FAZ 24.05.2026
15:43 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Merz kritisiert Einsatz der russischen Oreschnik-Rakete


Bundeskanzler: „Rücksichtslose Eskalation“ +++ ARD-Studio in Kiew beschädigt +++ Massive russische Raketen- und Drohnenangriffe +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Merz kritisiert Einsatz der russischen Oreschnik-Rakete

Nach Großangriff auf Kiew: Neue Attacken im GrenzgebietEinen Tag nach dem russischen Großangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew haben ​sich die gegenseitigen Angriffe im russisch-ukrainischen Grenzgebiet fortgesetzt. In der russischen Region Belgorod kam nach Behördenangaben ⁠ein Mann bei einem Raketen- und Drohnenangriff ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Zudem sei die Energieinfrastruktur beschädigt worden, was zu Strom- und Wasserausfällen in der Stadt Belgorod geführt habe, teilten ‌die Behörden auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mit. Im russisch kontrollierten Horliwka im Osten der Ukraine wurden dem russischen Staatsfernsehen zufolge fünf Menschen bei Drohnenangriffen verletzt. Aus der südukrainischen Region Cherson meldeten ‌die dortigen Behörden zwei ‌Tote und 16 Verletzte bei russischen Angriffen, die am Sonntag begonnen hatten. In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurden den dortigen Behörden zufolge zudem drei Menschen verletzt. 

Russland: Drohnenangriff auf Region JaroslawlDie ⁠russische Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau ​wird ⁠nach Angaben des ‌dortigen Gouverneurs ⁠mit Drohnen angegriffen. ⁠Dies teilt ⁠Michail ​Jewrajew ⁠auf dem Kurznachrichtendienst ​Telegram mit. 

Ukraine beantragt UN-DringlichkeitssitzungDer ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat nach den massiven russischen Luftschlägen gegen die Hauptstadt Kiew die internationale Gemeinschaft zu einer „starken Antwort an den Aggressor“ aufgefordert. Der Minister beantragte laut einer Mitteilung auf der Plattform X eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats und eine Zusammenkunft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).Sybiha warf Russland vor, mit der „barbarischen Raketenattacke“ in der vergangenen Nacht fehlende militärische Fortschritte auf dem Schlachtfeld im Angriffskrieg gegen die Ukraine kompensieren zu wollen.Allein in Kiew wurden mindestens zwei Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten stieg laut Bürgermeister Vitali Klitschko bis zum frühen Abend auf 81. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in den sozialen Netzwerken mit, es seien etwa 100 Menschen bei den Angriffen im Land verletzt und mindestens vier getötet worden.

Bei den massiven russischen Angriffen sind in der Nacht auch zahlreiche Kultureinrichtungen in der Ukraine beschädigt worden. Ein Überblick meiner Feuilleton-Kollegin Kerstin Holm:

Ukraine: Greifen russische Öl-Anlage anDer ukrainische ​Geheimdienst SBU greift nach eigenen Angaben mit Drohnen eine Öl-Pumpstation in der russischen Region Wladimir an. Die Anlage sei ein wichtiger Knotenpunkt für die Weiterleitung ⁠von Ölprodukten nach Moskau und in die Umgebung, teilt der SBU in den sozialen Medien mit. Sie versorge große Öllager rund um die Hauptstadt sowie die Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo mit Treibstoff. Nach dem Angriff sei ein Feuer auf einer Fläche von 800 Quadratmetern registriert worden. 

Kritik an der Zerstörung des ARD-StudiosDer Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die teilweise Zerstörung des Kiewer ARD-Studios durch einen großangelegten russischen Raketenangriff in der Nacht auf Sonntag scharf verurteilt. „Das war ein Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten für die ARD über den brutalen Krieg“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster am Sonntag in Berlin. Die Schäden entstanden laut ARD-Angaben möglicherweise durch eine Druckwelle. 

