FAZ 27.03.2026
04:22 Uhr

Liveblog Irankrieg: Pistorius: Deutschland ist vor Irans Raketen sicher


Verteidigungsminister setzt auf NATO-Flugabwehr +++ Flugzeugträger USS Gerald R. Ford auf dem Weg nach Split +++ Pentagon könnte 10.000 weitere Soldaten entsenden +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Pistorius: Deutschland ist vor Irans Raketen sicher

Bericht: USA haben seit Kriegsbeginn über 850 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert Das US-Militär hat einem Bericht der „Washington Post“ zufolge in den vier Wochen des Krieges mit Iran über 850 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert. Damit seien diese Präzisionswaffen in einem Tempo verbraucht worden, das einige Vertreter des Pentagon alarmiert und interne Diskussionen darüber ausgelöst hat, wie man den Vorrat aufstocken könnte, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Reuters konnte den Bericht nicht sofort bestätigen. Das US-Verteidigungsministerium und das Weiße Haus reagierten nicht ‌sofort auf Anfragen von Reuters nach einer Stellungnahme. 

Basidsch-Miliz stoppt drei Schiffe in der Straße von HormusDie Basidsch-Miliz in Iran hat drei Containerschiffen die Fahrt durch die Straße von Hormus verwehrt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim begründete die Miliz ihr Vorgehen mit angeblichen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, wonach die Meerenge für die Schifffahrt offen sei. Die Miliz wies auf die offizielle iranische Haltung hin, dass für Schiffe mit Verbindungen zu Israel, den USA und deren Verbündete die Passage verboten sei.Trump hatte zuvor abermals sein Ultimatum zur Wiedereröffnung der Meerenge verlängert. Die angekündigten Angriffe auf Irans Energieinfrastruktur verschob er um zehn Tage – auf den 6. April 2026. Zuvor hatte er die Passage von zehn Öltankern als „Geschenk“ Teherans bezeichnet und als Zeichen des guten Willens dargestellt. 

Kuwait: Größter Hafen bei Drohnenangriff beschädigt Kuwaits größter Handelshafen ist am Freitag bei einem Drohnenangriff beschädigt worden. Der Hafen von Schuwaich sei am Morgen „von feindlichen Drohnen“ angegriffen worden, teilte die kuwaitische Hafenbehörde im Onlinedienst X mit. Es gebe Hinweise auf Sachschäden, aber keine Opfer. Nach Regierungsangaben wurde zudem ein zweiter Hafen angegriffen, der sich derzeit im Bau befindet. Der Hafen von Mubarak al-Kabeer sei durch Drohnen und Raketen getroffen worden. Verletzte habe es nicht gegeben. 

Iran: USA und Israel haben Genozid vor Teherans Außenminister Abbas Araghtschi warnt vor einem Völkermord durch Israel und die Vereinigten Staaten in seinem Land. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf verwies er auf zahlreiche Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen in seinem Land. „Das Vorgehen der Aggressoren, gepaart mit ihrer Rhetorik, lässt kaum Zweifel an ihrer klaren Absicht, Völkermord zu begehen“, sagte er in einer Videobotschaft an das Gremium. Der Menschenrechtsrat tagte zu dem Angriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden des Landes, bei dem nach iranischen Angaben rund 170 Schülerinnen, Mitarbeiter und Angehörige getötet wurden. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat dazu eine Untersuchung angekündigt.Laut iranischen Angaben sind seit Kriegsbeginn insgesamt mehr als 1.900 Zivilisten getötet und Zehntausende verletzt worden, wie der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, berichtete. In allen Provinzen seien Wohnhäuser, Schulen, Gerichte, Verkehrsnetze und Energieanlagen getroffen worden, sagte er im Menschenrechtsrat. Es bestehe deshalb „Anlass zu ernster Besorgnis“, ob der Schutz der Zivilbevölkerung eingehalten werde, wie es das humanitäre Völkerrecht vorschreibe, sagte Türk. 

Tote bei Luftangriff auf Ghom Bei einem Luftangriff auf Ziele in der iranischen Stadt Ghom sind nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 15 Menschen getötet worden. Weitere zehn Personen seien verletzt, sagte der stellvertretende Gouverneur der gleichnamigen Provinz, Mortesa Heidari, der staatlichen Nachrichtenagentur Isna. Die Rettungskräfte suchten im Stadtviertel Pardisan weiterhin nach Verschütteten. Die Zahl der Todesopfer könne daher noch steigen.Es liegen keine Angaben über die getroffenen Ziele vor, und es gibt keine unabhängige Bestätigung.Ghom gilt als religiöses Zentrum im Iran und zählt zu den wichtigsten schiitischen Wallfahrtsorten weltweit. Die Region ist zudem wegen strategischer Industrie- und Atomanlagen von strategischer Bedeutung. 

Wadephul: Bald direkte Gespräche zwischen USA und IranIn den Bemühungen um ein Ende des Irankriegs gibt es nach Aussage von Außenminister Johann Wadephul Vorbereitungen für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und Irans. „Das soll wohl in der nächsten Zeit recht kurzfristig in Pakistan stattfinden“, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Vorher habe es nach seinen Informationen indirekte Kontakte gegeben. Er bezeichnete das als „erste Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht“.„Man hat offensichtlich schon erste Positionen schriftlich ausgetauscht über Dritte.“ Weiter sagte Wadephul, er wisse nicht genau, „wer das alles fazilitiert hat“. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio werde das „vielleicht heute auch noch etwas genauer darstellen“. Es helfe aber auch gar nicht, so etwas allzu öffentlich zu diskutieren.Wadephul trifft sich heute im französischen Vaux-de-Cernay mit den G-7-Außenministern, um über einen Weg aus dem Irankrieg zu beraten. Auch Rubio nimmt an diesem zweiten Tag der Beratungen teil.Bei dem jetzigen Treffen der Allianz der „Gruppe der Sieben“, zu denen neben Deutschland auch Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA gehören, wolle er besprechen, wie man zu einem Ende der Kampfhandlungen komme, sagte Wadephul. Es gehe darum, etwas über die Vorgehensweise und Interessenlage der USA zu erfahren.„Wir werden natürlich auch unsere Interessenlage dort zur Geltung bringen“, ergänzte er. Dabei gehe es etwa um die Begrenzung wirtschaftlicher Folgen des Krieges. Als Beispiel nannte er die Erhöhung der Spritpreise. Diese werde man nicht durch gesetzliche Regelungen begrenzen können, „sondern nur dadurch, dass dieser Konflikt beigelegt wird“. 

Wadephul: Keine konkrete Hilfsanfrage der USADie Vereinigten Staaten haben nach Angaben von Bundesaußenminister Johann ​Wadephul keine konkrete Hilfsanfrage an die Bundesregierung im Irankrieg gestellt. „Nein“, sagte Wadephul ⁠am Freitag im Deutschlandfunk auf eine entsprechende Frage. Es gebe im Übrigen keine rechtlichen Voraussetzungen dafür, dass Deutschland während des Krieges einen Beitrag leisten könne. ‌Die Bundesregierung habe aber mehrfach angeboten, dass sie zur Unterstützung nach einem Kriegsende bereit sei. Wadephul äußerte sich vor Gesprächen mit dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio ‌bei einem G-7-Außenministertreffen bei Paris. ‌Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte sich zuvor unzufrieden damit geäußert, dass Deutschland keine Unterstützung leiste. Wadephul nannte die Kritik aus den Vereinigten Staaten „irritierend“.Wadephul äußerte sich zurückhaltend gegenüber direkten Gesprächen ​etwa Deutschlands mit der iranischen ⁠Führung. Ein vielstimmiger Chor bringe wenig. Es gebe Kontakte der Vereinigten Staaten mit Iran über Pakistan. „Der ​Iran ist potentiell auch für uns eine Gefahr. Deswegen haben wir natürlich einfach auch ⁠ein Interesse, zu einer ‌gemeinsamen Position mit den USA zu kommen und darum wird es hier heute gehen“, sagte er zu den G-7-Gesprächen. Auch der saudische und der indische ⁠Außenminister sind zum Treffen ⁠der Außenminister der wichtigsten westlichen Industriestaaten angereist. Wadephul unterstrich mit Hinweis auf die wirtschaftlichen ⁠Folgen ​des ⁠Krieges, dass die Kampfhandlungen am besten schnell ​enden sollten.Abermals sagte der CDU-Politiker, dass etwa ‌das von Rubio geäußerte Kriegsziel, die militärischen Fähigkeiten Irans zu dezimieren, auch ein ​Ziel sei, das deutschen Sicherheitsinteressen diene. 

USS Gerald R. Ford auf dem Weg nach SplitDer größte Flugzeugträger der amerikanischen Marine, die USS Gerald R. Ford, hat die Souda-Bucht auf Kreta wieder verlassen und nach Informationen aus Militärkreisen Kurs auf das kroatische Split genommen. Dies berichten übereinstimmend griechische Medien.Während des Einsatzes im Roten Meer hatte es an Bord einen Brand gegeben. Nach Angaben der amerikanischen Marine brach das Feuer Anfang März in der Wäscherei aus. Es stand nicht im Zusammenhang mit Kampfhandlungen und konnte unter Kontrolle gebracht werden. Amerikanische Medien berichteten zudem von erheblichen Problemen mit den Toiletten sowie im Bereich der Unterkünfte der Besatzung.In Split soll der Flugzeugträger nun die Marinebasis Lora anlaufen. Sie verfügt über spezialisierte Kapazitäten für anspruchsvolle technische Arbeiten und gilt als wichtiger Standort für multinationale Übungen der NATO. Eine Bestätigung der Marine lag zunächst dazu nicht vor. Zuvor war das Schiff in die Souda-Bucht auf Kreta eingelaufen, wo erste Reparaturen vorgenommen wurden. Parallel hatten linke Parteien und Gruppierungen gegen die Präsenz des Flugzeugträgers auf Kreta demonstriert. Beobachter in griechischen Medien verwiesen darauf, dass die Behörden offenbar vermeiden wollten, dass es bei Landgängen von rund 4.500 Besatzungsmitgliedern in der vergleichsweise kleinen Stadt Chania zu Zwischenfällen kommt. 

Russland will Iran keine Geheimdienstinformationen gegeben habenRusslands Regierung hat den Vorwurf der Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Iran zur Bekämpfung von US-Militärobjekten im Nahen Osten zurückgewiesen. „Wir haben dem Iran bestimmte Arten militärischer Güter geliefert, aber dem Vorwurf, dass wir dem Iran mit Aufklärungsdaten helfen, können wir nicht zustimmen“, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit dem Sender France Television, das auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht wurde.Die Koordinaten der US-Militärbasen in der Region seien bekannt und offen zugänglich. Sie müssten nicht vom Geheimdienst übermittelt werden. „Ich wundere mich nicht darüber, dass Iran sie attackiert“, sagte Russlands Chefdiplomat. Er bestätigte dabei, dass Moskau und Teheran weiterhin strategische Partner seien.Dass Iran auch Ziele in den arabischen Ländern der Region angreife, sei Folge des völkerrechtswidrigen Angriffs der USA und Israels, betonte Lawrow. Parallelen zum eigenen Angriffskrieg in der Ukraine wies er dabei zurück. 

Iran pocht auf Recht zur Blockade der Straße von HormusIran ⁠bezeichnet es als sein legitimes Recht, Schiffe des „Feindes und seiner Verbündeten“ an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu hindern. Dies erklärt der iranische ‌Außenminister in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres, wie der iranische Sender Press TV berichtet.

Israel greift Ziele in Teheran an – Iran meldet Angriffe auf Golfstaaten und IsraelDie israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran attackiert. Bei den „großangelegten“ Angriffen sei „Infrastruktur des iranischen Terrorregimes im Herzen Teherans“ anvisiert worden, erklärte die israelische Armee am Freitagmorgen.Die iranischen Revolutionsgarden erklärten derweil, am Donnerstag Ziele in Israel sowie von der US-Armee genutzte Stützpunkte in mehreren Golfstaaten mit Raketen und Drohnen angegriffen zu haben. Bei den Angriffen seien Lang- und Mittelstreckenraketen sowie „zerstörerische und umherstreifende Drohnen“ eingesetzt worden, hieß es in einer von den iranischen staatlichen Nachrichtenagenturen Irna und Fars verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden. Die Attacken hätten sich gegen Ziele in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait und Bahrain gerichtet. In Bahrain sei eine Wartungsanlage für das US-Luftverteidigungssystem Patriot ins Visier genommen worden.

Agentur: Thailändisches Frachtschiff läuft vor iranischer Insel auf GrundEin unter thailändischer Flagge fahrendes Frachtschiff ist nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim vor der Insel Keschm auf Grund ‌gelaufen. Die „Mayuree Naree“ war Anfang des Monats in der Straße von Hormus bereits von unbekannten Geschossen getroffen worden. Thailändischen Angaben zufolge ‌hatte die ‌omanische Marine 20 Besatzungsmitglieder gerettet, nachdem eine Explosion im Heck des Frachters ein Feuer im Maschinenraum ausgelöst hatte.

Medien: Pentagon könnte 10.000 weitere Soldaten sendenDas Pentagon erwägt Medienberichten zufolge die Entsendung von bis zu 10.000 weiteren Soldaten in den Nahen Osten. Dies würde US-Präsident Donald Trump zusätzliche Flexibilität in den Gesprächen mit Teheran einräumen, berichtete das „Wall Street Journal“ (WSJ) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Portal „Axios“ schrieb unter Berufung auf einen ranghohen Verteidigungsbeamten, die Entscheidung werde nächste Woche getroffen. Die Soldaten würden aus anderen Kampfeinheiten stammen als diejenigen, die bereits in die Region entsandt worden seien. Laut „WSJ“ dürfte die Einsatztruppe aus Infanteristen bestehen, die zu den rund 5.000 Soldaten vor Ort und Tausenden Fallschirmjägern der 82. Luftlandedivision hinzukämen. Diese seien bereits in die Region beordert worden.

Agentur: Selenskyj trifft saudischen Kronprinzen in DschiddaDer saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ‌und der ‌ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beraten nach Angaben der staatlichen ​saudischen Nachrichtenagentur ⁠in Dschidda über die regionale Eskalation und den ​Krieg in der Ukraine. Weitere ⁠Einzelheiten wurden zunächst ‌nicht genannt. Selenskyj hatte Anfang des Monats ⁠nach einem Gespräch ⁠mit dem Kronprinzen das ⁠Angebot Kiews ​erneuert, ⁠bei der ​Abwehr iranischer Drohnen zu helfen.