FAZ 23.03.2026
13:11 Uhr

Liveblog Irankrieg: Trump verschiebt nach „sehr guten“ Gesprächen Angriffe auf iranische Kraftwerke


Iran dementiert Gespräche mit den USA +++ Trump-Ankündigung beflügelt Aktienmärkte und lässt Ölpreis einbrechen +++ Explosionen in Teheran nach israelischen Angriffen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Trump verschiebt nach „sehr guten“ Gesprächen Angriffe auf iranische Kraftwerke

Israels Militär: Angriffe im Zentrum von Teheran Israel greift nach eigenen Angaben Teheran an. Die Attacken richteten sich auf das Zentrum der iranischen Hauptstadt, ​teilte das Militär mit.

Teheran dementiert Gespräche mit den USAIran hat der Darstellung Donald Trumps widersprochen, wonach es in den vergangenen beiden Tagen „sehr gute und konstruktive Gespräche“ zwischen Amerika und Iran gegeben habe. Das Außenministerium in Teheran teilte laut der Nachrichtenagentur Mehr mit: „Es gibt keine Gespräche zwischen Teheran und Washington.“Die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten müssten als Versuch gewertet werden, die Energiepreise zu senken „und Zeit für seine militärischen Pläne zu gewinnen“. Es gebe Bemühungen von Ländern in der Region zur Deeskalation. Teherans Antwort darauf sei: „Wir sind nicht diejenigen, die den Krieg begonnen haben. Alle solche Anfragen sollten an Washington gerichtet sein.“Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Fars eine „iranische Quelle“ mit der Aussage zitiert: „Es gibt weder direkten Kontakt zu Trump noch über irgendwelche Vermittler. Trump hat zurückgezogen, nachdem er gehört hat, dass unsere Angriffsziele alle Kraftwerke in Westasien sein würden.“Iranische Staatsmedien reagierten mit Genugtuung auf die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, wonach das amerikanische Militär vorerst keine iranischen Kraftwerke bombardieren werde. Das Staatsfernsehen kommentierte: „Trump rudert nach Irans entschlossener Warnung zurück.“ Teheran hatte unter anderem mit Vergeltungsschlägen auf Kraftwerke in der Region gedroht. 

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an Der größte Flugzeugträger der US-Marine, die „USS Gerald R. Ford“, ist in die Souda-Bucht auf Kreta eingelaufen. Nach Angaben aus Militärkreisen wird das Schiff auf dem Marine- und Luftwaffenstützpunkt dort repariert. Während des Einsatzes im Roten Meer hatte es an Bord einen Brand gegeben. Nach Angaben der US-Marine brach das Feuer Anfang März in der Wäscherei aus. Es stand nicht im Zusammenhang mit Kampfhandlungen und konnte unter Kontrolle gebracht werden. 

China warnt vor „unkontrollierbarer Lage“ in NahostChina hat nach dem jüngsten Ultimatum des US-Präsidenten an Iran vor einer weiteren Eskalation gewarnt. „Sollte sich der Krieg ausweiten und die Lage sich erneut verschlechtern, könnte die gesamte Region in eine unkontrollierbare Situation stürzen“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums vor Journalisten.Peking ist zwar ein Verbündeter der Führung in Teheran, erklärte aber auch, dass China die iranischen Angriffe auf Golfstaaten, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden, „nicht gutheißt“. Trump wollte im März nach Peking reisen, die Reise wurde jedoch wegen des Irankriegs verschoben. 

Militär: Israeli starb durch israelischen BeschussEin Landwirt in einem israelischen Kibbuz an der Nordgrenze des Landes ist durch versehentlichen Beschuss des israelischen Militärs getötet worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vorläufige Untersuchung der Armee, nachdem zunächst von Raketenbeschuss der proiranischen Hizbullah-Miliz im Libanon ausgegangen worden war.„Das ist ein sehr schwerwiegender Vorfall“, sagte Generalmajor Rafi Milo, der Kommandeur der Truppen im Norden. Der Landwirt sei am Sonntag während eines Einsatzes zur Unterstützung israelischer Truppen im Südlibanon durch das Feuer der eigenen Streitkräfte getötet worden. Es sei zu mehreren schwerwiegenden Fehlern und Versäumnissen gekommen. Milo kündigte eine gründliche Untersuchung des Vorfalls an. 