Kallas: „nukleares Säbelrasseln“ Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland wegen ⁠der jüngsten Raketenangriffe auf die Ukraine „nukleares Säbelrasseln“ vor. Der mutmaßliche Einsatz von Mittelstreckenraketen des Typs Oreschnik, die für atomare Sprengköpfe ausgelegt sind, sei eine politische Einschüchterungstaktik, schreibt Kallas auf ‌X. Russland terrorisiere die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren, weil das Land auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse stecke.

ARD-Studio in Kiew bei Angriff beschädigtBei dem massiven russischen Angriff auf die Ukraine ist auch das Studio der ARD in Kiew beschädigt worden. Eine Druckwelle habe Fenster bersten, Räume verwüsten und Wände einstürzen lassen, teilt der WDR mit. Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich keine Mitarbeiter im Studio befunden. 

Moskau bestätigt Einsatz der Oreschnik-RaketeRussland hat die Ukraine nach eigenen Angaben mit vier verschiedenen Raketentypen angegriffen. Zum Einsatz kamen die Systeme Oreschnik, Iskander, Kinschal und ‌Zirkon, meldet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Angriffe hätten sich demnach gegen militärische Kommandozentralen, Luftwaffenstützpunkte und Rüstungsbetriebe gerichtet ‌und sind dem Ministerium ‌zufolge alle erfolgreich verlaufen. Es handele sich um eine Vergeltung für ukrainische Angriffe auf zivile Ziele. Das ukrainische Militär weist die ​Vorwürfe zurück und erklärt, es habe ⁠eine russische Drohnen-Kommandoeinheit ins Visier genommen. 

Russische Angriffe in der Ukraine: Polen aktiviert LuftabwehrNach den russischen Angriffen auf die Ukraine ist die polnische Luftwaffe ‌im ‌eigenen Luftraum im Einsatz. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte ​die Armee ⁠mit. In Polen kommt es bei größeren Angriffen in der Ukraine immer wieder zur Alarmierung der Luftabwehr, manchmal steigen dabei auch Kampflugzeuge von NATO-Partnern auf. 

Mehrere Tote nach massiven russischen Luftangriffen auf die UkraineNach den massiven russischen Angriffen auf Kiew ist die Zahl der Toten in der ukrainischen Hauptstadt und der umliegenden Region auf vier gestiegen. Wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntag mitteilte, wurden in der Hauptstadt zwei Tote und 56 Verletzte verzeichnet. In der umliegenden Region Kiew gab es nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschnyk zwei Tote und neun Verletzte.Russland hatte Kiew in der Nacht mit umfangreichen Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. Die ganze Nacht über waren immer wieder laute Explosionen zu hören. Wie die ukrainische Luftwaffe am Sonntagmorgen mitteilte, hatte Russland die Ukraine mit insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen angegriffen. 549 Drohnen und 55 Raketen konnten demnach abgefangen werden.Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, setzte Russland auch seine neuartige Oreschnik-Rakete ein. Selenskyj schrieb in Onlinediensten, drei russische Raketen hätten eine Wasserversorgungsanlage getroffen, ein Markt sei niedergebrannt, dutzende Wohnhäuser und mehrere Schulen seien beschädigt worden und bei einem Angriff auf die zentralukrainische Stadt Bila Zerkwa habe Russland auch seine Oreschnik-Rakete eingesetzt. „Sie sind wirklich geistesgestört“, schrieb Selenskyj.Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Laut Präsident Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme „unmöglich“, die Rakete abzufangen.Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Russland habe „einen der größten Terrorangriffe auf Kiew“ seit Kriegsbeginn verübt. Verletzte gab es auch in anderen ukrainischen Regionen: Die Region Tscherkassy meldete elf Verletzte und die Region Dnipropetrowsk sieben. 

