FAZ 08.05.2026
17:40 Uhr

Künstliche Intelligenz: Trumps KI-Politik war viel zu einseitig


Donald Trump hat bisher eine KI-Politik der langen Leine verfolgt. Das war viel zu einseitig. Nun zeichnet sich eine willkommene Kehrtwende ab.

Künstliche Intelligenz: Trumps KI-Politik war viel zu einseitig

Unter Donald Trumps Vorgänger Joe Biden hat die US-Regierung eine Behörde eingerichtet, die sich mit Sicherheitsrisiken von Systemen der Künstlichen Intelligenz befassen sollte. Dieses „AI Safety Institute“ schloss Vereinbarungen mit Open AI und Anthropic, zwei der wichtigsten KI-Spezialisten, die der Regierung Zugang zu ihren Technologien versprachen, bevor sie veröffentlicht werden. Diese Abkommen sollten „nur der Anfang“ sein, hieß es damals. Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus aber änderte sich die Ausrichtung der Behörde. Dies kam in ihrer symbolträchtigen Umbenennung zu „Center for AI Standards and Innovation“ zum Ausdruck. Das Wort „Sicherheit“ fiel also aus dem Namen. Als neue Marschrichtung wurde vorgegeben: Innovation soll nicht mehr von Regulierung gebremst werden. Seit Trump wieder Präsident ist, hat er eine KI-Politik der Entfesselung verfolgt. Sein vorrangiges Ziel war dabei die Überlegenheit der USA auf diesem Gebiet, gerade im Wettbewerb mit China. Außerdem trug der Investitionsrausch rund um KI zuletzt maßgeblich zum Wirtschaftswachstum in den USA bei. Trump hat KI als „Baby“ beschrieben, dessen Wachstum man nicht durch „dumme Regeln“ behindern dürfe. Schon am Tag seiner abermaligen Vereidigung machte er ein Dekret von Biden rückgängig, das sich um die Entwicklung von Sicherheitsstandards für KI drehte. Trump hat auch versucht, jegliche KI-Regulierung auf der Ebene amerikanischer Bundesstaaten zu unterbinden. Bestärkt wurde er in alledem von Vertretern der Technologiebranche, die in seiner zweiten Amtszeit mehr Nähe zu ihm kultivieren als in seiner ersten. Ein Kurswechsel bahnt sich an Nun aber bahnt sich ein Kurswechsel an. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, wird im Weißen Haus die Einführung einer staatlichen KI-Aufsicht diskutiert. Angedacht ist etwa, dass die Regierung künftig eine formelle Rolle in der Prüfung von KI-Modellen spielt, bevor sie veröffentlicht werden. Das klingt nach dem Gegenteil der bisher propagierten Strategie der langen Leine. Neue Töne sind auch von Trumps KI-Behörde zu hören, die sich bislang demonstrativ von der Biden-Ära abgegrenzt hat. Sie kündigte Vereinbarungen mit Google, Microsoft und X.AI an, die denjenigen mit Open AI und Anthropic vor zwei Jahren auffällig ähneln. Der Sinneswandel hat offenbar mit dem kürzlich vorgestellten KI-Modell Mythos von Anthropic zu tun, das eine Art Panik ausgelöst zu haben scheint. Es soll über Fähigkeiten verfügen, bislang unbekannte Sicherheitslücken in Computerprogrammen und IT-Systemen zu finden, was es zu einem gefährlichen Werkzeug für Cyberangriffe machen könnte. Das Modell ist vorerst nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich, sondern nur für eine ausgewählte Gruppe an Technologieunternehmen. Berichten zufolge bedrängen Vertreter des Weißen Hauses Anthropic, diesen Kreis nicht zu erweitern. Hinter der Neuausrichtung der KI-Politik steckt womöglich mehr als ein gestiegenes Sicherheitsbewusstsein. Auch die näher rückenden Kongresswahlen erhöhen den Druck auf Trump, seine bisherige Unbekümmertheit mit Blick auf KI zu überdenken. Viele Amerikaner sehen KI-Technologien mittlerweile sehr kritisch. Sie machen sich Sorgen um den Verlust von Arbeitsplätzen und – wegen des Energiehungers von KI-Rechenzentren – höhere Stromrechnungen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie gaben fast drei Viertel der Befragten an, es müsse mehr staatliche Regulierung für Systeme der Künstlichen Intelligenz geben. So haben auch mehrere Politiker die KI schon zum Wahlkampfthema gemacht. Sie versprechen, weniger lax im Umgang mit KI zu sein als etwa der Präsident. Die KI-Agenda von Trump hat durchaus gute Ansätze. Etwa die per Dekret ins Leben gerufene „Genesis Mission“, eine nationale KI-Initiative mit dem Ziel, die „technologische Dominanz“ seines Landes zu festigen. Besonders vielversprechend an dem Projekt ist, dass es als Partnerschaft mit der Privatindustrie angelegt ist und einige der größten amerikanischen Technologieunternehmen mitmachen wollen. Unter dem Strich war Trumps bisherige KI-Politik viel zu einseitig. Sosehr sich über das angemessene und richtige Maß an Regulierung streiten lässt: Der US-Präsident hat es sich allzu leicht gemacht und Risiken einfach ausgeblendet. Sollte es ihm wirklich ernst damit sein, fortan einen umsichtigeren Kurs zu verfolgen, wäre das nur zu begrüßen.