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22.03.2026
19:09 Uhr
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Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22.3.2026: Aktuelle Nachrichten live

Wissing weiß warumEin früherer FDP-Politiker ruft seinen alten Parteifreunden hinterher, warum sie heute verloren haben. „Das Wahlergebnis ist die Folge einer Reihe von fundamentalen Fehlentscheidungen der Partei“, sagte der ehemalige FDP-Landeschef in Mainz und ehemalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die FDP ist mit ihrer libertären Ausrichtung gescheitert. Indem sie den Staat zu ihrem Gegner erklärt hat, hat sie sich in eine Sackgasse manövriert.“ Auch ihr Verhalten beim Ampelaus habe geschadet, sagt Wissing. Folgt man dem, hat die FDP damit ein weiteres Ampelaus mit hervorgerufen – denn auch in Mainz regierte bisher eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP.
Gulaschsuppe und gute Laune bei der CDU-FraktionDie Luft im CDU-Fraktionssaal ändert sich laufend, jubelte man hier um 18 Uhr noch in höchst stickiger und mit leichtem Schweißgeruch garnierter Umgebung Arm in Arm, so hat man sich inzwischen entschieden, einige Fenster zu öffnen. Außerdem greifen immer mehr Feiernde zur Gulaschsuppe, die vor dem Saal steht, um sich nach einer intensiven Jubelstunde zu stärken. Schloss man um 18 Uhr die Augen, wähnte man sich im Stehbereich eines Fußballstadions, schließt man sie nur, fühlt man sich eher erinnert an einen soliden ungarischen Imbiss mit frisch ausgepacktem Mobiliar. In die langsam einsetzende Entspannung hinein brandet nochmal Jubel auf: eine neue Hochrechnung sieht die CDU noch etwas weiter vorn. „Ist das geil“, ruft jemand lautstark durch den Saal.
Einer hat heute Abend öffentlich noch nichts gesagt. Ministerpräsident Alexander Schweitzer ist noch nicht vor die Mikrofone getreten. Sobald er es tut, muss er dort die Niederlage seiner Partei erklären. Von Hochrechnung zu Hochrechnung wird klarer: Der Absturz der SPD hat stattgefunden. Laut ARD-Hochrechnung landet die Partei bei 26,0 Prozent. Das ist zwar deutlich mehr als sie aktuell bei einer Bundestagswahl erwarten dürfte, aber viel weniger als bei den vergangenen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz.
Bundesminister Schnieder äußert sich nach Wahlsieg seines BrudersGordon Schnieder hat vorhin schon seiner Familie gedankt. Zu der gehört natürlich auch sein Bruder, Patrick Schnieder. Der ist wie er CDU-Politiker und in der Bundesregierung Verkehrsminister. Heute Abend ist er in Mainz und sagt: Nach dem Wahlsieg seines Bruders sei er „wunschlos glücklich“.
Was Gordon Schnieder vorhatGordon Schnieder liegt mit der CDU so deutlich vorne, dass er schon darüber sprechen kann, was er als Ministerpräsident tun will. An die Bildungs- und Gesundheitspolitik wolle man stärker rangehen, sagt er. Das seien die entscheidenden Themen im Wahlkampf gewesen. Dass die SPD verloren hat, sei nur folgerichtig: „Es kann nur einen Wechsel geben“, sagt er. Der Auftrag sei klar: „Stellt das Land von Kopf auf die Füße“, betont Schnieder.
Euphorisierte Christdemokraten empfangen ihren SpitzenkandidatenDer wahrscheinliche Wahlsieger kommt kaum durch die Menge. An der Tür des CDU-Fraktionssaals im Mainzer Landtag angekommen, kämpft sich Gordon Schnieder Meter für Meter vor, so recht scheint er mit der geballten Aufmerksamkeit und Euphorie noch nicht umgehen zu können. „Die CDU in Rheinland-Pfalz ist wieder da“, sind seine ersten Worte. Wieder langer Applaus. „Es wird ohne uns nicht mehr regiert, liebe Freundinnen und Freunde“. Dann wird Schnieder, wie es seine Art ist, wieder analytischer im Ton, auch in den anschließenden Interviews. Die ersten Hochrechnungen würden bestätigen, dass die Prognosen nicht falsch waren. Er gibt sich staatstragend, bedankt sich ausführlich bei den Mitbewerbern.
Forderung nach Umbildung der SPD-Spitze im Bund Auf der Wahlparty der SPD im Fraktionssaal herrscht Resignation. Recht schnell nehmen die Genossen das deutliche Ergebnis nach 18 Uhr an. Der ehemalige Landesvorsitzende Roger Lewentz sieht die Gründe für die Niederlage bei der Bundespartei. „Wir können zehn bis zwölf Prozent drauflegen, das ist uns auch diesmal gelungen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. „Diesmal waren die Steine, die uns die Bundespartei in den Rucksack gelegt hat, einfach zu schwer.“ Spitzenkandidat Alexander Schweitzer habe hohes Tempo vorgelegt und viele Wähler für die SPD gewonnen, angesichts des Bundestrends sei aber nicht mehr möglich gewesen. „Die Welt ist von Krisen geschüttelt, Regierungsarbeit ist äußerst anspruchsvoll. Wir müssen stärker die SPD in den Mittelpunkt rücken“, sagte Lewentz und fordert damit indirekt eine Umbildung der SPD-Spitze. „Die Parteispitze muss sich stärker auf die SPD konzentrieren.“
Spitzenkandidat der Freien Wähler: Kleine Parteien kamen unter die RäderNicht nur die FDP ist in Rheinland-Pfalz künftig nicht mehr im Landtag – auch die Freien Wähler verpassen den Wiedereinzug in den Landtag. Ihr Spitzenkandidat Joachim Streit sagt: „Seit der Baden-Württemberg-Wahl vor zwei Wochen passierte auch in Rheinland-Pfalz etwas, was ich als Duell-Situation wahrnehme“, sagte er in Bezug auf das Umfragerennen zwischen CDU und SPD. „Die kleinen Parteien kamen dabei unter die Räder.“
SPD-Chefin Bas: Das ist ein „einschneidendes Erlebnis“35 Jahre hat die SPD in Mainz die CDU in der Opposition gehalten. Nun dürfte sie dort deren Juniorpartner in der Regierung werden. Für die SPD bedeutet das den Verlust einer weiteren Machtbasis. Entsprechend beeindruckt äußert sich Bundeschefin Bärbel Bas.
Absturz der Freien DemokratenDie FDP fliegt aus der Regierung und aus dem Landtag. „Ich habe bis zum letzten Moment gekämpft\", sagt die FDP-Spitzenkandidatin Daniela Schmitt. „Wir waren immer zuversichtlich“, sagt sie, doch man habe sich mehr Rückenwind aus Baden-Württemberg erhofft. Auch im Nachbarland war die FDP aus dem Parlament geflogen, obwohl sie dort historisch noch deutlich stärker war als in Rheinland-Pfalz. Dort lässt Schmitt offen, ob sie zurücktritt, nachdem ihre Partei mehr als die Hälfte ihrer Wähler verloren hat. Zum neuen Mainzer Landtag sagt die FDP-Politikerin: „Ein Parlament ohne Liberale hat einen Makel“.
Wahlsieger Schnieder: „CDU ist wieder da“Seit 1991 stellt die SPD den Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz. Und dass, obwohl die CDU bei Bundestagswahlen dort oft gut abschnitt und vorne lag. Jetzt gilt das auch wieder für den Landtag. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder jubelt: „Die CDU ist wieder da“. Er dankt der SPD für den „fairen Wahlkampf“, seiner Familie und seiner Partei für die Unterstützung. „Ich habe die Partei schon lange nicht mehr so geschlossen gesehen“.
Spahn erinnert an Helmut KohlAngesichts des Sieges in Mainz fällt es dem Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn, nun leichter, eine Niederlage von vor zwei Wochen in Baden-Württemberg zuzugeben. Dort sei es nicht gelungen, den Ministerpräsidenten zu stellen. Dabei hatte Spahn nach dem knappen Ausgang dort selbst davon gesprochen, er könne sich vorstellen, dass Grüne und CDU sich das Amt dort teilen und nach zwei Jahren wechseln.Angesichts des Bildes in Mainz dürfte auf solche Idee heute niemand kommen. Die CDU liegt glasklar vorne. Eine Regierung wäre zwar auch mit der AfD rechnerisch möglich. Aber das schließt die CDU aus. Daher läuft es auf eine schwarz-rote Koalition raus. Dass das für die CDU kein nachrangiges Bundesland ist, kann man bei Spahn auch raushören: Er erinnert daran, dass Rheinland-Pfalz das Heimatland von Helmut Kohl ist.
Woher kommen die neuen AfD-Wähler?Die Alternative für Deutschland hat ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren fast verdoppelt. Woher kommen Ihre neuen Wähler? Auch das lässt sich aus den Umfragen vor den Wahllokalen ablesen. Eindeutige Erkenntnis: Die meisten neuen AfD-Wähler haben vor fünf Jahren ihre Stimme gar nicht abgegeben.