FAZ 22.03.2026
19:50 Uhr

Liveblog Irankrieg: Netanjahu: Iran hat „Kapazität, tief nach Europa vorzudringen“


Israelischer Ministerpräsident fordert andere Staaten zur Beteiligung auf +++ Israels Außenminister kritisiert deutschen Botschafter scharf +++ Teheran droht mit Gegenschlägen auf Energieanlagen „in der gesamten Golfregion“ +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Netanjahu: Iran hat „Kapazität, tief nach Europa vorzudringen“

Israels Außenminister kritisiert deutschen Botschafter scharfDer israelische Außenminister Gideon Saar hat den deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, mit harscher Kritik bedacht. Dem Botschafter „fällt es sehr schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne dabei die Palästinenser zu erwähnen“, kommentierte Saar am Sonntag auf der Plattform X einen vorherigen Eintrag Seiberts. Darin hatte der deutsche Diplomat von einem „Tag voller Empörung und Trauer“ geschrieben und verschiedene gewaltsame Vorfälle des Sonntags aufgezählt: „im Norden ein Bauer von der Hizbullah getötet, im Süden und in der Mitte Hunderte durch iranische Raketen verletzt. Und in einer Parallelwelt: gewalttätige Ausschreitungen von Siedlern in palästinensischen Dörfern nach dem tragischen und noch zu untersuchenden Tod eines der ihren“. Am Samstag war ein 18 Jahre alter Bewohner eines Siedlungsaußenpostens gestorben, nachdem sein Quad-Fahrzeug von einem Auto mit palästinensischem Nummernschild angefahren worden war. Seibert habe eine „Fixierung auf die in Judäa und Samaria (dem Westjordanland, d. Red.) lebenden Juden“, behauptete Saar und schrieb, diese hindere den Botschafter daran, „auch nur den Tod eines Juden durch einen Palästinenser zu verurteilen“. Es sei gut, zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter eintreffen werde, „der die deutsch-israelischen Beziehungen stärken wird“. Seibert, der in wenigen Monaten in den Ruhestand tritt, hat in seiner Zeit als Botschafter seit Sommer 2022 immer wieder sowohl Gewalt von Palästinensern gegen Israelis als auch von Israelis gegen Palästinenser verurteilt. Unter vielen Israelis ist der frühere Regierungssprecher hochangesehen, weil er sich – anders als die meisten Mitglieder der israelischen Regierung – während des Gazakriegs regelmäßig mit Angehörigen der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln getroffen hat. Seibert reagierte auf Saars Tweet, indem er hervorhob, dass er die „willkürlichen Angriffe“ Irans auf israelische Zivilisten und den „kriminellen Einsatz von Streubomben“ öffentlich verurteilt habe. Deutschland vertrete eine klare Haltung, schrieb er: „Wir stehen in diesem Krieg an der Seite Israels.“ Ebenso bereite der Bundesregierung die Gewalt durch Siedler große Sorge, fügte der Botschafter hinzu und verwies darauf, dass auch Israels Präsident Izchak Herzog und andere führende Politiker sich zu diesem Thema geäußert hätten. 

Libanons Präsident: Israel richtet Pufferzone für Bodenoffensive einLibanons Präsident Joseph Aoun wertet die israelischen Angriffe auf die Infrastruktur seines Landes als Auftakt für eine Bodenoffensive. Die gezielte Zerstörung von Brücken über den ​Fluss Litani sei ein Versuch, die geografische Verbindung vom Süden zum Rest des libanesischen Staatsgebiets zu kappen, erklärte er. Er verdächtigt Israel, eine Pufferzone einrichten zu wollen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte Israels Vorgehen zuvor mit dem Modell im Gazastreifen verglichen, wo das Militär durch die Räumung und Zerstörung ⁠von Gebäuden in Grenznähe Pufferzonen geschaffen hatte. 

Iran droht mit der vollständigen Schließung der Straße von Hormus Der Iran droht nach einem Ultimatum von US-Präsident Donald Trump mit der vollständigen Schließung der Straße von Hormus, falls die USA iranische Kraftwerke angreifen. Die für den weltweiten Ölhandel wichtige Meerenge werde dann vollständig gesperrt und erst wieder geöffnet, wenn die zerstörten Kraftwerke wieder aufgebaut seien, teilten die iranischen Revolutionsgarden über den Staatssender Irib mit. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist infolge des Irankriegs bereits weitgehend zum Erliegen gekommen. Trump hatte dem Land mit der Zerstörung seiner Energieanlagen gedroht, sollte es nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig wieder öffnen. Andernfalls würden die USA iranische Kraftwerke angreifen und zerstören, „beginnend mit dem größten!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.  

Merz telefoniert mit TrumpBundeskanzler Friedrich Merz hat sich nach der Absage einer Beteiligung an Militäraktionen mit US-Präsident Donald Trump ausgetauscht. „Ich habe heute Nachmittag mit US-Präsident Donald Trump die Situation in Iran, Israel und in der Ukraine besprochen. Wir haben verabredet, weiter in engem Kontakt zu bleiben. Unser Austausch wird bald fortgesetzt“, schrieb der Kanzler auf der Plattform X. Weitere Einzelheiten teilte die Bundesregierung nicht mit.Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Freitag in Bad Dürkheim hatte Merz ein Gespräch mit Trump an diesem Wochenende angekündigt und auch gesagt: „Er ist im Augenblick nicht ganz so gut auf mich zu sprechen.“ Trump hatte die NATO-Partner unter Druck gesetzt, bei der Sicherung der für Öltransporte wichtigen Straße von Hormus mitzuhelfen, aber viele Absagen erhalten, auch von Merz. Der US-Präsident sprach von einem „törichten Fehler“. US-Senator Lindsey Graham, ein enger Vertrauter des Präsidenten, schrieb auf X, er habe mit Trump darüber gesprochen und ihn noch nie so wütend gehört. Merz sagte, trotz aller Meinungsverschiedenheiten werde er sich weiter für gute Beziehungen mit den USA einsetzen. „Ich möchte diese transatlantische Partnerschaft nicht aufgeben“, betonte Merz. 

Britischer Minister spricht über Irans Angriff auf MilitärstützpunktIran hat britischen Angaben zufolge den US-britischen Militärstützpunkt mit Raketen angegriffen. „Nach unserer Einschätzung haben die Iraner zweifellos Diego Garcia ins Visier genommen“, sagte der britische Wohnungsminister Steve Reed am Sonntag dem Sender BBC. Diego Garcia ist eine Insel im Indischen Ozean mit dem US-britischen Stützpunkt. Die Raketen richteten laut Reed jedoch keinen Schaden an. Der Minister sprach von einem Angriff mit zwei Raketen. „Nach unserem Verständnis ist eine Rakete zu kurz geflogen und hat ihr Ziel verfehlt, die andere wurde abgefangen und gestoppt“, sagte Reed, der in britischen Nachrichtensendungen vom Sonntag für die gesamte Regierung sprach. Er glaube nicht, „dass es eine Überraschung ist, dass dies passiert ist“, sagte Reed über den Angriff auf Diego Garcia. Er verwies darauf, dass Iran „rücksichtslos Raketen in der Region abfeuert“.Allerdings liegt Diego Garcia nicht in der Golfregion, sondern rund 4000 Kilometer von Iran entfernt. Die anderen iranischen Raketen- und Drohnenangriffe im Zuge des seit rund drei Wochen andauernden Krieges mit den USA und Israel richteten sich gegen Ziele in Israel und der Golfregion. Diego Garcia gehört zu den Stützpunkten, deren Nutzung Großbritannien den USA für den Krieg nach anfänglichem Zögern genehmigt hat. Diego Garcia ist die größte Insel des Chagos-Archipels. 

Israel zerstört Brücke in SüdlibanonDie israelische Armee hat nach libanesischen Angaben eine wichtige Brücke angegriffen, die Südlibanon mit dem restlichen Teil des Landes verbindet. Die Brücke al-Kasmijeh sei beschossen worden, berichtete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA. Die israelische Armee teilte kurz zuvor mit, es habe eine Angriffswelle gegen Hizbullah-Infrastruktur im Süden Libanons begonnen. Es gab zunächst keine Informationen über Verletzte. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Vormittag angekündigt, man habe die Armee angewiesen, „sofort alle Brücken über den Litani-Fluss zu zerstören, die Terroraktivitäten dienen“. So solle verhindert werden, dass Mitglieder der mit dem Iran verbündeten libanesischen Hizbullah-Miliz und Waffen in den Süden gelangen. Außerdem solle das Militär die Zerstörung von Häusern im libanesischen Grenzgebiet zu Israel beschleunigen, um eine Bedrohung israelischer Grenzorte zu verhindern. Dabei folge man dem „Modell“ der Grenzgebiete im Gazastreifen. 

Israel bestätigt direkte Einschläge in Arad und Dimona Bei iranischen Raketenangriffen auf Israels Süden ist es nach Militärangaben zu direkten Einschlägen in den Wüstenstädten Arad und Dimona gekommen. Der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani bestätigte dies im Gespräch mit Journalisten. Die Zerstörungen seien „katastrophal“, mehr als hundert Menschen seien verletzt worden, davon Dutzende schwer.Der Sprecher betonte, es habe sich nicht um neuartige Raketen Irans gehandelt, sondern um ballistische Raketen, wie sie seit Kriegsbeginn immer wieder eingesetzt worden seien. Andere Raketen dieser Art seien vorher durchaus von der Raketenabwehr abgefangen worden. „Ich habe viele Fragen dazu bekommen, wie die Iraner eine spezielle Rakete abgefeuert haben, die man angeblich nicht stoppen könne oder ähnliches“, sagte der Militärsprecher. „Das sind lediglich Versuche Irans, Angst zu verbreiten und ein Bild des Sieges zu vermitteln.“Der Militärsprecher wollte sich nicht zu der Frage äußern, warum die Raketen in Arad und Dimona nicht von der Raketenabwehr gestoppt werden konnten. Iranische Staatsmedien hatten berichtet, die Raketenangriffe auf die Wüstenstädte hätten einer Atomforschungsanlage gedient, die etwa zehn Kilometer von Dimona und 30 Kilometer von Arad entfernt liegt.Seit Kriegsbeginn am 28. Februar habe Iran mehr als 400 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert, hieß es weiter. Etwa 92 Prozent der Geschosse seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. In den gut drei Wochen habe es vier direkte Einschläge in israelischen Städten gegeben: in Tel Aviv, Beit Schemesch, Arad und Dimona. 

Iran setzt abermals Streumunition gegen Israel einNach Angaben des israelischen Militärs hat Iran seit Beginn des Krieges mehr als 400 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. 92 Prozent davon seien abgefangen worden, erklärte der Sprecher des israelischen Militärs, Oberstleutnant Nadav Shoshani, am Sonntag.Zuletzt sind bei einem iranischen Raketenangriff auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv nach Angaben von Sanitätern 15 Menschen verletzt worden. Ein 53 Jahre alter Mann habe schwere Verletzungen erlitten, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Nach Polizeiangaben gab es mehrere Einschläge im Bereich des Großraums Tel Aviv.Ein Armeesprecher teilte mit, Iran habe bei dem Angriff abermals Streumunition eingesetzt. Eine Rakete mit Streumunition zerbricht häufig über dem Ziel in der Luft und verteilt dann Submunitionen, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Nach Militärangaben beträgt der Radius der Einschläge bei dieser Art von Waffe rund zehn Kilometer.

Israel beschleunigt Zerstörungen in libanesischen Grenzdörfern Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz und Ministerpräsident Benjamin ​Netanjahu weisen das Militär an, die Zerstörung von Häusern in libanesischen Grenzdörfern zu beschleunigen. Damit sollten Bedrohungen für israelische Gemeinden beendet werden, teilte Katz mit. Zudem solle die Armee umgehend alle Brücken ⁠über den libanesischen Fluss Litani zerstören. Diese würden für terroristische Aktivitäten genutzt. 

Mindestens 180 Verletzte in Israel durch iranische AngriffeLaut dem israelischen Gesundheitsministerium wurden bei iranischen Raketenangriffen auf die südliche Stadt Dimona und das nahegelegene Arad mindestens 180 Menschen verletzt. In Dimona steht die wichtigste Atomanlage des Israels.Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete die Angriffe vom Samstag als „Reaktion“ auf einen Angriff auf die iranische Urananreicherungsanlage in Natans am Samstagmorgen.Unweit der libanesischen Grenze wurde zudem ein Mann, der in seinem Auto saß, von einer Rakete getroffen und starb. Nach israelischen Militärangaben gab es am Sonntagmorgen Beschuss aus Libanon.

Pistorius hält sich mit Kommentar zu Trump-Ultimatum zurückVerteidigungsminister Boris Pistorius will das 48-Stunden-Ultimatum ​von US-Präsident Donald Trump nicht kommentieren. „Ich würde sagen: abwarten“, sagte er bei einem Japan-Besuch auf eine entsprechende Frage. „Wir werden sehen, was passiert.“

Iran droht USA mit Gegenangriffen auf EnergieinfrastrukturIran droht im Falle eines Angriffs der USA auf die Kraftwerke des Landes mit Vergeltungsschlägen. Sollte die Kraftstoff- und Energieinfrastruktur Irans angegriffen werden, werde das iranische Militär alle Energieinfrastrukturen und Entsalzungsanlagen mit Verbindungen zu den USA in der gesamten Golfregion ins Visier nehmen, zitierte die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars einen Sprecher.US-Präsident Donald Trump hatte dem Land mit der Zerstörung seiner Energieanlagen gedroht, sollte es nicht innerhalb von 48 Stunden die für den weltweiten Ölmarkt wichtige Straße von Hormus vollständig und „ohne Drohungen“ wieder öffnen. Andernfalls würden die USA iranische Kraftwerke angreifen und zerstören, „beginnend mit dem größten!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. 

Hubschrauber-Unglück mit mehreren Toten in QatarIn Qatar sind bei einem Absturz eines Hubschraubers nach jüngsten Angaben sieben Personen ums Leben gekommen. Unter den Verunglückt seien vier Mitglieder der qatarischen Streitkräfte, ein türkischer Soldat und zwei Techniker einer türkischen Sicherheitsfirma, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Diese seien in dem qatarischen Hubschrauber bei einem gemeinsamen Einsatz beider Militärs über Wasser abgestürzt. Das qatarische Verteidigungsministerium sprach von einer „technischen Störung während eines Routine-Einsatzes“. Auch die türkische Seite sprach von einem „technischen Versagen“. Es gab keine Hinweise darauf, dass der Hubschrauber möglicherweise bei einem iranischen Angriff abgeschossen wurde. Es blieb jedoch unklar, wohin der Hubschrauber bei dem Einsatz fliegen sollte.