FAZ 27.05.2026
07:51 Uhr

Liveblog Irankrieg: Israel weitet Bodeneinsatz in Libanon aus


Militär spricht von Einsätzen auch hinter der „gelben Linie“ +++ Israel tötet nach eigenen Angaben neuen Hamas-Anführer +++ Revolutionsgarde droht Washington mit Vergeltung +++ Angereichertes Uran soll laut Trump zerstört werden +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Israel weitet Bodeneinsatz in Libanon aus

Die israelischen Streitkräfte haben eine Evakuierungsanordnung für die südlibanesische Stadt Nabatieh herausgegeben. Die Einwohner sollten ihre Häuser unverzüglich verlassen, und sich vor anstehenden Bombardements in Gegenden nördlich des Zahrani-Flusses in Sicherheit bringen, hieß es. Die Stadt ist in den vergangenen Tagen von heftigen israelischen Luftangriffen getroffen worden. Sie ist eine Hochburg der von Iran gelenkten Schiitenmiliz Hizbullah, liegt aber weit jenseits der von Israel ausgegeben „Pufferzone“ im Landesinneren. In den Außenbezirken der Stadt wurden laut libanesischen Presseberichten auch israelische Militärfahrzeuge gesichert.  Die militärische Konfrontation an der Libanon-Front ist in den vergangenen Tagen merklich eskaliert. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trotz eines nominellen Waffenstillstands angekündigt, ihre Operationen gegen die Hizbullah auszuweiten.  Am Mittwoch gab es neue Luftangriffe in Südlibanon und in der Bekaa-Ebene im Osten des Landes.

Iran will im Krieg beschädigten internationalen Flughafen wiedereröffnenDer Betrieb am internationalen Flughafen Shahid Madani in Täbris soll am Mittwoch nach „umfangreichen Reparaturarbeiten“ wieder aufgenommen werden. Das berichtet die iranische Nachrichtenagentur WANA unter Berufung auf Luftfahrtbeamte.Dem Bericht zufolge war der Flughafen während des Krieges „häufigen Angriffen“ ausgesetzt, wobei die Angriffe „schwere Schäden“ an der Start- und Landebahn sowie am Flugsicherungsturm verursachten.Der Flughafen ist laut WANA der drittgrößte internationale Verkehrsknotenpunkt des Iran und zählt Istanbul, Dubai und Hamburg zu seinen Zielen. In Täbris befindet sich ein unterirdischer Raketenkomplex, den die Amerikaner und Israelis während des Kriegs angriffen.

Vertreter der Revolutionsgarde: Weiteres Aufflammen des Kriegs unwahrscheinlichEin Aufflammen des Krieges zwischen Iran und den USA ist einem Vertreter der iranischen Revolutionsgarde zufolge unwahrscheinlich. „Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges ist gering wegen der Schwäche des Feindes“, sagte Mohammed Achbarsadeh, ein ranghoher Vertreter der Marine der Revolutionsgarden, laut der Nachrichtenagentur Tasnim am Mittwoch vor dem Hintergrund der diplomatischen Verhandlungen über ein Ende des Krieges.Zugleich betonte er die anhaltende Kampfbereitschaft des Iran: „Die Streitkräfte halten sich bereit, mit vollen Magazinen.“ „Das Gebiet von Tschabahar bis Mahschahr“ an der Südküste des Iran könne „in einen Friedhof für Aggressoren“ verwandelt werden, sagte er.Ungeachtet einer eigentlich geltenden Waffenruhe hatten die US-Streitkräfte am Montag iranische Raketenstellungen und Schiffe angegriffen. 

UN-Sicherheitsrat verurteilt Angriff auf Atomkraftwerk in den VAEDer UN-Sicherheitsrat ‌hat den Angriff auf das Atomkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verurteilt. ‌Der ‌Angriff verstoße gegen das Völkerrecht, teilte das Gremium in einer Erklärung mit. Verantwortliche ​für die ⁠Attacke nannte der Rat nicht. Die VAE hatten vergangene Woche ​mitgeteilt, aus dem Irak seien sechs ⁠Drohnen gestartet, von ‌denen eine das Kraftwerk getroffen habe. Im Irak hatten sich ⁠von Iran unterstützte Milizen ⁠während des Krieges zwischen den ⁠USA, Israel ​und ⁠Iran zu ​Angriffen auf „feindliche Stützpunkte im Irak ‌und in der Region“ bekannt. 

Libanon meldet mehr als 30 Tote durch israelische Angriffe Bei israelischen Angriffen auf Ziele in Libanon sind nach Angaben der Regierung in Beirut am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet worden. Es habe mindestens 31 Todesopfer gegeben, teilte am Abend das libanesische Gesundheitsministerium mit. Unter ihnen seien vier Kinder und drei Frauen. Etwa 40 Menschen seien zudem verletzt worden.

Iran verurteilt US-Angriffe Irans Außenministerium hat die jüngsten US-Angriffe als groben Verstoß gegen die Waffenruhe verurteilt und mit Vergeltung gedroht. „Zweifellos wird die Islamische Republik Iran keinen provokativen Akt unbeantwortet lassen und nicht das geringste Zögern bei der Verteidigung der nationalen Souveränität Irans dulden“, hieß es in einer Erklärung. Diese parallel zum von Pakistan vermittelten Friedensprozess gestarteten aggressiven Handlungen hätten den „boshaften Willen“ der US-Regierung offenbart. Das US-Militär hatte zuvor nach eigenen Angaben im Süden des Landes iranische Raketenstellungen sowie Boote angegriffen, die in der Straße von Hormus Minen verlegen wollten. Ein Sprecher des zuständigen Regionalkommandos der US-Streitkräfte erklärte, die jüngsten „Angriffe zur Selbstverteidigung“ dienten dem Schutz der Truppen vor Bedrohungen durch iranische Kräfte. 

Israel: Neuer Hamas-Chef eine Woche nach Ernennung im Gazastreifen getötetRund anderthalb Wochen nach dem tödlichen Angriff auf den Chef des bewaffneten Hamas-Arms Essedin-al-Qassam-Brigaden hat Israel nach Regierungsangaben auch dessen Nachfolger im Gazastreifen getötet. Der Angriff habe sich gegen Mohammed Odeh gerichtet, „den neuen Kommandeur des Flügels der Hamas-Terrororganisation und einen der Architekten des Massakers vom 7. Oktober“, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz.Bei dem Überfall der islamistischen Palästinenserorganisation und ihrer Verbündeten am 7. Oktober 2023 war Odeh der Erklärung zufolge Chef des Hamas-Geheimdienstes. Vor gut einer Woche wurde er zum Nachfolger von Essedine al-Haddad ernannt, der wenige Tage zuvor bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen getötet worden war. Odeh war demnach verantwortlich „für die Ermordung, Entführung und Verletzung zahlreicher israelischer Zivilisten und Soldaten“. „Wir werden weiterhin alle verfolgen, die an dem Massaker vom 7. Oktober beteiligt waren“, erklärten Netanjahu und Katz. „Früher oder später wird Israel sie alle zur Rechenschaft ziehen.“

Iranische Nachrichtenagentur: Iran lässt 25 Schiffe Straße von Hormus passieren Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden passieren in den vergangenen 24 Stunden ​25 Öltanker, Containerschiffe und andere Handelsschiffe die Straße von Hormus mit Erlaubnis Irans. Dies meldet die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Marine der Elitetruppe. 

Teilweise wieder Zugang zum Internet in IranIn Iran ist der Zugang zum Internet teilweise wieder möglich. Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Aref teilte auf der Plattform X mit, die Regierung erfülle damit „die Forderungen der Iraner“. Dies sei der „erste Schritt in Richtung eines freien und regulierten Zugangs“ zum Internet. Auch die staatlichen Nachrichtenagenturen Irna und Fars berichteten, dass Nutzer von Festnetzanschlüssen jetzt wieder vollen Zugang zum Internet hätten. Die Organisation Netblocks, welche weltweit Internetaktivitäten überwacht, bestätigte zwar, dass Live-Werte eine „teilweise Wiederherstellung“ anzeigten. Es sei aber unklar, ob dies von Dauer sei.Internetnutzer in Iran berichteten, dass das über Festnetzanschlüsse bereitgestellte Internet wieder funktioniere. Der Zugriff auf mobile Daten sei aber weiter unterbrochen. Andere wiederum berichteten, dass der Zugang auch von zu Hause aus lückenhaft bleibe. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Dienstag einen Anstieg des Webtraffics im Vergleich zu den vergangenen Wochen. Das Internet in Iran war seit Beginn der Angriffe Israels und der USA Ende Februar blockiert gewesen. Am Montag hatte Präsident Massud Peseschkian die Freischaltung des internationalen Internets iranischen Angaben zufolge angeordnet. Ein konkretes Datum für die Entsperrung wurde bislang nicht genannt. Mitte Mai hatten iranische Medien jedoch über eine mögliche Freischaltung am 5. Juni berichtet. 

Explosion an Tanker vor der Küste OmansVor der Küste Omans hat sich an einem Tanker nach einem mutmaßlich iranischen Angriff eine Explosion ereignet. Der Kapitän habe eine Explosion am Schiffsrumpf gemeldet, teilte die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) heute mit. Die Besatzung sei in Sicherheit, es sei aber Treibstoff ausgetreten und ins Meer geströmt. Schiffe in der Nähe wurden aufgerufen, die Gegend vorsichtig zu befahren. Weil sich die Explosion nahe der Wasserlinie ereignete, könnte es sich um einen Angriff mit einem Drohnenboot handeln oder mit einer Haftmine, die am Schiffsrumpf angebracht wurde.Seit Beginn des Irankriegs vor drei Monaten wurden mehrmals Schiffe in der Straße von Hormus und angrenzenden Gewässern angegriffen. Weil die Meerenge faktisch für den Schiffsverkehr geschlossen ist, stecken nach US-Angaben rund 22.500 Seeleute an Bord von mehr als 1550 Handelsschiffen im Persischen Golf fest. 

Israelische Armee Einwohner der libanesischen Stadt Nabatije zur Flucht aufDie israelische Armee hat eine Evakuierungsaufforderung für die Stadt Nabatije im Süden des Libanon herausgegeben. „Zu ihrer eigenen Sicherheit“ sollten die Bewohner ihre Häuser räumen und sich in Gegenden „nördlich des Flusses Sahrani“ zurückziehen, schrieb der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee am Dienstag im Onlinedienst X.Die israelische Armee rechtfertigte die Evakuierungsaufforderung mit möglicherweise bevorstehenden Angriffen gegen Einrichtungen der proiranischen Hizbullah-Miliz. „Jeder, der sich in der Nähe von  Hizbullah-Mitgliedern, ihren Einrichtungen oder ihrem militärischen Gerät aufhält, setzt sein Leben aufs Spiel“, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Staatsmedium: Iran fordert Freigabe von 24 Milliarden Dollar Iran verlangt die Freigabe von im Ausland eingefrorenen Geldern in Höhe von rund 24 ⁠Milliarden Dollar. Dies müsse in die Absichtserklärung mit den USA eingehen, die derzeit ausgehandelt werde, meldet die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf das Umfeld des iranischen Verhandlungsteams. Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf sei nach Qatar gereist, um dort eine Einigung auf ‌einen entsprechenden Mechanismus zu erzielen, heißt es in dem Bericht weiter. 

Libanon meldet zwölf Tote nach israelischen AngriffenBei israelischen Luftangriffen im Süden Libanons sind nach libanesischen Angaben zwölf Menschen getötet worden. Bei den Angriffen auf einen Ort in der Bekaa-Ebene am späten Montagabend habe es weitere Verletzte gegeben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Es habe dort mindestens acht Angriffe gegeben. Das israelische Militär gab auf Nachfrage an, die Berichte zu prüfen. Die Hizbullah äußerte sich zunächst nicht.In der Nacht und am Morgen kam es nach NNA-Angaben zu weiteren Angriffen, vor allem im Süden des Landes. Lokale Medien berichteten von Dutzenden Angriffen in verschiedenen Gebieten Südlibanons. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montagabend angekündigt, die Angriffe gegen die Hizbullah zu verstärken. In Libanon wächst angesichts dessen die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Zahlreiche Bewohner aus den südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut verließen in der Nacht aus Angst vor israelischen Angriffen ihre Häuser. Die Hizbullah  hat in den Vororten eine starke Präsenz.

Nach Angriffen auf RaketenstellungenDie iranische Revolutionsgarde behält sich das Recht auf Vergeltung ⁠für jegliche Verletzungen der Waffenruhe durch die USA vor. Dieses Recht sei legitim, teilte die Garde staatlichen Medien zufolge mit. Zudem meldete sie, dass Flugabwehreinheiten eine US-Drohne des Typs MQ-9 abgeschossen hätten. Sie ‌hätten außerdem das Feuer auf ein Kampfflugzeug eröffnet, das in den iranischen Luftraum eingedrungen sei.