechs Menschen getötet worden. In der Großstadt Krywyj Rih seien mindestens zwei Menschen getötet worden. Vier weitere Menschen seien bei der Attacke am Abend verletzt worden, darunter ein neun Monate altes Mädchen, das in kritischem Zustand im Krankenhaus behandelt werde. Bei den Getöteten handele es sich um eine 65-jährige Frau und einen 43-jährigen Mann. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff „auf ein gewöhnliches Wohnhaus“ als zynisch und militärisch sinnlos. Nach Ende der dreitägigen Waffenruhe am Montag töte Russland nun wieder Ukrainer und Ukrainerinnen. „Der Druck auf Russland darf deshalb in keiner Weise nachlassen“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Nur entschlossener gemeinsamer Druck und die Stärkung der Ukraine, einschließlich der Ausweitung der Luftabwehr, „können den Aggressor dazu zwingen, diplomatisch auf einen verlässlichen Frieden und ein Ende der Morde hinzuarbeiten“.Krywyj Rih ist Selenskyjs Heimatstadt und wurde bereits mehrfach Ziel russischer Angriffe.

USA wollen Hilfszahlungen an die Ukraine über Eucom abwickeln Hilfen im Wert von 400 Millionen US-Dollar (knapp 340 Mio Euro) sollen nach den Worten von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wie geplant der Ukraine zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg zufließen. Einen konkreten Zeitplan legte er allerdings nicht vor. Das Pentagon wolle mit dem für Europa zuständigen Regionalkommando (Eucom) zusammenarbeiten, um die Mittel „entsprechend und ordnungsgemäß auszugeben“, sagte der Republikaner vor einem Senatsausschuss.Senator Chris Coons zufolge hat das Pentagon bislang kein Geld aus diesem Paket für Waffen für die Ukraine ausgegeben. Auf die Nachfrage des Demokraten nach einem konkreten Ausgabenplan wich Hegseth aus. „Es ist Mai, und dies ist seit Januar geltendes Recht. Sie oder Ihre Abgeordneten wurden von Mitgliedern dieses Ausschusses wiederholt und parteiübergreifend dazu aufgefordert“, kritisierte Coons. US-Präsident Donald Trump hatte für die Haushaltsjahre 2026 und 2027 jeweils Ukraine-Hilfen in Höhe von 400 Millionen Dollar unterschrieben. 

Griechenland: Drohne im Ionischen Meer ist ukrainischEine in der vergangenen Woche in griechischen Gewässern gefundene See-Drohne stammt nach Erkenntnissen der Regierung in Athen aus der Ukraine. Die Drohne sei „mit Sicherheit“ ukrainischer Herkunft und habe eine Gefahr für die freie Schifffahrt dargestellt, sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Dendias am Dienstag bei einem EU-Ministertreffen in Brüssel. Er nannte die Angelegenheit „äußerst ernst“.Laut griechischen Medien hatte ein Fischer die Drohne am vergangenen Donnerstag in einer Grotte im Südwesten der Insel Lefkada im Ionischen Meer gefunden. Ihr Motor sei noch gelaufen, berichtete der Sender ERT. Nach Angaben aus griechischen Militärkreisen war die Drohne mit Sprengstoff beladen. Nach Angaben der Behörden ähnelt sie den See-Drohnen vom Typ Magura, die von der Ukraine gegen russische Schiffe vor der Krim-Halbinsel im Schwarzen Meer eingesetzt werden.

Pistorius: Ukrainer machen „riesige Fortschritte“Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht Anzeichen für eine Kehrtwende im schwierigen Abwehrkampf der Ukraine gegen russische Angreifer. Zugleich machte er nach einem Besuch ukrainischer Gefechtsstände im Osten des Landes deutlich, dass er aus den Erfahrungen der Ukraine beim Kampfeinsatz unbemannter Waffensysteme weitere Schlüsse für die Bundeswehr ziehen will.„Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld“, sagte Pistorius, der am Dienstag in den Gebieten von Saporischschja und Dnipro unterwegs war. Und: „Die Ukrainer machen riesige Fortschritte. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland werden empfindlicher und hinterlassen Wirkung.“Pistorius wurde in Kommandostellen der Ukrainer erklärt, wie Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung russischer Waffensysteme und Soldaten genutzt werden. Die Ukraine hat vor allem seit dem vergangenen Jahr Fähigkeiten entwickelt, von denen auch die Bundeswehr als Teil einer strategischen Partnerschaft profitieren soll. „Heute reden viele von einer entscheidenden Phase des Krieges, möglicherweise zugunsten der Ukraine“, sagte Pistorius. Eine für die Ukraine sehr pessimistische Prognose über den weiteren Kriegsverlauf werde heute nicht mehr geteilt. Das erkläre vielleicht auch, warum der russische Präsident Wladimir Putin über ein baldiges Ende des Krieges spreche, obwohl er selbst ihn sofort beenden könne. 

Ukraine arbeitet mit Palantir zusammenDie Ukraine setzt bei dem Wettrüsten in der Nutzung ​Künstlicher Intelligenz auf dem Schlachtfeld auf Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Konzern Palantir. ⁠Die Zusammenarbeit mit dem Datenanalyse-Spezialisten solle ausgebaut werden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit Palantir-Chef Alex Karp am Dienstag mit. „Palantir ist ein renommiertes ‌globales Unternehmen mit großem Potential“, schrieb er auf der Online-Plattform X. Es gebe sicherlich Bereiche, in denen man sich gegenseitig nützlich sein ‌und die Verteidigung der ‌Ukraine, der Vereinigten Staaten und der Partner stärken könne.Die Regierung in Kiew hat mit Palantir das Projekt „Brave1 Dataroom“ ins Leben gerufen. Dabei soll auf Grundlage ​von Kampfdaten, die seit der russischen ⁠Invasion im Jahr 2022 gesammelt wurden, eine KI zur Abwehr von Drohnen entwickelt werden. Verteidigungsminister Mychajlo ​Fedorow erklärte nach seinem Treffen mit Karp auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, Technologie, Datenanalyse und ⁠Berechnungen der Kriegsführung hätten ‌direkte Auswirkungen auf das Geschehen auf dem Schlachtfeld. Nach seinen Angaben trainieren bereits über 100 Unternehmen mit mehr als 80 Modellen zur Erkennung ⁠und zum Abfangen von ⁠Luftzielen.In Zusammenarbeit mit Palantir habe die Ukraine ein System zur detaillierten Analyse ⁠von Luftangriffen ​entwickelt, ⁠hieß es weiter. Zudem seien KI-Lösungen ​für die Verarbeitung großer Mengen an Geheimdienstdaten implementiert ‌und die Technologien in die Planung ukrainischer Angriffe tief im feindlichen Hinterland integriert ​worden. 

Deutschland finanziert Militärausbildung in der UkraineDeutschland beteiligt sich mit mehr als zehn Millionen Euro an einer EU-Initiative zum Aufbau militärischer Ausbildungszentren in der Ukraine. Mit dem Beitrag finanziert die Bundesrepublik die Infrastruktur für eine komplette Ausbildungseinrichtung, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Rande eines Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sagte.Diese Ausbildungseinrichtungen in der Ukraine sollen nach seinen Worten dafür sorgen, dass die Einsatzfähigkeit der ukrainischen Armee hoch bleibt - auch nach einem möglichen Friedensschluss mit Russland, das vor gut vier Jahren in das Nachbarland einmarschiert war. Pistorius sagte weiter, dies sei eine von mehreren Maßnahmen zu künftigen Abschreckung. Bislang seien fast 27.000 ukrainische Soldaten in Deutschland ausgebildet worden.