Nach Kiews Drohnenangriff auf Wohnheim 21 Tote geborgen Nach dem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim einer Berufsschule im russisch besetzten Gebiet Luhansk ist die Zahl der Toten laut Behörden auf 21 gestiegen. Es seien weitere Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in der Stadt Starobilsk gezogen worden, teilte das russische Zivilschutzministerium mit. Die Bergungsarbeiten seien abgeschlossen. Die Behörden hatten die Zahl der Toten nach dem Angriff am Freitag immer wieder erhöht. Es gab demnach nach letzten Angaben auch 42 Verletzte. Die Behörden setzten für Sonntag und Montag Trauer an. Die Opfer waren nach offiziellen Angaben zwischen 14 und 18 Jahren alt. Kremlchef Wladimir Putin hatte dem ukrainischen Militär einen „Terrorakt“ vorgeworfen. 

Drohne in Lettland nahe belarussischer Grenze abgestürztIn Lettland ist eine Drohne abgestürzt und explodiert. Das Fluggerät stürzte am Samstag in den Dridza-See in der Gemeinde Kraslava nahe der Grenze zu Belarus und detonierte beim Aufprall, wie die Polizei mitteilte. Anwohner alarmierten die Beamten.Nach Armeeangaben war die Drohne nicht von den Radarsystemen erfasst worden, weshalb keine Warnung an die Bevölkerung ausgegeben wurde. Die wegen eines vorherigen Drohnenvorfalls zurückgetretene und noch geschäftsführend amtierende Regierungschefin Evika Silina bestätigte den Vorfall im Onlinedienst X und erklärte, sie warte auf „möglichst detaillierte Informationen“.Derartige Vorfälle hatte es in den vergangenen Monaten häufiger gegeben, seit die Ukraine die Angriffe auf Ziele in der nahegelegenen russischen Region St. Petersburg intensiviert hatte. Am Mittwoch hatte es wegen einer Drohne erstmals Luftalarm in Litauens Hauptstadt Vilnius gegeben. Die Staats- und Regierungsspitzen wurden in Schutzräume gebracht, die Bevölkerung wurde aufgerufen, Zuflucht in Kellern oder Garagen zu suchen.

Selenskyj warnt vor Angriff mit Oreschnik-RaketeDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach den jüngsten Angriffen Kiews auf russische Ziele einen Vergeltungsschlag Russlands mit der weitreichenden Rakete Oreschnik. Sie wird von Moskau als neuartiges Waffensystem bezeichnet, kann konventionelle oder nukleare Sprengköpfe tragen und gilt als schwer abzuwehren. „Unsere Nachrichtendienste haben Berichte über eingegangene Daten erhalten, einschließlich von amerikanischen und europäischen Partnern, wonach Russland einen Schlag mit der Oreschnik-Rakete vorbereitet“, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. Die Hauptstadt Kiew ist demnach auch in Gefahr.Die US‑Botschaft in Kiew warnt vor einem möglicherweise kurz bevorstehenden schweren russischen Luftangriff auf die gesamte Ukraine. Nach ihren Informationen könne „jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden“ ein bedeutsamer Angriff erfolgen – die Warnung gelte landesweit. Russland hat die ballistische Rakete bereits zweimal in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Attrappen oder konventionellen Sprengköpfen eingesetzt – einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes und zuletzt im Januar in der Westukraine. Die Oreschnik kann mit mehreren Gefechtsköpfen ausgestattet werden und fliegt in einer hohen Geschwindigkeit. Dies stellt selbst für moderne Luftverteidigungssysteme eine Herausforderung dar. Fachleute und die Ukraine gehen jedoch davon aus, dass die angeblich neue russische Rakete gar nicht so neu ist. Demnach hat Moskau ältere Waffen modifiziert und der Rakete einen neuen Namen gegeben. Selenskyj warnte vor einem möglichen kombinierten russischen Angriff mit verschiedenen Waffentypen. „Es ist wichtig, ab heute Abend verantwortungsvoll auf Luftalarme zu reagieren“, appellierte er an seine Landsleute. „Der russische Wahnsinn kennt wirklich keine Grenzen, schützen Sie daher Ihr Leben – nutzen Sie Schutzbunker.“Mehr über die Oreschnik lesen Sie hier: