FAZ 10.05.2026
08:29 Uhr

Liveblog Irankrieg: Netanjahu: Noch nicht alle Kriegsziele Israels in Iran erreicht


Netanjahu zu iranischem Uran: „Man geht hinein und holt es raus +++ Frachter vor Qatar von Projektil getroffen +++ London entsendet Zerstörer in die Straße von Hormus +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Netanjahu: Noch nicht alle Kriegsziele Israels in Iran erreicht

Nach gescheitertem US-Friedensvorschlag für Iran: Ölpreise ziehen anGescheiterte Friedensbemühungen im Konflikt zwischen ​den USA und dem Iran haben die Ölpreise ⁠am Montag kräftig steigen lassen. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 3,14 Prozent auf 104,47 Dollar je ‌Barrel, während US-Leichtöl der Sorte WTI um 3,24 Prozent auf 98,51 Dollar zulegte. Hoffnungen auf ein baldiges ‌Ende der ‌seit zehn Wochen andauernden Auseinandersetzung und eine Öffnung der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus erhielten einen ​Dämpfer, nachdem US-Präsident Donald ⁠Trump die iranische Antwort auf einen US-Friedensvorschlag am Sonntag (Ortszeit) als inakzeptabel zurückgewiesen hatte. ​Nun richten sich die Blicke auf Trumps Reise nach ⁠Peking am ‌Mittwoch, wo er US-Regierungskreisen zufolge mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping auch über den Iran sprechen wird. ⁠Die anhaltende ⁠Blockade der Schifffahrtsroute verknappt das weltweite Angebot massiv: Nach Angaben ⁠von ​Saudi-Aramco-Chef ⁠Amin Nasser vom Sonntag fielen ​in den vergangenen zwei Monaten rund ‌eine Milliarde Barrel Öl aus.

Netanjahu: Israel soll unabhängig von US-Finanzhilfen für Militär werdenDer israelische Ministerpräsident Benjamin ​Netanjahu will sein Land innerhalb eines Jahrzehnts ⁠unabhängig von der finanziellen Militärhilfe der USA machen. „Ich möchte die amerikanische Finanzhilfe, den finanziellen Teil unserer ‌militärischen Zusammenarbeit, auf null reduzieren“, sagte Netanjahu in einem am Sonntag (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des US-Senders CBS. ‌Vor dem ‌Hintergrund der angestrebten engeren Beziehungen zu den Golfstaaten sei jetzt der absolut richtige Zeitpunkt für eine Neuordnung ​der finanziellen Beziehungen zu ⁠den USA. Er wolle dafür nicht auf den nächsten Kongress warten, ​sondern jetzt anfangen, erklärte Netanjahu. Israel erhält derzeit ⁠jährlich etwa 3,8 ‌Milliarden Dollar an US-Militärhilfe. Für den Zeitraum von 2018 bis 2028 hat Washington insgesamt 38 ⁠Milliarden Dollar zugesagt. ⁠Der traditionell parteiübergreifende Rückhalt für diese Hilfen im US-Kongress ⁠und ​in ⁠der Bevölkerung hat jedoch ​seit dem Ausbruch des Gaza-Kriegs im ‌Oktober 2023 nachgelassen.

Iranische Friedensnobelpreisträgerin in Krankenhaus in Teheran verlegt  Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihrer Stiftung in ein Krankenhaus in Teheran verlegt worden. Die 54-Jährige war nach einem Herzinfarkt seit mehr als einer Woche auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der Stadt Sandschan im Nordwesten Irans, wo sie auch inhaftiert war. Mohammadi sei eine Aussetzung ihrer Strafe gegen Zahlung einer hohen Kaution gewährt worden, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung. Ihr Transport mit dem Krankenwagen sei abgeschlossen, und sie befinde sich nun im Tehran Pars Spital, wo sie von ihrem eigenen Ärzteteam behandelt werde, hieß es weiter. Auch ihr Anwalt Mostafa Nili bestätigte die Verlegung auf X. Mohammadis in Paris lebender Ehemann Taghi Rahmani hatte erst am Samstag auf X berichtet, der Gesundheitszustand der Menschenrechtsaktivistin sei weiter kritisch. Sie habe einen starken Blutdruckabfall erlitten, zudem falle ihr inzwischen selbst das Sprechen schwer, schrieb er.Rahmani und andere Familienmitglieder forderten seit längerem, Mohammadi nach Teheran zu verlegen, damit sie dort von ihren eigenen Fachärzten behandelt werden kann. Auch die USA forderten Iran am Freitag dazu auf, Mohammadi sofort aus dem Gefängnis freizulassen. Sie müsse die nötige Behandlung bekommen, die Welt schaue zu, schrieb der im US-Außenministerium für Menschenrechte zuständige Spitzenbeamte Riley Barnes auf der Plattform X.

Netanjahu: Krieg gegen Iran ist noch nicht vorbei  Nach Ansicht von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der Krieg gegen Iran noch nicht vorbei. Zunächst müsse der iranische Vorrat an angereichertem Uran „hinausgeschafft“ werden, sagte Netanjahu in am Sonntag veröffentlichten Auszügen aus einem Interview mit dem US-Sender CBS. „Es gibt noch Anreicherungsanlagen, die demontiert werden müssen“, fügte er hinzu.Auch sonst bleibe „noch Arbeit zu tun“ und es seien noch nicht alle Kriegsziele erreicht, betonte Netanjahu. Derzeit gilt eine brüchige Waffenruhe in dem Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf Iran begonnen hatte.Auf die Frage, wie das Uran entfernt werden könne, sagte Netanjahu: „Man geht hinein und holt es raus.“ US-Präsident Donald Trump habe eine ähnliche Position. „Ich werde nicht über militärische Mittel sprechen, aber der Präsident ‒ was Präsident Trump zu mir gesagt hat: 'Ich will da reingehen.'“Netanjahus Äußerungen stehen in Kontrast zu öffentlichen Wortmeldungen Trumps: Iran sei „militärisch besiegt“, sagte der US-Präsident in einem vor wenigen Tagen aufgezeichneten und am Sonntag ausgestrahlten Interview mit der unabhängigen Fernsehjournalistin Sharyl Attkisson. Das angereicherte Uran könne „wann immer wir wollen“ entfernt werden: „Wir werden es irgendwann bekommen, wann immer wir wollen. Wir haben es unter Beobachtung.“ Er fügte hinzu: „Wenn sich jemand dem Ort nähert, werden wir davon wissen und wir werden sie in die Luft jagen.“

Modi fordert Inder zum Sparen von Kraftstoff aufIndiens Ministerpräsident ​Narendra Modi fordert Bürger und Unternehmen auf, Kraftstoff zu sparen und wieder verstärkt von zu Hause aus zu arbeiten. Damit solle der Verbrauch von Benzin ⁠und Diesel gesenkt werden. Bürger und Unternehmen sollten der Rückkehr zum Homeoffice und zu Onlinebesprechungen, die während des Höhepunkts der Corona-Pandemie weit verbreitet waren, Vorrang einräumen, da dies dem Land zugutekomme, so Modi. Die aktuell hohen weltweiten Kraftstoffpreise bedeuteten, dass Indien Devisen einsparen müsse, indem es weniger Kraftstoffe verbrauche, erklärt er. 

Iran hat Antwort auf US-Vorschlag übermitteltIran hat Staatsmedien zufolge seine Antwort auf einen US-Vorschlag für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges an Pakistan übermittelt. Die Islamische Republik Iran habe ihre Antwort auf den jüngsten von den USA vorgeschlagenen Text „heute über pakistanische Vermittler“ verschickt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna am Sonntag, ohne nähere Angaben zu machen. Die US-Regierung hatte bereits am Freitag mit einer Antwort aus Teheran gerechnet. „Ich erhalte angeblich heute Abend einen Brief, also werden wir sehen, wie das läuft“, sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag (Ortszeit) vor Journalisten. Iran erklärte, man prüfe den neuen Verhandlungsvorschlag und werde seinen Standpunkt dem Vermittler Pakistan „nach Abschluss seiner Beratungen“ übermitteln. 

Emirate melden Drohnenangriff aus IranDie Vereinigten Arabischen Emirate haben am Sonntag einen neuen Beschuss aus Iran gemeldet. Die Flugabwehr habe zwei Drohnen erfolgreich abgewehrt, teilte das emiratische Verteidigungsministerium mit. Opfer habe es nicht gegeben. Insgesamt habe Iran die Emirate im Krieg bisher mit rund 550 Raketen, 30 Marschflugkörpern und 2200 Drohnen angegriffen.

Iran: Oberster Führer Khamenei berät sich mit Militärchef Der Befehlshaber des Zentralkommandos der iranischen Streitkräfte, Ali Abdollahi, hat ⁠sich der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Fars zufolge mit Irans oberstem Führer Modschtaba Khamenei getroffen. Dabei habe er neue Leitlinien für militärische Einsätze und eine entschlossene Konfrontation mit Gegnern erhalten, meldete Fars. Abdollahi habe das geistliche ‌und politische Oberhaupt der Islamischen Republik über die Einsatzbereitschaft der Truppen unterrichtet. Die Streitkräfte seien bereit, jeder Aktion der amerikanisch-israelischen Feinde entgegenzutreten, wurde Abdollahi zitiert. Im Falle eines Fehlers des Feindes werde ‌Iran schnell, hart und entschlossen ‌reagieren. Wann das Treffen stattfand, ließ die Agentur offen. Khamenei war zum Nachfolger seines Vaters ernannt worden, nachdem dieser zu Beginn des Irankriegs getötet worden war. 

Kuwait fängt erstmals seit Waffenruhe feindliche Drohnen abDie kuwaitische Armee hat nach eigenen Angaben im Luftraum des Golfstaates mehrere feindliche Drohnen unschädlich gemacht. Dies ‌sei am frühen Morgen geschehen, teilte das Militär mit. Es ist der erste derartige Vorfall seit dem Inkrafttreten der ‌Waffenruhe im Krieg ‌zwischen den USA und Iran vor rund einem Monat. In der vergangenen Woche hatten die Vereinigten Arabischen Emirate zwei Raketen ​und drei Drohnen aus ⁠Iran abgefangen.

Frachter vor Qatar von Projektil getroffenEin Frachter ist vor der Küste Qatars von einem unbekannten Projektil ‌getroffen ‌worden. Der Vorfall habe sich etwa 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt ​Doha ereignet, teilte ⁠die britische Seeschifffahrtsbehörde UKMTO mit. Es sei ein kleines ​Feuer an Bord ausgebrochen, ⁠das jedoch gelöscht ‌worden sei. Dem Kapitän zufolge gab es weder Verletzte ⁠noch Umweltschäden. Die Behörden ⁠untersuchten nun die Herkunft ⁠des Projektils, hieß ​es ⁠weiter. Schiffe in ​der Region seien ‌zur Vorsicht aufgerufen worden.

Iran droht USA im Falle von weiteren Angriffen mit VergeltungIran droht den USA im Falle von weiteren Angriffen auf iranische Handelsschiffe im Persischen Golf mit Vergeltung. Jeder Angriff auf iranische Schiffe werde eine massive Attacke auf eines der US-Zentren in der Region und feindliche Schiffe nach sich ziehen, warnte die Revolutionsgarde laut Staatsmedien. Ob Iran die von US-Präsident Donald Trump erwartete Antwort auf einen US-Friedensvorschlag mittlerweile übergeben hat, ist indes unbekannt. Weder die iranische Seite noch die US-Regierung äußerten sich bislang dazu. Die Revolutionsgarden erklärte weiter, es würden keine Bedrohungen gegen ihre Schiffe oder Störungen ihrer Ölexporte und Handelsrouten geduldet. Die Handelsflotte werde geschützt.

Libanon: Neun Tote durch israelische AngriffeBei Angriffen Israels im Süden des Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums am Samstag mindestens neun Menschen getötet worden. Unter den Opfern sei ein Mädchen. Bei Angriffen der pro-iranischen Hizbullah-Miliz auf israelische Soldaten wurden nach israelischen Armeeangaben drei Reservisten verletzt. Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit drei Wochen eine Waffenruhe, die von der Hizbullah aber nicht anerkannt wird. Israels Armee hatte am Samstagmorgen ungeachtet der Waffenruhe die Bewohner von neun Dörfern im Süden des Libanon aufgefordert, sich zum Schutz vor geplanten Militärangriffen in Sicherheit zu bringen. „Angesichts des Verstoßes der terroristischen Hizbullah gegen die Waffenruhe-Vereinbarung“ sei die Armee gezwungen, „kraftvoll“ gegen die Hizbullah vorzugehen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher mit. Die Hizbullah erklärte, sie habe als Reaktion auf die anhaltenden israelischen Angriffe Soldaten im Norden Israels mit einer Drohne angegriffen. Zudem nahm die Miliz nach eigenen Angaben israelische Soldaten ins Visier, die im Südlibanon im Einsatz sind. 

Iranisches Parlament tagt aus Sicherheitsgründen onlineDie Plenarsitzung des iranischen Parlaments wird aus Sicherheitsgründen erstmals als Videokonferenz abgehalten. Ein Parlamentssprecher erklärte laut Nachrichtenportal Tabnak, die für Sonntag angesetzte öffentliche Sitzung finde „aufgrund der aktuellen Lage“ online statt. Im Mittelpunkt stünden die jüngsten Preissteigerungen nach dem Krieg, die zu einer zentralen Sorge der Bevölkerung geworden seien, so der Sprecher.Die letzte öffentliche Sitzung des Parlaments hatte Mitte Februar stattgefunden. Nachdem mit Beginn des Kriegs mit den USA und Israel am 28. Februar mehrere iranische Offizielle ermordet worden waren, setzte auch das Parlament aus Sicherheitsgründen seine öffentlichen Sitzungen aus. In dieser Zeit kamen lediglich vereinzelt parlamentarischen Kommissionen zu Beratungen zusammen. 

London entsendet Schiff für Einsatz in Straße von HormusGroßbritannien hat einen Zerstörer für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus entsandt. Die „HMS Dragon“ werde in Position gebracht, um an einer von Großbritannien und Frankreich geführten Mission teilzunehmen, sobald die Feindseligkeiten zwischen Iran und israelisch-amerikanischen Streitkräften enden, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA eine Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London. Das Schiff war zuletzt im östlichen Mittelmeer im Einsatz, nachdem ein britischer Luftwaffenstützpunkt in Zypern von einer Drohne iranischer Bauart getroffen worden war. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor. Derzeit laufen diplomatische Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts.