FAZ 24.03.2026
10:07 Uhr

Liveblog Irankrieg: Steinmeier: Wenig Zweifel, dass Irankrieg „völkerrechtswidrig“ ist


Bundespräsident fordert schlagkräftigere Außenpolitik +++ Israel attackiert Vororte von Beirut, Iran feuert Raketen ab +++ Einschläge in Tel Aviv +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Steinmeier: Wenig Zweifel, dass Irankrieg „völkerrechtswidrig“ ist

Südkorea ruft Bevölkerung zum Energiesparen aufSüdkoreas Präsident ​Lee Jae-myung ruft wegen der Risiken für die Öl- und Gasversorgung durch den Irankrieg zum Energiesparen auf. Die Bevölkerung wird gebeten, im Alltag mehrere ⁠Maßnahmen zu beherzigen – etwa kürzeres Duschen oder das Aufladen von Handys und E-Autos nur während des Tages. Das Wäschewaschen oder Staubsaugen soll auf das Wochenende gelegt werden. Öffentliche Einrichtungen sollen Dienstwagen weniger nutzen. Einschränkungen für Privatfahrzeuge seien vorerst freiwillig, sagt Energieminister Kim Sung-whan. Dies könnte bei einer höheren Energiealarmstufe aber überdacht ‌werden. Zudem werde die Regierung die 50 Unternehmen mit dem größten Ölverbrauch auffordern, ihren Verbrauch zu drosseln. Um die Abhängigkeit von Flüssigerdgas (LNG) zu verringern, will die Regierung in Seoul zudem bis Mai fünf Atomreaktoren wieder anfahren, Beschränkungen für Kohlekraftwerke lockern und den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. 

Iran meldet 30 Festnahmen von Verdächtigen im KriegIrans Sicherheitsdienste haben im Zusammenhang mit dem Krieg 30 Verdächtige festgenommen. Die Festnahmen durch den Geheimdienst erfolgten in den Provinzen Lorestan, Hamedan und Kerman, wie der staatliche iranische Rundfunk berichtete. In einer Mitteilung war die Rede von „Söldnern“ Israels und „Vaterlandsverrätern“. Es seien elf Starlink-Geräte und Waffen beschlagnahmt worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren. 

Mindestens 15 Kämpfer von pro-iranischem Netzwerk im Irak getötet Bei einem Luftangriff im Westen des Irak sind mindestens 15 Kämpfer eines pro-iranischen Netzwerks getötet worden. Es habe sich um einen Angriff der USA gehandelt, teilte das Netzwerk Hasched-al-Schaabi am Dienstagmorgen mit. Getötet wurde demnach unter anderem der örtliche Kommandant der Provinz Anbar, Saad Dawai al-Baidschi.Zuvor hatte es aus Kreisen des Netzwerks geheißen, der Angriff habe einem Treffen von Kommandanten auf einem Stützpunkt in der Provinz Anbar gegolten. Sicherheitskreisen zufolge wurden die Verletzten in einem Krankenhaus behandelt.Seit Beginn des Irankriegs wurden Stellungen der Hasched-al-Schaabi bereits mehrfach angegriffen. Es handelt sich dabei um ein von Iran unterstütztes Netzwerk ehemaliger Paramilitärs, deren Mitglieder jetzt der regulären irakischen Armee angehören. Hasched-al-Schaabi ist auch als „Volksmiliz“ bekannt. Offiziell wurde das Bündnis in die irakischen Streitkräfte eingegliedert, agiert aber weitgehend autonom. 

Tote bei Angriffen im Nordwesten IransIm Nordwesten Irans sind bei der Bombardierung eines Wohnviertels mindestens sechs Menschen getötet worden. Neun weitere Menschen seien bei dem Luftangriff in Tabris verletzt worden, berichteten iranische Medien übereinstimmend. Betroffen war ein Stadtteil im Norden sowie ein Platz im Südwesten der iranischen Millionenmetropole. Seit mehr als drei Wochen führen Israel und die USA Krieg gegen Iran.Nutzer in den sozialen Medien berichteten von schweren Explosionen in der Großstadt, die sich gegen zwei Uhr nachts vor Ort ereigneten.Vollständige Opferzahlen aus Iran liegen nicht vor. Seit mehr als zwei Wochen veröffentlichen die Behörden keine Statistiken zu Kriegstoten mehr. Nach Angaben des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA wurden mehr als 3200 Tote verifiziert, darunter mindestens 1400 Zivilisten. 

Einschläge in Tel Aviv bei iranischem AngriffBei einem iranischen Raketenangriff auf Israel hat es in der Küstenmetropole Tel Aviv nach Angaben von Sanitätern mehrere Einschläge gegeben. An vier Einschlagsorten seien sechs Menschen verletzt worden, berichtete der Rettungsdienst Magen David Adom nach Angaben des Nachrichtenportals „ynet“. Nach Polizeiangaben handelte es sich um den Einschlag von Raketentrümmern.Videoaufnahmen zeigten, wie an einem Ort Rauch aufstieg. Einwohner Tel Avivs berichteten, sie hätten starke Explosionsgeräusche gehört. Vorher hatte es in der Mittelmeerstadt wieder Raketenalarm gegeben. 

Israels Finanzminister will Teile Libanons übernehmenDer israelische Finanzminister Bezalel Smotrich ​hat eine Ausweitung des israelischen Territoriums auf große Bereiche ⁠des Südlibanon gefordert. Die neue israelische Grenze müsse der Fluss Litani sein, sagte der Politiker am Montag in einem Radiointerview. Smotrich, der ‌einer kleinen rechtsextremen Partei angehört, erhebt oft Forderungen, die nicht der Regierungslinie von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entsprechen. Eine Stellungnahme von Netanjahus ‌Büro lag ‌zunächst nicht vor.Israel treibt seit einigen Tagen eine Offensive im Süden des Libanon voran. Damit soll verhindert werden, dass die mit ​Iran verbündete Hizbullah-Miliz den Norden ⁠Israels angreifen kann. Wie ein Militärvertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagte, beschränken die israelischen Bodentruppen ​ihre Einsätze jedoch auf Gebiete nahe der Grenze und weit entfernt ⁠vom Litani. Allerdings hat ‌die Luftwaffe Brücken über den Fluss bombardiert und Evakuierungen in der Region angeordnet.Verteidigungsminister Israel Katz hatte in diesem Monat bereits angedeutet, ⁠dem Libanon ⁠drohe ein Gebietsverlust, sollte die von Iran unterstützte Hizbullah-Miliz nicht entwaffnet werden. ⁠Israelische ​Truppen hatten ⁠den Südlibanon bereits einmal von ​1982 bis 2000 besetzt. Damals sollte das ‌Gebiet als Pufferzone Schutz vor Angriffen auf israelisches Territorium bieten. 

Von der Leyen fordert Ende der KampfhandlungenDie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein Ende der Kampfhandlungen im Nahen Osten gefordert. „Es ist von größter Bedeutung, dass wir zu einer ausgehandelten Lösung kommen, die den Kampfhandlungen, die wir im Nahen Osten beobachten, ein Ende setzt“, sagte von der Leyen vor Journalisten während eines Besuchs in Canberra anlässlich der Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen Australien und der EU.Von der Leyen verwies insbesondere auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges. „Wir alle spüren die Folgewirkungen auf die Gas- und Ölpreise in unseren Unternehmen und unseren Gesellschaften“, sagte die EU-Kommissionspräsidentin.

Kommandant und mehrere Kämpfer von pro-iranischem Netzwerk im Irak getötetBei einem Angriff im Westen des Irak sind der Kommandant sowie mehrere Kämpfer des pro-iranischen Netzwerks Hasched al-Schaabi nach Angaben der Gruppe getötet worden. Bei dem Angriff seien der Provinzkommandant der Provinz Anbar, Saad Dawai al-Baidschi, sowie weitere Kämpfer getötet worden, teilte Hasched al-Schaabi mit, ohne weitere Details zu nennen. Aus Kreisen des Netzwerks erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, „bei einem US-Angriff“ seien sieben Kämpfer getötet und 13 weitere verletzt worden. Kreisen des Netzwerks zufolge visierte der Angriff ein Treffen von Kommandanten auf einem Stützpunkt in der Provinz Anbar an. Sicherheitskreisen zufolge wurden die Verletzten in einem Krankenhaus behandelt.

Iranisches Staatsfernsehen meldet neue Angriffe auf IsraelDie iranischen Streitkräfte haben dem iranischen Staatsfernsehen zufolge eine neue Salve von Raketen auf Israel abgefeuert. Die iranischen Raketen hätten „mehrere israelische Luftabwehrsysteme durchdrungen“, teilte der staatliche iranische Fernsehsender Irib mit. Die israelische Armee erklärte, sie habe anfliegende iranische Raketen geortet und arbeite daran, sie abzufangen.Bei einem vorherigen iranischen Angriff war bereits ein Gebäude im Norden Israels getroffen worden. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom veröffentlichte ein Video eines beschädigten Gebäudes und teilte mit, dass es bei dem Vorfall keine Todesopfer gegeben habe.

Mehrheit skeptisch bei Aufnahme weiterer iranischer FlüchtlingeDie Eskalation im Iran-Krieg hat eine Diskussion über mögliche Flüchtlingsbewegungen aus der Region ausgelöst. In Deutschland sind 73 Prozent der Menschen der Meinung, dass ihr Land mit der Aufnahme weiterer iranischer Flüchtlinge nicht gut zurechtkommen würde, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag von „Stern“ und „RTL“ ergab. Demnach sind Anhänger der CDU/CSU mit 80 Prozent überwiegend dieser Meinung, unter den Wählern der AfD sind es 98 Prozent. Aber auch bei Anhängern der SPD (63 Prozent) und der Linken überwiegt die Skepsis. Allein Unterstützer der Grünen sehen den Angaben zufolge mehrheitlich in dieser Frage keine größeren Probleme auf Deutschland zukommen.

Israelische Armee greift Ziele im Süden von Beirut anDie israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele in südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Angriffe visierten Infrastruktur der pro-iranischen Hizbullah-Miliz an, teilte die israelische Armee mit. Zuvor hatte die Armee die Bewohner südlicher Vororte von Beirut zur Evakuierung aufgerufen.Live-Aufnahmen von AFPTV zeigten Rauchwolken über den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von einer Reihe von Angriffen in dem Gebiet. In und um Beirut seien niedrig fliegende israelische Kampfflugzeuge zu hören gewesen. NNA meldete außerdem weitere israelische Angriffe im Südlibanon. Die israelische Armee richtete zudem einen Evakuierungsaufruf an die Bewohner von zwei Küstenstädten nahe der südlibanesischen Stadt Tyrus.

Bericht: USA sehen in Irans Parlamentspräsidenten möglichen Partner Die US-Regierung zieht einem Medienbericht zufolge den iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf als möglichen Partner und sogar als künftigen Staatschef in Betracht. Zumindest einige Vertreter im Weißen Haus sähen in ihm einen geeigneten Ansprechpartner, der Iran führen und in der nächsten Phase ​des Krieges mit US-Präsident Donald Trump verhandeln könnte, berichtet das Nachrichtenportal „Politico“ unter Berufung auf zwei Regierungsvertreter. Stellungnahmen aus Washington und Teheran liegen zunächst nicht vor.

Selenskyj: Russland liefert Iran GeheimdienstinformationenDer ukrainische Militärgeheimdienst verfügt nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj über unwiderlegbare Beweise dafür, dass Russland Iran Geheimdienstinformationen liefert. Russland nutze dafür seine eigenen Fähigkeiten zur elektronischen Aufklärung sowie Daten von Partnern aus der Region. Dies helfe ​Iran, präzisere Angriffe auszuführen, und verlängere den Krieg im Nahen Osten, erklärt Selenskyj auf der Plattform X. Die Regierung in Moskau hat in der vergangenen Woche einen Bericht des „Wall Street Journal“ über die Weitergabe von Satellitenbildern und Drohnentechnologie an Iran als Falschmeldung zurückgewiesen.