FAZ 26.05.2026
13:56 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: EU bestellt russischen Gesandten ein


Nach Drohung gegen Ausländer in Kiew +++ Neues Dekret: Wer Putins Armee beitritt, bekommt Schulden erlassen +++ Moskau: Haben NATO-Minen in Ostseehafen gefunden +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: EU bestellt russischen Gesandten ein

Großbritannien verhängt Sanktionen gegen russische Kryptonetzwerke Großbritannien verhängt neue Sanktionen gegen mit Russland verbundene Kryptowährungsplattformen, Banken ⁠und Finanznetzwerke. Sie seien zur Umgehung bestehender Strafmaßnahmen genutzt worden, begründet die Regierung in London den Schritt. Die Vermögenswerte der Betroffenen würden eingefroren. Britischen Firmen sei es verboten, Zahlungen für sie abzuwickeln oder Korrespondenzbankbeziehungen zu unterhalten. Die ‌Maßnahmen konzentrieren sich auf sogenannte Schattenfinanzsysteme, die nach britischer Darstellung Russlands Kriegswirtschaft stützen. Dazu zähle das von der russischen Führung unterstützte A7-Netzwerk. Dieses sei genutzt worden, um Geld zu transferieren, Beschaffungen zu finanzieren ‌und ausländische Bankensysteme zur Umgehung von ‌Beschränkungen auszunutzen. 

Vilnius: Russland baut Anlagen zur GPS-Störung in Europa ausLitauen sieht eine deutliche Ausweitung russischer Kapazitäten zur Störung ​von GPS-Systemen in Europa. Von der Exklave Kaliningrad aus könnten die Signale in ⁠einem Umkreis von bis zu 450 Kilometern verfälscht werden, sagte der Vize-Chef der litauischen Kommunikationsaufsicht, Darius Kuliesius, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl der entsprechenden ‌Antennen in dem stark militarisierten Gebiet zwischen den NATO-Mitgliedern Litauen und Polen sei seit Anfang 2025 von drei auf nun 36 gestiegen. Die russische Botschaft in ‌Vilnius reagierte zunächst ‌nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Regierung in Moskau hat ähnliche Vorwürfe in der Vergangenheit stets als Verleumdungskampagne zurückgewiesen.

Auswärtiges Amt weist Drohungen Russlands zurück Das ⁠Auswärtige Amt weist die Drohungen Russlands gegen die Ukraine und ausländische Botschaften zurück. „Die Drohung Russlands, dass alle ausländischen Bürgerinnen und Bürger Kyjiw verlassen sollen, zeigt, dass ​Putin weiter auf Eskalation setzt“, heißt es im Außenministerium. „Der Versuch, die Ukraine und ihre Unterstützer mittels Drohungen und Terror zu spalten, wird keinen Erfolg haben. Gezielte ⁠Angriffe auf diplomatische Vertretungen ‌stellen einen schweren Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht dar.“ Das Auswärtige Amt stehe in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Kiew und seinen Partnern. Die Sicherheit der Mitarbeitenden vor Ort habe höchste Priorität. 

Kiew: Mehr als 100 russische Drohnen in der Nacht abgeschossenIn der Nacht zum Dienstag haben die russischen Streitkräfte die Ukraine mit zwei ballistischen Raketen und 122 Drohnen angegriffen. Das teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Demnach wurden 111 Drohnen abgeschossen. An elf Orten seien Einschläge registriert worden.

Zahl der Toten in Kiew steigt auf dreiDie Zahl der Todesopfer in Kiew ist infolge des massiven russischen Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt vom Wochenende auf drei gestiegen. Das teilte die Poizei am Dienstagmorgen mit. Bei Aufräumarbeiten seien Körperteile gefunden worden, die vermutlich zu einer Frau gehören, die als vermisst gilt. Zur endgültigen Identifizierung wird ein DNA-Test angeordnet, äußerte die Polizei.Am Montag hatte die Militärverwaltung der Stadt Kiew gemeldet, dass die Zahl der Opfer infolge des Angriffs auf 91 gestiegen sei. 

USA wollen weiter im Ukrainekrieg vermittelnNach den jüngsten russischen Großangriffen und Warnungen an ausländische Botschaften in Kiew hat US-Außenminister Marco Rubio erklärt, dass sein Land weiter im Ukrainekrieg vermitteln wolle. „Jedes Mal, wenn man diese massiven Angriffe der einen oder anderen Seite sieht, ist dies eine mahnende Erinnerung daran, warum dies ein schrecklicher Krieg ist“, sagte Rubio in Indien. „Er muss beendet werden.“„Die USA stehen bereit und sind gewillt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ein Ende dieses Krieges zu erleichtern – hoffentlich wird sich zu gegebener Zeit die Gelegenheit dazu ergeben“, sagte Rubio nach einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow.

Russland wirbt für neue Rekruten mit SchuldenerlassDer russische Präsident Wladimir Putin hat ​ein Dekret zum Schuldenerlass für neue Rekruten im ⁠Ukraine-Krieg und deren Familien unterzeichnet. Wer ab dem 1. Mai einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium geschlossen hat, wird ‌samt Ehepartner von Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu zehn Millionen Rubel (rund 120.000 Euro) befreit, teilte der Kreml ‌mit. Voraussetzung sei, dass vor diesem Datum bereits ein rechtlicher Anspruch auf Eintreibung der Schulden bestand und der Vertrag für ​den Einsatz für mindestens ⁠ein Jahr unterzeichnet wurde. Zudem verlängerte Putin die Pachtrechte für staatliches Land ​für Kämpfer in der Ukraine auf unbestimmte Zeit.Die Summe von ⁠zehn Millionen Rubel ‌entspricht laut der Immobiliendatenbank Cian in etwa dem Preis für eine 35 Quadratmeter große Einzimmerwohnung in Moskau. Das ⁠Gesetz ergänzt eine ⁠Reihe von bereits bestehenden Unterstützungsmaßnahmen wie hohe Prämien oder eine ⁠bevorzugte Zulassung ​an ⁠Hochschulen. Die Regierung in Moskau ​versucht damit, ihre Truppen in dem ‌seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg aufzustocken.

Russland meldet Abschuss von Flugkörpern über Region LeningradDie russische Luftabwehr ‌hat nach offiziellen Angaben Flugkörper abgeschossen, die auf die Region ​Leningrad zusteuerten. ⁠Dies teilte der regionale Gouverneur Alexander Drosdenko über ​den Kurznachrichtendienst ⁠Telegram mit. Weitere Details ‌nannte er zunächst nicht. In der ⁠Region im ⁠Nordwesten Russlands liegt unter ⁠anderem die ​Millionenmetropole ⁠St. Petersburg. Zudem ​befinden sich dort ‌wichtige Hafenanlagen und Energieinfrastruktur wie ​Ölraffinerien.

EU-Vertretung zeigt sich unbeeindruckt von russischen DrohungenUngeachtet russischer Drohungen mit systematischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt wollen sich ​die Ukraine und die Vertretung der Europäischen Union in Kiew nicht einschüchtern lassen. Die ⁠EU wies russische Aufforderungen zurück, ihr diplomatisches Personal aus der Stadt abzuziehen. Die EU-Vertretung werde in Kiew bleiben, betonte die Leiterin des dortigen EU-Büros, Katarina Mathernova. Russland wolle mit seinen ‌Warnungen lediglich Panik säen und die Ukraine isolieren. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die Verbündeten auf, sich der russischen Erpressung nicht zu beugen.Die Führung in Moskau hatte ‌am Montag Ausländer sowie Diplomaten aufgefordert, ‌Kiew so schnell wie möglich zu verlassen. Die russischen Streitkräfte würden systematische Schläge gegen militärische und politische Entscheidungszentren in der Hauptstadt beginnen, hieß es aus dem Außenministerium. Außenminister Sergej Lawrow rechtfertigte das Vorgehen ​in einem Gespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio ⁠als Reaktion auf ukrainische Angriffe gegen Zivilisten. Russland verwies dabei auf einen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der von Russland ​kontrollierten Region Luhansk am Freitag. Die Ukraine wies dies zurück und erklärte, sie habe eine militärische Kommandoeinheit getroffen.

Toter und Verletzte nach russischen LuftangriffenBei schweren russischen Angriffen ist ukrainischen Behördenangaben nach im Osten des Landes mindestens ein Mensch getötet worden, 15 weitere wurden verletzt. In der Hafenstadt Odessa sei ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört worden, teilte Gouverneur Serhij Lyssak auf Telegram mit. Von den vier Verletzten sei einer seinen Wunden erlegen, schrieb er später.In der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk wurden derweil durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben am Abend zwölf Personen verletzt. „Unter den Verletzten ist ein achtjähriger Junge“, schrieb der ukrainische Gouverneur des Gebiets Wadym Filaschkin auf Telegram. Laut den örtlichen Behörden war es bereits der dritte schwere Angriff auf die Stadt im Tagesverlauf. 

Russland informiert USA über Angriffe auf Kiew Der russische Außenminister Sergej Lawrow ​hat nach Angaben seines Ministeriums US-Außenminister Marco Rubio über Angriffe auf die ukrainischen Hauptstadt Kiew informiert. Dies teilt das Außenministerium in Moskau mit. Die russischen Streitkräfte begännen nun mit ⁠systematischen Angriffen auf Einrichtungen, die vom ukrainischen Militär genutzt würden, sowie auf Entscheidungszentren. Es handle sich um Vergeltung für ukrainische Angriffe. Dies habe Lawrow Rubio in einem Telefonat mitgeteilt. Zuvor hat die Regierung in Moskau Ausländer aufgefordert, Kiew zu verlassen. 

Russland droht mit Angriffen auf „Entscheidungszentren“ in Kiew Nach dem massiven russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew am Wochenende hat Moskau mit einer neuen schweren Attacke gedroht. Das russische Außenministerium rief ausländische Diplomaten dazu auf, Kiew schnellstmöglich zu verlassen. Das russische Militär werde als Antwort auf den ukrainischen Beschuss eines Wohnheims in der von Russland kontrollierten Stadt Starobilsk nun systematisch Rüstungsobjekte und „Entscheidungszentren“ in Kiew angreifen, heißt es in der Mitteilung.Bei dem Angriff auf Starobilsk wurden nach Angaben der Besatzungsbehörden mehr als 20 Zivilisten getötet. Der Generalstab in Kiew wiederum erklärte, die Attacke habe einer dort stationierten Militäreinheit gegolten. 

Wieder Tote und Verletzte nach russischen Angriffen in der Ukraine Im Osten der Ukraine sind bei russischen Angriffen mindestens vier Menschen getötet worden. Bei Raketenbeschuss auf die Stadt Derhatschi im ostukrainischen Gebiet Charkiw kamen Militärgouverneur Oleh Synjehubow zufolge ein 25 Jahre alter Mann und ein 68 Jahre alter Mann ums Leben. Weitere 23 Personen wurden demnach verletzt. Ein ziviles Unternehmen, Lagerräume und Fahrzeuge seien beschädigt worden. Ein 64 Jahre alter Mann und eine 38 Jahre alte Frau kamen außerdem durch russischen Beschuss der Stadt Kramatorsk und der Siedlung Jasnohirka ums Leben, wie die regionale Staatsanwaltschaft des Gebiets Donezk mitteilte. Drei weitere seien verletzt worden. 

Russland: NATO-Minen an Tanker in Ostseehafen entdeckt Russische Behörden haben nach eigenen Angaben mehrere in NATO-Staaten hergestellte ⁠Magnetminen an einem Tanker im Ostseehafen Ust-Luga entdeckt. Taucher hätten die Sprengsätze bei der Inspektion des Schiffsrumpfes der Arrhenius gefunden, teilte das russische Ermittlungskomitee mit. Das Schiff sei aus dem belgischen Antwerpen eingetroffen, um Flüssiggas ‌zu laden. Die Minen seien inzwischen entschärft worden. Nach ersten Erkenntnissen könnten sie nicht in russischen Hoheitsgewässern angebracht worden sein, sagte eine Sprecherin.