Iran: Neue Überraschungen sind auf dem Weg Iran hat im Krieg mit Israel und den USA nach eigener Darstellung noch nicht alle seine militärischen Kapazitäten ausgeschöpft. „Der Feind soll wissen, dass neue Überraschungen auf dem Weg sind“, sagte Abdullah Hadschi-Sadeghi, ein religiöser Vertreter der mächtigen Revolutionsgarden am Montag.Die Islamische Republik werde sich niemals ergeben, zitierte ihn die mit den Revolutionswächtern verbundene Nachrichtenagentur Tasnim. „Wir sind in einer Schule erzogen worden, die Kapitulation als Erniedrigung betrachtet“, sagte Hadschi-Sadeghi. Unterdessen führt ein Angriff auf die iranische Südküste oder die Inseln des Landes nach Angaben des iranischen Verteidigungsrates zur Verminung der Seewege ⁠im Golf. Jeder Versuch eines Angriffs habe den Einsatz verschiedener Seeminen zur Folge, darunter auch von der Küste ausgesetzte treibende Minen, heißt es in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. In diesem Fall werde der gesamte Golf für lange Zeit unpassierbar sein. Hintergrund ist ein Bericht des Nachrichtenportals „Axios“, ‌wonach die USA eine Blockade oder Besetzung der wichtigsten iranischen Ölexport-Insel Kharg erwägen, um eine Öffnung der Straße von Hormus zu erzwingen. Nicht kriegführende Staaten können die Meerenge dem Rat zufolge weiterhin nur nach vorheriger Abstimmung mit Iran passieren. 

Hizbullah beansprucht mehr als 60 Angriffe auf Israel für sich Die von Iran unterstützte Hizbullah-Miliz in Libanon hat innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Angriffe auf Israel für sich beansprucht. Hizbullah-Kämpfer hätten mit Raketen, Drohnen und Artillerie unter anderem israelische Soldaten und Fahrzeuge im Grenzgebiet angegriffen, teilte die Miliz mit. Die ausgeweiteten Angriffe auf Israel seien auch eine Antwort auf dessen „systematische Angriffe auf wichtige Straßen und Brücken“ in Libanon. Die israelische Armee greift in dem Land seit mehreren Tagen wichtige Brücken, Straßen und Tankstellen an. Israel wirft der mit Iran verbündeten Hizbullah vor, über die Brücken Waffen zu schmuggeln. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wurden drei von fünf wichtigen Brücken, die über den Litani-Fluss führen, zerstört. Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach von einem Versuch Israels, die Region im Süden vom Rest des Landes „abzuschneiden“ und eine Pufferzone entlang der Grenze aufzubauen. 

Dax setzt Talfahrt nach Trump-Ulitmatum fort Der Dax hat seine Talfahrt zu Wochenbeginn fortgesetzt. Angesichts der Ängste vor einem weiter eskalierenden Irankrieg büßte der deutsche Leitindex am Montag im frühen Handel 1,87 Prozent auf 21.961 Punkte ein. Damit rutschte er erstmals seit dem Zoll-Schock von US-Präsident Donald Trump im April 2025 unter die Marke von 22.000 Punkten.Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am Montagmorgen um weitere 2,34 Prozent auf 27.145 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,6 Prozent. In Asien standen nach dem Ultimatum von Trump an Iran noch deutlichere Kursabschläge zu Buche.In der Nacht zum Sonntag hatte der US-Präsident der iranischen Führung mit der Zerstörung von Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffnen. Teheran drohte seinerseits mit der vollständigen Schließung der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge. Zuletzt hatte Iran einigen ausgewählten Handelsschiffen die Durchfahrt durch die für den Ölhandel wichtige Meerenge erlaubt. 

EU-Rüstungskommissar fordert massive Investitionen in Luftverteidigung  Angesichts der Raketenangriffe Irans auf Ziele im Nahen Osten und darüber hinaus hat EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius massive Investitionen in der Luftverteidigung der europäischen Staaten gefordert. „Wir müssen unsere Produktion zur Raketenabwehr massiv hochfahren“, sagte Kubilius der „Augsburger Allgemeinen“ vom Montag. Er sorge sich um die europäische Luftverteidigung, dies gelte insbesondere für die Ukraine, fügte der frühere litauische Ministerpräsident hinzu. „Wir reden von den Patriot-Systemen, die die Ukrainer dringend brauchen, die gerade aber am Golf sehr gefragt sind“, sagte er.Es werde dauern, bis die entstandene Lücke geschlossen ist, so Kubilius weiter. „Deshalb müssen wir über europäische Raketenabwehr-Systeme nachdenken.“ Hier könne die europäische Verteidigungsindustrie mit der Ukraine zusammenarbeiten. Kiew suche nach Partnern in Europa. „Sie sind sehr schnell und innovativ in der Entwicklung geworden“, fügte Kubilius hinzu.Europa müsse auch bei der möglichen Bedrohung durch Russland vom Beispiel Ukraine lernen, sagte der EU-Kommissar. „Sollten wir 2029 oder 2030 eine russische Aggression erleben, treffen wir auf eine kampferprobte Armee, die stärker ist als 2022 und in der Lage ist, Millionen von Drohnen einzusetzen“, warnte Kubilius. Hier habe die Ukraine anders als die europäischen Staaten Kriegserfahrungen, sowohl industriell als auch auf dem Schlachtfeld. Der EU-Kommissar forderte die Mitgliedsstaaten auf, rasch die Milliardenhilfe für die Ukraine freizugeben: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es für Europa viel teurer wird, wenn die Ukraine sich nicht gegen Russland behauptet.“ 

Irans Revolutionsgarden drohen mit Angriffen auf israelische Kraftwerke⁠Die iranischen Revolutionsgarden drohen mit Vergeltungsangriffen auf Kraftwerke in Israel und auf solche, die US-Stützpunkte in der Region mit Strom versorgen. Das geht aus ‌einer am Montag veröffentlichten Erklärung hervor. „Wenn ihr die Elektrizität trefft, treffen wir die Elektrizität\", hieß es darin. US-Präsident Donald Trump hatte am ‌Samstag gedroht, iranische Kraftwerke ‌anzugreifen, sollte Teheran nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus für die Schifffahrt öffnen. Zugleich dementierten die Garden, Wasserentsalzungsanlagen in der Region angreifen zu ​wollen.

Asiens Märkte nach Trump-Ultimatum im MinusDie drohende Eskalation im Nahen Osten macht die Märkte nervös. Japans Leitindex Nikkei 225 und der südkoreanische Kospi rutschten nach der feiertagsbedingten Handelspause am Freitag zur Eröffnung der Woche zeitweise um rund fünf Prozent ab. In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong sank der Index Hang Seng um etwa 2,8 Prozent, während in China der CSI-300-Index, der die wichtigsten Aktien auf dem Festland abbildet, zum Start zeitweise 1,4 Prozent nachgab.Auch auf den Ölpreis haben die Entwicklungen im Irankrieg starke Auswirkungen. Der Preis für Rohöl der für Europa maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent pendelte weiter deutlich über der 100-Dollar-Marke bei etwa 112 US-Dollar pro Fass (159 Liter) und lag damit mehr als 50 Prozent im Plus gegenüber dem Preisniveau vor Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran.

Schah-Sohn Pahlavi appelliert: Keine Kraftwerke zerstörenSchah-Sohn Reza Pahlavi schrieb am Sonntagabend auf der Plattform X, US-Präsident Donald Trump solle zwar weiterhin gezielt die Strukturen des iranischen Machtapparats angreifen, nicht aber jene zivile Infrastruktur, die dem iranischen Volk gehöre und für den Wiederaufbau eines freien Landes nach dem Krieg unverzichtbar sei. „Das Regime muss demontiert werden, Iran selbst aber geschützt bleiben“, forderte Pahlavi, den monarchistische Gruppen als politischen Anführer der Opposition betrachten. Sowohl er als auch die monarchistische Opposition im Exil waren bislang weitgehend auf einer Linie mit Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. 

Israel greift abermals Ziele in Teheran anAus der iranischen Hauptstadt Teheran wird eine neue Welle israelischer Luftangriffe mit heftigen Explosionen in mehreren Bezirken der Millionenmetropole gemeldet. Zuvor hatte das israelische Militär auf der Plattform Telegram den Beginn einer weiteren Serie umfangreicher Attacken auf Regierungseinrichtungen der Islamischen Republik verkündet. In Teheran stationierte Reporter des arabischen Senders Al Jazeera berichteten kurz darauf von „beispiellosen“ Explosionen, vor allem in den östlichen Vierteln der Stadt. Die Luftabwehr sei im Dauereinsatz.