FAZ 27.03.2026
17:59 Uhr

Liveblog Irankrieg: Iran meldet Angriff auf Schwerwasserreaktor


Offenbar keine Radioaktivität ausgetreten +++ Rubio: Keine US-Bodentruppen nötig +++ Iran-nahe Gruppe hat wohl Mail-Account des FBI-Chefs gehackt +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Iran meldet Angriff auf Schwerwasserreaktor

Israel fliegt abermals Angriffe gegen HizbullahDas israelische Militär am späten Abend abermalig Hizbullah-Ziele in der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen, wie ein Sprecher mitteilte. Bereits wenige Stunden zuvor waren Angriffe gegen die proiranische Miliz geflogen worden. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte am Abend bei einem Truppenbesuch in Südlibanon von „bedeutenden Plänen zur Fortsetzung des Einsatzes“ gesprochen. „Wir befinden uns an einem historischen Wendepunkt“, sagte Zamir. Israel verfolge einen Plan, „um die Sicherheitslage – von Teheran bis Beirut – grundlegend zu verändern.“

Russland will Export von Benzin verbietenDer russische Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak weist das Energieministerium an, einen Beschluss für ein Exportverbot von Benzin ab dem 1. ⁠April auszuarbeiten. Nowak begründet den Schritt in einer Erklärung mit starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt infolge der Krise im Nahen Osten. Zugleich sei die inländische Versorgung durch stabile Verarbeitungsmengen gesichert. Der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge soll der Ausfuhrstopp bis zum 31. Juli gelten. Russland schränkte ‌bereits im vergangenen Jahr die Ausfuhr von Kraftstoffen zeitweise ein, um Engpässe und Preissteigerungen im Inland zu bekämpfen. Die Ukraine hat russische Energieanlagen ins Visier genommen.

Medien: Über 20 Tote bei Angriffen in Iran Bei Angriffen auf Wohngebiete in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Kurdenprovinz Kermanschah sind Medienberichten zufolge mehr als 20 Zivilisten ums Leben gekommen. In Teheran starben im Stadtviertel Schahr-e Rey zehn Bewohner eines Wohnkomplexes bei einem Raketenangriff der amerikanisch-israelischen Streitkräfte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Feuerwehrsprecher berichtete.In der Stadt Kermanschah im Westen des Landes wurden dem Gouverneursbüro zufolge mehr als zehn Wohneinheiten angegriffen. 13 Menschen seien ums Leben gekommen, darunter 2 Kinder und 4 Frauen.Zudem gab es Angriffe auf die beiden Stahlwerke in Isfahan in Zentral- und Ahwas im Südwestiran. Teile der Stromversorgungsanlagen sowie eine Werkhalle der beiden Fabriken wurden Berichten zufolge beschädigt. Demnach gab es in Isfahan einen Toten und zwei Verletzte. Das genaue Ausmaß der Angriffe soll nach Abschluss der Untersuchungen bekanntgegeben werden. 

UN wollen Düngemittel-Handel in der Straße von Hormus erleichtern Die Vereinten Nationen (UN) richten eine Arbeitsgruppe ein, um einen neuen Mechanismus für die Straße von Hormus zu entwickeln. Dieser soll den Handel mit Düngemitteln und den Transport der entsprechenden Rohstoffe erleichtern, teilt UN-Sprecher Stephane Dujarric mit. Dünger gehört zu den Gütern, die von der Teilblockade der für den ​internationalen Handel wichtigen Wasserstraße betroffen sind. 

Merz: Zweifel, dass Amerikaner und Israelis eine Strategie für den Irankrieg habenBundeskanzler Friedrich Merz hat nach eigenen Worten wenig Hoffnung, dass der Irankrieg schnell endet. „Zurzeit verstricken sich die Amerikaner und die Israelis in diesem Konflikt jeden Tag tiefer“, sagt der Kanzler beim F.A.Z.-Kongress. Er bezweifele, dass es eine wirkliche Strategie gebe. Wenn „Regime Change“, ​also der Sturz der Regierung in Teheran das Ziel sei, glaube er nicht, dass dieses Ziel erreicht werde. „Ich habe große Zweifel, ob es eine Strategie gibt und ob diese Strategie dann tatsächlich auch erfolgreich ausgeübt wird“, sagt Merz. „Insofern könnte es auch noch etwas länger dauern. Es wird wahrscheinlich nicht besser.“ Das ganze Gespräch mit Friedrich Merz können Sie im Deutschland-Blog verfolgen:

Chinesische Frachter drehen vor Straße von Hormus umZwei chinesische Containerschiffe brechen einer Analyse der Datenplattform Kpler zufolge den Versuch ab, den Golf durch die Straße von Hormus zu verlassen. Dies geschieht trotz der Zusicherung der Regierung in Teheran, dass Schiffe aus befreundeten Staaten wie China ​die Meerenge passieren dürfen. Daten der Plattform LSEG zeigen, dass die beiden Frachter der Reederei Cosco über ihre Identifizierungssysteme signalisieren, dass sie chinesische Eigentümer und Besatzungen haben. Iranische Staatsmedien berichten unterdessen, dass drei Containerschiffe unterschiedlicher Nationalität nach Warnungen der Marine der Revolutionsgarden umkehren. 

Rubio: Keine Bodentruppen nötigDie USA können ihre Ziele im Iran nach Darstellung von Außenminister Marco Rubio ohne den Einsatz von Bodentruppen erreichen. Ein mögliches iranisches Gebührensystem für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus sei für die USA inakzeptabel, sagt er nach einem Treffen ​der G7-Außenminister in Frankreich zudem. Der Einsatz in Iran werde voraussichtlich in Wochen, nicht in Monaten abgeschlossen sein. Gegenwärtig warteten die USA auf eine Klarstellung, mit wem sie auf iranischer Seite verhandeln werden. 

Israelische Armee rückt im südlichen Libanon vorDie israelische Armee rückt mit Bodentruppen weiter im südlichen Libanon vor. Die Truppen seien im Süden acht Kilometer weit von der Grenze ins Landesinnere vorgedrungen, sagte der libanesische Verteidigungsminister Michel Menassa in einer Kabinettssitzung. Die Regierung wolle voraussichtlich eine Beschwerde beim UN-Sicherheitsrat einreichen. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Sicherheitskreisen ebenfalls, dass die israelische Armee weiter vordringe. Demnach waren dort auch israelische Panzer zu sehen.Israels Armee teilte mit, die Truppen hätten in einer Schule im Ort al-Chiam Hunderte Waffen entdeckt, darunter Panzerabwehrraketen, Mörsergranaten und Sprengsätze. Die vom Iran unterstützte Hizbullah-Miliz berichtete von Bodenkämpfen mit israelischen Truppen im Grenzgebiet. Sie beanspruchte dabei mehrere Angriffe auf israelische Stellungen im südlichen Libanon für sich. 

G7 fordern Stopp von Angriffen auf zivile Ziele im Irankrieg Die G-7-Staaten haben einen „sofortigen Stopp der Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastrukturen“ im Irankrieg gefordert. Nichts rechtfertigte es, Zivilisten ins Visier zu nehmen oder diplomatische Einrichtungen anzugreifen, betonten die G-7-Außenminister, darunter auch US-Außenminister Marco Rubio, am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung.Der Adressat des Aufrufs wurde nicht genannt. Sowohl die USA und Israel als auch der Iran greifen seit Beginn des Krieges immer wieder zivile Infrastruktur an, etwa Energieanlagen. Die  Abschlusserklärung der G-7-Außenminister fiel mit Meldungen über Angriffe auf einen Schwerwasserreaktor und eine Uran-Aufbereitungsanlage in Iran zusammen. Die G-7-Außenminister bekräftigten in ihrer Erklärung zudem die „absolute Notwendigkeit, die freie und sichere Schifffahrt im Golf von Oman dauerhaft wiederherzustellen“.  US-Außenminister Rubio werde demnächst den EU-Außenministerrat über die Strategie der USA informieren, erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot. Auch eine gemeinsame Sitzung der G-7-Außenminister mit denen des Golf-Kooperationsrats sei geplant. 

UN-Sicherheitsrat tagt zum IrankriegDer Sicherheitsrat der Vereinten Nationen tagt in New York zum Irankrieg. Das Gremium kam am Donnerstagmorgen (Ortszeit) zu einer geschlossenen Sitzung auf eine Initiative Russlands zusammen. Das von Moskau festgelegte Thema der Sitzung seien „Angriffe auf zivile Infrastruktur in Iran, darunter eine Mädchenschule in Minab“, hieß es aus Diplomatenkreisen. Bei dem Angriff in Minab am Persischen Golf waren Ende Februar mindestens 168 Schülerinnen, 26 Lehrerinnen sowie 4 Eltern ums Leben gekommen. US-Medienberichten zufolge sind US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich, Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte dazu eine Untersuchung angekündigt.Auf die Frage eines Journalisten nach dem Grund für die kurzfristig angesetzte Sitzung antwortete der russische UN-Botschafter: „Weil sie die Atomkraftwerke angreifen.“Iran hatte diese und vergangene Woche Geschoss-Einschläge auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr gemeldet. Schäden an der Anlage oder Verletzte gab es beide Male nicht. Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom baut derzeit einen zweiten Reaktorblock. 

Wadephul: Haben gemeinsame Linie mit den USA zum IrankriegNach Angaben von Außenminister Johann Wadephul haben ​die G7-Staaten eine gemeinsame Linie zum Irankrieg gefunden - und damit ⁠auch mit den USA. Zugleich wies er nach einem Treffen der G7-Außenminister in der Nähe von Paris den Eindruck eines Zerwürfnisses zwischen ‌Washington und Deutschland zurück. „Es gab und es gibt keine Anforderung der Vereinigten Staaten von Amerika, insbesondere an uns, vor Ende ‌der Kampfhandlungen einen militärischen ‌Beitrag zu leisten“, betonte der CDU-Politiker. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Kritik an der Position der Bundesregierung geäußert, für den Irankrieg der ​USA und Israels keine Unterstützung zu ⁠leisten.Wadephul betonte, dass die Bundesregierung diplomatisch aktiv sei, man stimme sich eng miteinander ab. „Für ​ein Szenario danach habe ich unsere prinzipielle Bereitschaft bekundet, dass wir über ⁠so etwas miteinander ‌sprechen können, wenn es sinnvoll ist, wenn es notwendig ist.“ Während er zuvor gesagt hatte, dass er mit US-Außenminister Marco Rubio ⁠bereits über diese ⁠Frage gesprochen habe, sagte Wadephul nach dem G7-Treffen, dass man zum jetzigen ⁠Zeitpunkt ​noch ⁠nicht so weit sei, über ​eine Nachkriegs-Hilfe zu sprechen. Auf die Frage, ob ‌die G7-Staaten mit US-Außenminister Rubio eine gemeinsame Linie gefunden hätten, antwortete er ​mit „Ja“. 

Bericht: Stahlwerke in Iran beschädigt Bei US-israelischen Luftangriffen auf Iran sind iranischen Medienberichten zufolge zwei wichtige Stahlwerke beschädigt worden. „Vor wenigen Minuten hat der amerikanisch-zionistische Feind in separaten Angriffen auf die Stahlfabriken Chusestan (im Südwestiran) und Mobarakeh in Isfahan (im Zentraliran) gezielt“, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Fars am Freitag. Rettungskräfte hätten sich unmittelbar vor Ort begeben, hieß es weiter. Auch der staatliche Rundfunk Irib berichtete über die Angriffe. Ersten Informationen zufolge seien in der Fabrik von Mobarakeh „ein Umspannwerk und eine Produktionslinie für legierten Stahl“ angegriffen worden, berichtete Fars. In der Fabrik von Chusestan sei ein Lager getroffen worden. Stahl ist für die Produktion zahlreicher industrieller und militärischer Güter unverzichtbar, darunter Raketen, Drohnen und Schiffe. 

Iran-nahe Gruppe hat wohl Mail-Account des FBI-Chefs gehacktHacker mit Verbindungen zu Iran haben sich nach eigenen Angaben Zugang zum E-Mail-Account des FBI-Direktors Kash Patel verschafft und angebliches Material daraus veröffentlicht. Auf ihrer Website teilte die Hackergruppe Handala ​Hack Team mit, der Chef der US-Bundespolizei werde „nun seinen Namen auf der Liste der erfolgreich gehackten Opfer finden“. Ein Beamter des Justizministeriums bestätigte Reuters, dass Patels E-Mails kompromittiert worden seien, nannte aber keine Details. Später sagte eine Quelle aus dem Ministerium, das Material scheine echt zu sein. 

Iran wirft den USA vor, Landminen einzusetzenIran hat den Vereinigten Staaten vorgeworfen, im Krieg Landminen einzusetzen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim behauptete, das amerikanische Militär habe die Sprengfallen über den Vororten von Schiras im Süden des Landes abgeworfen; dies habe bereits zu mehreren Toten geführt. Demzufolge seien die Minen „etwas größer als Thunfischdosen“. Die Agentur veröffentlichte mehrere Bilder, die die Minen zeigen sollen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden; die amerikanische Regierung äußerte sich dazu zunächst nicht. Der Einsatz von Landminen wird kritisiert, weil sie noch nach Jahren eine Gefahr für Zivilisten darstellen können. Landminen ist der Oberbegriff für am Boden verlegte Sprengfallen und umfasst sowohl Antipersonenminen als auch Panzerabwehrminen. Die Vereinigten Staaten sind der Ottawa-Konvention, die den Einsatz von Antipersonenminen verbietet, nie beigetreten. Es gibt aber auch keine Hinweise, dass diese Art von Minen in Iran eingesetzt wurde. Vielmehr gehen Fachleute davon aus, dass auf den  veröffentlichten Bildern Panzerabwehrminen des Typs BLU-91/B zu sehen sind. Sie werden von Kampfflugzeugen abgeworfen und in der Regel ausgelöst, wenn sich ihnen ein größeres Fahrzeug nähert. Die Minen können auch so programmiert werden, dass sie sich innerhalb von Stunden oder Tagen selbst zerstören. Das Investigativmedium Bellingcat hat nach eigenen Angaben einige der Minen im Dorf Kafari lokalisiert, was sich mit den iranischen Angaben decken würde. Die Sprengfallen liegen demnach zwei Kilometer von einem Standort entfernt, an dem sich ein unterirdischer Raketenstützpunkt befinden soll. Die Vereinigten Staaten könnten dort auf Minen setzen, um Fahrzeugen den Zugang zu erschweren. Die USA sind nach öffentlichen Informationen die einzige Kriegspartei im Irankrieg, die über BLU-91/B verfügen. Laut „Washington Post“ wäre es der erste bekannte Einsatz solcher Waffen durch die USA seit mehr als zwei Jahrzehnten. Das Fachportal „The War Zone“ weist jedoch darauf hin, dass nicht völlig ausgeschlossen sei, dass auch Teheran an die Minen gelangt sei oder Nachbildungen produziert habe und sie nun zu Propagandazwecken platziert.