FAZ 22.03.2026
20:21 Uhr

Liveblog Rheinland-Pfalz: Schweitzer gratuliert Schnieder zum Wahlsieg


Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22.3.2026: Aktuelle Nachrichten live

Liveblog Rheinland-Pfalz: Schweitzer gratuliert Schnieder zum Wahlsieg

Dass die CDU den Nachwahlbefragungen zufolge von allen Parteien die meisten Wähler an den AfD verloren hat, ist eine Einsicht, die den Christdemokraten ganz offensichtlich nicht besonders leichtfällt. Im Fraktionssaal schaut man gemeinsam ein Interview des ZDF mit Gordon Schnieder. Als die an die AfD verlorenen Wähler dort angesprochen werden, stöhnen viele Partygäste, einige buhen lautstark, es geht ein leichtes Raunen durch den Saal. Einer der ganz seltenen Momente an diesem Abend, die hier nicht ungebrochen euphorisch sind. 

Die Vetternwirtschaft-Affäre stört AfD-Wähler kaumDie AfD feiert ihr Rekordergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland. Und das, obwohl es im Wahlkampf viele Berichte darüber gab, wie AfD-Politiker eigene Familienmitglieder oder die von Parteifreunden als Mitarbeiter anstellen. Umfragen vom Wahltag deuten daraufhin, dass das einige Wähler durchaus stört – die Wähler der AfD aber deutlich weniger. 

Kaiserslautern: AfD vorne, doch Direktmandat geht an die SPDIm Wahlkreis Kaiserlautern I liegt die AfD bei den Landesstimmen vorne (das ist die Stimme, die sonst meistens Zweitstimme heißt und über die Stärke im Landtag entscheidet). Das Direktmandat geht aber an den SPD-Politiker Andreas Rahm. Für ihn stimmten 27,7 Prozent der Wähler – etwas mehr als für Tom Kotzian von der AfD, der 26 Prozent holte.

Schweitzer verteidigt sein DirektmandatDie Wahl zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz hat der amtierende Ministerpräsident und Spitzenkandidat der SPD, Alexander Schweitzer, verloren, das Direktmandat in seinem Wahlkreis aber hat er verteidigt. Wie das Statistische Landesamt am Sonntagabend mitteilte, wurde Schweitzer im Wahlkreis Südliche Weinstraße mit 41,4 Prozent gewählt. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Sven Koch (CDU) mit 26,3 Prozent und Eugen Ziegler (AfD) mit 18,5 Prozent. Damit hat Schweitzer sogar sein Ergebnis von der Landtagswahl 2021 verbessert: Damals kam er auf 36,9 Prozent der Stimmen. 

Die CDU feiert ihr ErgebnisDie Christdemokraten jubeln heute in Mainz. Sie sind klarer Wahlsieger. Schaut man auf den historischen Verlauf, ist der Sieg allerdings etwas blasser. Nur bei der Landtagswahl vor fünf Jahren erhielt die Partei weniger Prozente. Freuen kann sie sich heute trotzdem, anders als die SPD, die ihr historisch mit Abstand schlechtestes Ergebnis in Rheinland-Pfalz holt. 

Merz gratuliert SchniederAuf der Plattform X hat Friedrich Merz zwei Accounts: Einen als Bundeskanzler und einen als CDU-Politiker. Den zweiten hat er gerade verwendet, um einen herzlichen Glückwunsch nach Mainz zu schicken.

35 Stimmen VorsprungEs sind die kleinen Geschichten, die nun für die großen Emotionen sorgen. Gerade kommt die Landtagsabgeordnete Marion Schneid in Richtung CDU-Party gestürmt und wird von einem Parteifreund in die Arme genommen, der gleich drauflosschreit und sie in die Luft hebt. „35 Stimmen“, wiederholt sie immer wieder, „das ist ja eine Sensation“.Mit diesem Abstand hat sich Schneid in Ludwigshafen durchgesetzt. „Gegen den General“, wie sie sagt; gemeint ist SPD-Generalsekretär Gregory Scholz. Seine siegreiche Kontrahentin kann ihr Glück kaum fassen – ihr haben 28,8 Prozent der Stimmen gereicht.

Welche Themen haben die Wahl entschieden?Vor 180 Wahllokalen befragt Infratest dimap die Bürger, die gerade ihre Stimme abgegeben haben. Dabei wird auch gefragt, welche Themen besonders wichtig waren. In diesem Jahr war das die Situation der Wirtschaft. 

Eindrücke vom Wahlabend in MainzNur wenige Meter von der CDU-Wahlparty entfernt wird die Wahlarena des SWR mit allen Spitzenkandidaten live ausgestrahlt. Bei der CDU schaut manch einer aufmerksam zu, die allermeisten aber nehmen die Sendung kaum wahr. Das mag auch daran liegen, dass es für die Koalitionsbildung, die im Fernsehen besprochen wird, ohnehin nur eine realistische Option gibt: CDU und SPD. Für viele spielen Nuancen da im Moment keine Rolle. Der große Teil der Feiernden ist in Gespräche verwickelt, zu zweit oder in der Gruppe, mit Bier oder Weißwein in der Hand. Jubel brandet immer dann auf, wenn in der Sendung einzelne von der CDU gewonnene Wahlkreise gemeldet werden.

AfD will Untersuchungsausschuss einberufenDie AfD kann künftig wohl aus eigener Kraft Untersuchungsausschüsse im rheinland-pfälzischen Landtag einsetzen. Spitzenkandidat Jan Bollinger kündigt schon einmal an, dass die Partei das nutzen will. Unter anderem zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie solle ein U-Ausschuss tätig werden, sagt er im SWR.

Rhein gratuliert Schnieder zu \"historischem Wahlsieg\"Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat seinem Parteikollegen Gordon Schnieder zu einem „historischen Wahlsieg“ bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gratuliert. „Zum ersten Mal seit 35 Jahren ist der Weg frei für einen Politikwechsel und für eine christlich-soziale Koalition unter klarer Führung der CDU“, schreibt Rhein auf der Plattform Instagram.

Vier Fragen an CDU-Landesgeneralsekretär Johannes Steiniger Herr Steiniger, was war der Schlüssel zum Wahlsieg? Wir hatten eine klare Strategie und sind von der nicht abgewichen, auch wenn manche Journalisten geschrieben haben, der Spitzenkandidat der CDU sei ja so unbekannt. Wir sind nicht der Versuchung erlegen, uns gegen den Bund zu profilieren, sondern wir haben sehr klar auf Landesthemen gesetzt: Bildung, Wirtschaft, innere Sicherheit. Außerdem war uns klar, dass das TV-Duell sehr wichtig ist, wir haben es gut vorbereitet und Gordon Schnieder hat dort in einer grandiosen Art und Weise abgeliefert. Danach war zu greifen, dass alle dran glauben: es kann klappen. An den Haustüren haben wir vor allem in den letzten Tagen eine Wechselstimmung gemerkt. Hinter dem Duell liegt die AfD auf Platz drei, hat sich mehr als verdoppelt. Wie blicken Sie darauf? Wir haben Zustimmung gewonnen, andere Parteien haben Wähler verloren. Wir müssen die Wählerwanderung abwarten, aber es war, glaube ich, nicht die CDU, die einen Großteil ihrer Wähler an die AfD verloren hat. In den vergangenen Jahren hat sich für die AfD zudem viel getan, wenn Sie sich das Bundestagswahlergebnis aus dem vergangenen Jahr in der Pfalz anschauen, dann waren die Zustimmungsraten dort schon enorm, das muss uns alle besorgen. Wir als CDU wollen ein Rheinland-Pfalz, das in den Einzelthemen funktioniert. Das ist das beste Mittel, um die Populisten rechts und links wieder runterzubekommen. Muss es jetzt auf Schwarz-Rot hinauslaufen? Wir haben immer gesagt, dass wir mit den Populisten von links und rechts keine Zusammenarbeit in irgendeiner Weise eingehen. Heute Abend ist nicht die Zeit dafür, aber es liegt auf der Hand, dass wir mit der SPD ins Gespräch kommen werden. Ist denn ein Politikwechsel, wie ihn Ihr Spitzenkandidat angekündigt hat, mit der bisher prägenden Regierungspartei SPD möglich? Es war ja ein fairer Wahlkampf, einigen war er sogar zu langweilig, was ich nie habe nachvollziehen können. Denn der Streit ist in der Sache hart geführt worden, zugleich sind sich alle der Verantwortung bewusst, und beides ist gut so. Wir haben nun alle die Verantwortung, eine Lösung zu erarbeiten, um Rheinland-Pfalz in Zukunft gut zu regieren. 

CDU-Wähler deutlich gegen Koalition mit der AfDDie AfD wirbt in Mainz relativ ruppig um die CDU – zusammen hätten beide Parteien eine Mehrheit. Einerseits betonen AfD-Politiker diese Tatsache am Abend immer wieder. Andererseits zeigt man sich verärgert, dass die CDU davon nichts wissen will. „Anmaßend“ sei das, sagt AfD-Spitzenkandidat Bollinger. Aber für den wohl künftigen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder gilt auch heute Abend: „Ich habe noch nie mit den Extremisten und Populisten zusammengearbeitet“, sagt der CDU-Politiker. Dabei bleibe es. 

Juso-Chef fordert deutliche Reaktionen  Der Vorsitzende der Jusos, Philipp Türmer, fordert nach der Niederlage der SPD bei den Landtagswahlen Konsequenzen. „Die Parteispitze hat bisher keine ausreichenden Antworten gefunden – die Vorsitzenden leisten Regierungsarbeit, aber ein ​Gefühl des Aufbruchs oder eine überzeugende Erzählung für die SPD fehlt vollständig“, sagt Türmer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es muss jetzt deutliche Reaktionen geben, wenn man dem Niedergang der SPD nicht tatenlos zuschauen will.“